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HIV-Schmutzkampagne
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HIV-Schmutzkampagne Vorwurf sorgt für viel Empörung in Flordia

ms - 13.08.2026 - 12:00 Uhr
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Der demokratische Vorwahlkampf um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus in Florida ist von einer schmutzigen Diffamierungskampagne gegen den führenden schwulen Kandidaten überschattet worden. Wählerinnen und Wähler erhielten eine SMS, in der Shevrin Jones (42) mit der Behauptung angegriffen wurde, er sei HIV-positiv beziehungsweise habe Aids.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der demokratische Vorwahlkampf um einen Sitz im US-Repräsentantenhaus in der Region Miami wurde von einer Diffamierungskampagne überschattet.
  • Gegen Shevrin Jones, Floridas ersten offen schwulen schwarzen Staatssenator, wurde per SMS der Vorwurf verbreitet, er sei HIV-positiv  und habe Aids.
  • Die Nachricht erweckte den Eindruck, von Equality Florida, einer LGBTIQ+-Organisation, zu stammen. Die Organisation weist dies zurück.
  • Hintergrund ist ein tatsächlicher Vorfall aus dem Jahr 2020, bei dem Jones nach einer Covid-Erkrankung eine Plasmaspende verweigert wurde.
  • Damals galten in den USA noch Einschränkungen für Spenden sexuell aktiver schwuler Männer. Die pauschale Regel wurde 2023 abgeschafft.
  • Jones verurteilt die Verwendung seiner Sexualität und des Themas HIV als politische Waffe.
  • Auch seine beiden wichtigsten Konkurrenten, Oliver Gilbert und Kendrick Meek Jr., distanzierten sich von der Kampagne.

Hoffnung der Community

Jones ist Floridas erster offen schwuler schwarzer Staatssenator. Er bewirbt sich um die Nachfolge der ausscheidenden demokratischen Abgeordneten Frederica Wilson. Sollte er die Vorwahl in dem stark demokratisch geprägten Wahlbezirk gewinnen, gilt sein Einzug in den Kongress als nahezu sicher. Jones könnte damit Floridas erster offen schwuler Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus werden. Die demokratische Vorwahl findet am kommenden Dienstag statt. Für die LGBTIQ+-Community in Florida ist der 42-jährige Politiker ein großer Hoffnungsträger in einem Bundesstaat, dass mit besonders restriktiven Gesetzen gegen Homosexuelle und queere Menschen („Don´t Say Gay“) in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen machte.  

Empörung über Fake-Nachricht

Die Nachricht, die am Dienstag auf den Mobiltelefonen von Wählerinnen und Wählern auftauchte, behauptete, Jones habe Aids. Als vermeintlicher Absender wurde Equality Florida genannt, eine Organisation, die sich für die Rechte von LGBTIQ+-Menschen einsetzt. In der SMS hieß es: „Shevrin Jones wurde die Spende von Blut an einen Covid-Überlebenden verweigert, weil er aufgrund seiner Homosexualität positiv auf HIV/AIDS getestet wurde. Das ist nicht richtig. Steht zu unserer schwulen Gemeinschaft.“ Darunter stand: „Bezahlt von Equality Florida.“ Equality Florida weist indes entschieden zurück, die Nachricht verschickt zu haben. 

Die Kampagne griff dabei einen tatsächlichen Vorfall auf, stellte ihn jedoch in einen anderen Zusammenhang. Jones hatte sich 2020 gerade von Covid erholt und wollte Rekonvaleszenzplasma spenden. Nach den damaligen Richtlinien der US-Arzneimittelbehörde FDA wurde ihm die Spende verweigert. Grund waren seinerzeit geltende Einschränkungen für Spenden von sexuell aktiven schwulen Männern. Das pauschale Verbot wurde 2023 zugunsten einer individuellen Prüfung aufgegeben. Bereits bei Jones' erster Kandidatur für den Senat von Florida im Jahr 2020 war derselbe Vorfall politisch gegen ihn eingesetzt worden. Jones gewann die Wahl.

Homosexualität als Waffe 

Der Kandidat selbst verurteilte die nun erneut aufgegriffene Geschichte. „Was es so widerlich macht, ist, dass jemand beschlossen hat, meine Sexualität und HIV als Waffen in einem politischen Wahlkampf einzusetzen“, so Jones gegenüber dem Miami Herald. „In ganz Südflorida leben Menschen tatsächlich jeden Tag mit HIV, ziehen Familien groß, gehen arbeiten, engagieren sich in ihren Gemeinden und führen ein erfülltes Leben. Ich denke, ihr Gesundheitsstatus sollte niemals dazu benutzt werden, sie zu beschämen.“

Brandon Wolf, Sprecher von Equality Florida, stellte sich hinter Jones und griff die Verantwortlichen für die Nachricht scharf an. „Das ist ein widerlicher Angriff auf einen Amtsträger, der sein Herz und seine Seele in seine Gemeinschaft gesteckt hat. Wir alle können erkennen, was es ist: ein verzweifelter Versuch einer zwielichtigen Gruppe, die mit nicht offengelegten Geldern einen von Shevs Gegnern unterstützt, mit hässlichen Stereotypen arbeitet, eine vertrauenswürdige landesweite Organisation falsch darstellt und die Identität eines schwarzen Mannes als Waffe benutzt.“ Wolf erklärte außerdem, seine Organisation leite rechtliche Schritte ein. Zugleich forderte er Jones' Konkurrenten auf, sich zu der Diffamierung zu positionieren.

Mitbewerber äußern sich

Die drei führenden Kandidaten im Rennen sind schwarze Politiker, zwei von ihnen sind schwul. Aktuelle Umfragen zeigen, dass Jones seinen Vorsprung gegenüber Oliver Gilbert, einem Bezirkskommissar von Miami-Dade, und Kendrick Meek Jr., einem Anwalt, ausgebaut hat. Meek ist der Sohn und Enkel zweier früherer Abgeordneter, die denselben Sitz im Kongress innehatten. Der 29-Jährige reagierte auf Instagram und bezeichnete die SMS als „homophobe Diffamierung“. Er rief dazu auf, „gemeinsam gegen Bigotterie und Hass in all ihren Formen einzustehen“ und schrieb: „Als Mitglied der LGBTIQ+-Gemeinschaft habe ich mich an Shev gewandt, um meinen Ekel und mein Engagement für einen sauberen Wahlkampf zum Ausdruck zu bringen. Südflorida hat Besseres verdient.“ Auch Kandidat Oliver Gilbert (53) distanzierte sich deutlich von der Nachricht. „Ich werde sie nicht wiederholen. Sie ist eine Lüge. Sie ist böse, verletzend und sie muss aufhören.“ Gilbert ergänzte: „Shev ist mein Freund. Er war mein Freund vor dieser Wahl und er wird mein Freund nach der Wahl sein. Schluss mit dieser hasserfüllten, homophoben und abscheulichen Rhetorik.“

Zweite SMS betont Sexualität

Nur wenige Stunden nach der ersten Nachricht erschien eine zweite SMS auf den Mobiltelefonen von Wählerinnen und Wählern. Diesmal wurde „Equity Florida“ als Absender genannt. Eine Organisation dieses Namens existiert nicht. In der Nachricht hieß es: „Zwei offen schwule Männer sind die Favoriten für die Nachfolge von Frederica Wilson im Kongress. Shevrin Jones und Kendrick Meek, beide offen schwul, kämpfen um die Nachfolge Wilsons im Kongress. Wir haben einen so langen Weg zurückgelegt. Geht wählen und unterstützt einen unserer offen schwulen Kandidaten.“

Die Diffamierungskampagne könnte nach Einschätzung queerer Aktivisten dabei direkt aus dem Lager der Republikaner kommen, denn der Gewinner der demokratischen Vorwahl am Dienstag wird gegen die Republikanerin Te Brown antreten. Brown, eine schwarze Kleinunternehmerin und „Homeschooling-Mutter“, bezeichnet sich als „pro-MAGA und pro-Verfassung gerichtete Konservative, die keine Angst davor hat, für das Richtige einzustehen“. Damit entscheidet die demokratische Vorwahl nicht nur über die Kandidatur gegen Brown, sondern auch darüber, ob Shevrin Jones die Chance erhält, als erster offen schwuler Abgeordneter Floridas in den US-Kongress einzuziehen.

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