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Sam Smith findet zu sich Zwischen Pop und Privatleben mit Fokus auf das neue Album

Von ms - 17.08.2026 - 15:00 Uhr
Sam Smith findet Nähe
Foto: Sam Smith Promo / Collier Schorr
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Sam Smith hat einen neuen Lebensabschnitt erreicht. Der britische Popstar lebt seit drei Jahren in New York in einer Beziehung mit dem Designer Christian Cowan, inzwischen sind beide verlobt. Die Beziehung hat Smiths Blick auf Liebe und Partnerschaft spürbar verändert – und prägt auch das neue Album „Hazel Eyes“.  

Das Wichtigste im Überblick

  • Sam Smith ist mit dem Designer Christian Cowan verlobt und lebt mit ihm in New York.
  • Die Beziehung zu Cowan prägte Smiths neues Album „Hazel Eyes“.
  • Smith beschreibt New York als Schutzraum für queere Menschen. 
  • Das neue Album beschäftigt sich stärker mit Liebe, Freundschaft und emotionaler Nähe als frühere Veröffentlichungen.
  • Zugleich warnt Smith davor, die gesellschaftliche Akzeptanz queerer Menschen für selbstverständlich zu halten.

Beziehung verändert Blick auf Liebe

Bei einem Video-Gespräch aus Guadalajara in Mexiko berichtet Smith gegenüber dem britischen Guardian über die aktuelle Tour „To Be Free“. Die Auftritte fallen kleiner und persönlicher aus als bei früheren Tourneen. Statt großer Arenen und aufwendiger Bühnenshows stehen Begegnungen mit dem Publikum im Mittelpunkt. Über die vergangene Tour sagt Smith: „Ich habe auf einem riesigen goldenen Hintern herumgefuchtelt und hatte ungefähr sieben Kostümwechsel.“ Diesmal gehe es dagegen um Nähe und um die Möglichkeit, wieder stärker in die Gesichter der Menschen im Publikum zu schauen. Auch das neue Album sei von dieser Stimmung geprägt. Smith wolle darin die „Blüte des Sich-tief-Verliebens“ einfangen.

Vom Kummer zur erwiderten Liebe

Smith wurde mit 20 Jahren als Gastsänger auf dem Disclosure-Hit „Latch“ bekannt. Das Debütalbum „In the Lonely Hour“ folgte 2014 und enthielt mit „Stay With Me“ einen internationalen Erfolg. 2015 gewann Smith für den Bond-Song „Writing’s on the Wall“ einen Oscar. Immer wieder sei Smith dabei als offen schwuler und inzwischen auch nicht-binärer Künstler angegriffen worden. Der Umzug nach New York habe deshalb auch eine persönliche Bedeutung gehabt. „Als ich hierherkam und auf der Straße gehen konnte, ohne mich beurteilt zu fühlen, wurde mir klar, dass ich sehr glücklich darüber war, als queere Person in New York City einen Zufluchtsort gefunden zu haben.“ Smith sagt, die Spannungen hätten nach dem Album „Gloria“ aus dem Jahr 2023 zugenommen. Die Videos zu „Unholy“ und „I’m Not Here to Make Friends“ wurden unter anderem als übersexualisiert kritisiert. Smith betonte jedoch: „Aber ich bin aus positiven Gründen nach New York gezogen. Ich bin vor nichts davongelaufen.“ Smith habe nach „Gloria“ nach Musik gesucht, die Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Daraus entstand „Hazel Eyes“.

Ein Album über den Partner

Der Titel des Albums verweist auf die Augenfarbe von Christian Cowan. Auch der Song „Everlasting Love“ ist eng mit der Beziehung verbunden. Die erste Hälfte entstand in der Nacht vor dem ersten Treffen mit Cowan, die zweite Hälfte blickt auf die darauffolgenden gemeinsamen Jahre zurück. Smith beschreibt die neue Musik als wesentlich persönlicher als frühere Arbeiten. Zum ersten Mal war der Künstler auch als Co-Produzent an einem Album beteiligt. „Ich war schon immer sehr eng in meine Musik eingebunden, aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich meinen Namen wirklich auf den Produktions-Credit setzen konnte. Mir ist klar geworden, dass ich nicht nur Sänger und Songwriter bin, sondern ein Künstler.“ Musikalisch verbindet „Hazel Eyes“ Blues, Folk, R&B und Outlaw-Country mit einem an die 1970er Jahre erinnernden Klang.

Die Arbeit am Album verlief nach Smiths Angaben deutlich ungezwungener als früher. Es wurde zu unterschiedlichen Tageszeiten geschrieben und aufgenommen. Smith erinnert sich etwa an nächtliche Studio-Sessions mit den Dap-Kings, der früheren Band der verstorbenen Sharon Jones. „Es fühlte sich einfach so befreiend an, genau darum geht es bei Musik.“ Die entspanntere Arbeitsweise sei zunächst ungewohnt gewesen. Smith beschreibt die frühere Karriere rückblickend als eine Art ständiges musikalisches Dating. „Ich war lange eine Pop-Hure – im besten Sinne. Ich habe es geliebt und werde das wieder sein, aber alle zwei oder drei Platten wurden mit einer anderen Gruppe von Menschen geschrieben. Es war wie Speed-Dating beim Musikmachen.“ „Hazel Eyes“ knüpft zugleich an den Singer-Songwriter-Stil des Debüts an. 

Erfolg ist nicht das wichtigste Ziel

Der internationale Erfolg von „Unholy“, dem Duett mit Kim Petras, gab Smith nach eigener Aussage zusätzliche Freiheit. Der Song erreichte weltweit Platz eins und brachte einen Grammy. Gleichzeitig wurde die provokante Inszenierung des Liedes bei den Grammys von konservativen Kritikern angegriffen. „Als ‚Unholy‘ passierte, hatte ich das Gefühl, dass ich lange für diesen Song gekämpft hatte.“ Den Kampf um möglichst hohe Chartplatzierungen betrachtet Smith inzwischen kritischer. „Als queerer Künstler habe ich andere Parameter und Regeln, deshalb ist es für mich einfach keine gesunde Art zu denken.“ Während des Versuchs, immer größere kommerzielle Erfolge zu erreichen, sei Smith „am depressivsten oder kreativ blockiertesten“ gewesen. Bei „Hazel Eyes“ sollte deshalb die emotionale Wahrheit im Vordergrund stehen. Das führte nach Smiths Angaben auch zu Spannungen mit dem Plattenlabel. „Ich wollte einfach das Geschäft aus der Musik heraushalten.“

Mehr Freiheit nach schwierigen Jahren

Smith blickt inzwischen anders auf die eigene Karriere. Der frühe Ruhm habe eine belastende Seite gehabt – insbesondere als junger queerer Mensch. „Ich habe als junger queerer Künstler eine unglaublich traumatische Seite des Ruhms kennengelernt, besonders für ein junges queeres Gehirn, weil es sich innerhalb der Branche manchmal sehr einsam anfühlte.“ Zeitweise zog sich Smith auch von einem wichtigen Bestandteil des Prominentenlebens zurück: Selfies mit Fans. Dadurch habe Smith zwar mehr Privatsphäre gewonnen, gleichzeitig aber eine depressive Phase erlebt, weil er das Gefühl gehabt habe, „den ganzen Tag Menschen zu enttäuschen“.

Therapie habe schließlich zu einer Veränderung geführt. „Ich habe tatsächlich angefangen, wieder das Glück und die Freude daran zu finden, Menschen zu treffen. Ich bin gerade ein gesunder Mensch, also kann ich mehr Dinge gleichzeitig bewältigen. Der Weg des Ruhms, den ich in so jungen Jahren durchgemacht habe, und der Versuch, mein Leben als schwuler Mensch zu meistern – die Last, das in meinen Zwanzigern so öffentlich zu tun, bedeutete, dass ich weniger gleichzeitig bewältigen konnte.“ Gleichzeitig weist Smith darauf hin, was trotz aller Schwierigkeiten erreicht wurde: „Ich habe viel gleichzeitig bewältigt, weil ich vier Platten herausgebracht und die Welt mehrfach auf Tournee bereist habe.“

Smith sieht eigene Geschichte

Smiths Karriere ist von Beginn an eng mit der öffentlichen Wahrnehmung queerer Identität verbunden. Smith selbst sieht sich inzwischen als Teil einer eigenen Tradition queerer Popmusik, möchte aber nicht einfach mit früheren Stars gleichgesetzt werden. „George Michael war immer eine wunderschöne Inspiration für mich.“ Durch Gespräche mit der Künstlerin Anohni habe Smith zugleich ein neues Verständnis für die eigene Position gefunden. „Denn ich bin nicht wie George Michael. Ich bin eine feminine queere Person, und wenn es darum geht und um die Menschen, die vor mir in Großbritannien kamen, ist das eine andere Art von Abstammungslinie.“ Smith sagt weiter: „Was ich als queerer femininer Künstler auf der globalen Popbühne erlebt habe, ich glaube nicht, dass es andere gibt, mit denen ich meine Karriere vergleichen kann. Ich habe gelernt, das als Stärke zu sehen, während ich mich zuvor manchmal unglaublich isoliert dadurch gefühlt habe. Ich versuche, in diesem Sinne nicht mehr zu vergleichen oder nach links und rechts zu schauen.“

Warnung vor Rückschritten

Trotz einer zeitweise zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz beobachtet Smith inzwischen wieder eine Gegenbewegung. Auch die Vorstellung, dass die Nachwelt vor allem die künstlerischen Erfolge betrachten werde, gibt Smith nicht unbedingt Sicherheit. „Ich möchte ehrlich darauf antworten. Manchmal ermutigen mich vor allem heterosexuelle Menschen in meinem Umfeld, so darüber zu denken. Es gibt mir nicht unbedingt Trost, angesichts des Zustands der Dinge. Ich denke, es ist wichtig, als queere Person informiert zu sein und zu wissen, dass die Dinge besser werden könnten, aber zu meinen Lebzeiten auch schlechter werden könnten, und wir müssen hart für Freundlichkeit und Frieden arbeiten.“ Das fünfte Studioalbum „Hazel Eyes“ wird am 21. August erscheinen. 

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