Entlassung eines Pornostars Theater beendet Zusammenarbeit, Jacobs prangert Doppelmoral an
Der schwule Schauspieler und Sänger Andrew Bonomolo wirft dem Cape Fear Regional Theatre in Fayetteville im US-Bundesstaat North Carolina vor, ihn wegen seiner früheren Arbeit in der Erwachsenenunterhaltung aus einer Theaterproduktion entlassen zu haben. Bonomolo war für das Musical „Bright Star“ engagiert worden. Einen Tag vor Beginn der Proben sei er jedoch jetzt in einem Gespräch, das etwa eine Stunde vor seinem angesetzten Arbeitsbeginn stattfand, von der Produktion abgezogen worden. Als Troye Jacobs ist der Darsteller sehr erfolgreich in der Pornobranche, allein auf X folgen ihm fast 700.000 Menschen.
Das Wichtigste im Überblick
- Der schwule Schauspieler Andrew Bonomolo sagt, er sei kurz vor Probenbeginn aus der Produktion „Bright Star“ des Cape Fear Regional Theatre entlassen worden.
- Nach seiner Darstellung erfuhr die Theaterleitung von seiner früheren Arbeit in der Erwachsenenunterhaltung und bei OnlyFans unter dem Namen Troye Jacobs.
- Das Theater habe ihm keinen offiziellen Grund genannt; Bonomolo sei der Zusammenhang mit seiner Vergangenheit jedoch inoffiziell mitgeteilt worden.
- Der offen schwule Schauspieler kritisiert eine aus seiner Sicht bestehende Doppelmoral gegenüber Sexarbeitern in der Theaterbranche.
- Bonomolo fordert die Theatergemeinschaft auf, Sexarbeiter zu unterstützen, und sagt: „Sexarbeit ist ein Beruf.“
Entlassung wegen Pornos?
Das Theater habe ihm keinen offiziellen Grund für die Beendigung seines Engagements genannt, erklärte Bonomolo weiter. Inoffiziell sei ihm jedoch mitgeteilt worden, die Entscheidung stehe im Zusammenhang mit seiner früheren Arbeit in der Erwachsenenfilmbranche. Das Theater selbst hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert. Bonomolo war für die Rolle in „Bright Star“ aus New York zurück nach North Carolina gezogen. Der offen schwule Schauspieler wuchs in Chapel Hill auf und wurde im Musicaltheater ausgebildet, bevor er nach New York ging, um seine Schauspielkarriere weiterzuverfolgen.
Parallel zu seiner Arbeit als Schauspieler wurde Bonomolo als OnlyFans-Creator bekannt. Er veröffentlichte dort explizite Videos und wirkte unter dem Künstlernamen Troye Jacobs in mehreren Pornofilmen mit. Nach eigenen Angaben hat er seine Tätigkeit in der Erwachsenenunterhaltung inzwischen beendet und seit mehr als einem Jahr keine entsprechenden Inhalte mehr gedreht. Auch seinen X-Account, über den er seine Inhalte beworben hatte, nutzte er seit mehr als einem Jahr nicht mehr aktiv.
Ironie rund um „Bright Star“
Besonders widersprüchlich findet Bonomolo, dass ausgerechnet „Bright Star“ von gesellschaftlicher Ausgrenzung, sexueller Selbstbestimmung und der Angst vor einem beschädigten Ruf handelt. „Es gibt eine grundlegende Ironie, die ich nicht ignorieren kann. Bright Star handelt von einer Person, die wegen ihres aktiven Sexuallebens und der selbstbestimmten Entscheidungen, die sie getroffen hat, ausgegrenzt und bestraft wird.“
Weiter sagte er: „Der Antagonist der Geschichte erniedrigt sie, weil er befürchtet, dass die Wahrheit eines anderen seinen Ruf ruinieren könnte. Und hier bin ich nun, ausgerechnet aus dieser Produktion entlassen – wegen meiner Vergangenheit. Ich möchte niemanden beschuldigen, aber es ist unmöglich, nicht zu bemerken, wie das Stück, das sie gerade aufführen, exakt die Geschichte erzählt, die mir gerade passiert ist.“ Bonomolo machte den Fall anschließend über Instagram öffentlich. In einem veröffentlichten Video erklärte er, er sei wegen seiner früheren „Beteiligung an Sexarbeit, OnlyFans und professioneller Pornografie“ aus einem Theatervertrag entlassen worden.
Forderung an die Branche
Er forderte zudem die Theaterbranche auf, Sexarbeiter zu unterstützen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Sexarbeit ein Beruf ist und dass es keine Welt geben sollte, in der Arbeitgeber dich aufgrund ihrer eigenen Vorurteile entlassen dürfen.“ Zugleich zeigte sich Bonomolo enttäuscht darüber, dass Menschen auch im Jahr 2026 wegen ihrer Arbeit in der Pornografie berufliche Konsequenzen fürchten müssten. „Ich bin noch enttäuschter darüber, dass wir im Jahr 2026 immer noch Menschen danach beurteilen und entlassen, ob sie Pornos gedreht haben oder nicht.“ An die Theatergemeinschaft richtete er den Appell: „Wenn die Theatergemeinschaft wirklich so inklusiv ist, wie sie behauptet, dann fordere ich diejenigen, die zu ihr gehören, auf, sich zu Wort zu melden, Sexarbeiter zu unterstützen und diesem ungerechten Verhalten ein Ende zu setzen.“
Kritik an Doppelmoral
In einem zweiten Video bezeichnete Bonomolo die seiner Darstellung nach erfolgte Entlassung als „heuchlerisch“ und sprach von Doppelmoral. Er verwies darauf, dass Schauspieler im Theater regelmäßig Figuren mit sexuellem Bezug verkörperten und dafür Anerkennung erhielten. „Denkt darüber nach: Im Theater zeichnen wir Menschen aus, die Stripper, Sexarbeiter und hypersexualisierte Ikonen spielen. Wir applaudieren ihnen und belohnen sie für den Mut, den es braucht, solche Figuren auf die Bühne zu bringen. Aber sobald bekannt wird, dass Schauspieler eine Vergangenheit in der Erwachsenenunterhaltung oder Sexarbeit haben, wirst du plötzlich zu einem Risiko. Plötzlich wirst du als unprofessionell angesehen.“ Als Beispiel nannte Bonomolo „Broadway Bares“, eine jährlich stattfindende Burlesque-Veranstaltung in New York, bei der Geld für den Kampf gegen HIV und Aids gesammelt wird. Dort treten auch zahlreiche Schauspieler auf.
Nackt - nur für den guten Zweck?
„Jedes Jahr ziehen sich buchstäblich Hunderte Schauspieler bis auf einen String aus, um für einen guten Zweck Geld zu sammeln, und das wird als künstlerischer und befreiender Akt gefeiert. Also, lassen Sie mich das richtig verstehen: Den eigenen Körper für eine Spendenaktion in Kunst zu verwandeln, macht dich zum Helden, aber es zu tun, um deine Miete zu bezahlen und deinen Lebensunterhalt zu verdienen, macht dich untragbar für eine Anstellung?“ Menschen aus der Branche, die eine solche Haltung verträten, sollten sich nach Ansicht Bonomolos „für die Doppelmoral schämen, hinter dem sie sich verstecken“. Zudem behauptete der Schauspieler, das Cape Fear Regional Theatre habe versucht, ihn zum Schweigen zu bringen. „Ich kann euch sofort sagen, dass das nicht passieren wird.“ Seine Botschaft wolle er weiterhin wiederholen: „Ich werde es eine Million Mal wiederholen: Sexarbeit ist ein Beruf.“ Das Cape Fear Regional Theatre hat zu den Vorwürfen keine öffentliche Erklärung abgegeben.