Leguizamo blickt zurück Wichtiger Meilenstein der Community: „To Wong Foo“ von 1995
Schauspieler John Leguizamo (66) blickt mit Stolz auf den Film „To Wong Foo, Thanks for Everything! Julie Newmar“ zurück. Aus seiner Sicht erhielt die Komödie aus dem Jahr 1995 jedoch nie die Anerkennung, die sie verdient hätte. „Ich liebe To Wong Foo, Thanks for Everything! Julie Newmar. Es war ein unglaublich mutiger Film“, so Leguizamo jetzt im Gespräch mit dem US-Magazin Bustle.
Das Wichtigste im Überblick
- John Leguizamo hält „To Wong Foo, Thanks for Everything! Julie Newmar“ für einen unterschätzten Film.
- Seiner Ansicht nach erhielt die Produktion wegen des zeitgleichen Erfolgs von „Priscilla – Königin der Wüste“ nicht die verdiente Anerkennung.
- Die Hauptdarsteller bereiteten sich mit Drag-Queen-Coaches auf ihre Rollen vor.
- Viele LGBTIQ+-Jugendliche hätten ihm später gesagt, der Film habe ihnen beim Coming-Out geholfen.
- Beide Filme gelten bis heute als Meilensteine der LGBTIQ+-Filmgeschichte.
Konkurrenz durch „Priscilla“
Nach Ansicht des Schauspielers habe vor allem das nahezu zeitgleiche Erscheinen von „Priscilla – Königin der Wüste“ dazu geführt, dass „To Wong Foo“ im öffentlichen Interesse zurückstand. „Priscilla – Königin der Wüste hat uns die Show gestohlen, weil der Film kurz vor unserem erschien. Wir mussten auf Wesley warten. Eigentlich wollten wir vor ihnen ins Kino kommen. Damals gab es eben nur Platz für einen Drag-Queen-Film pro Jahr.“ Leguizamo weiter: „Deshalb haben wir nicht die Anerkennung bekommen, die wir verdient hätten, finde ich. Ich denke, Patrick Swayze hat einen großartigen Job gemacht, Wesley Snipes und ich ebenfalls. Wir haben die Rollen sehr ernst genommen.“
Film gab Jugendlichen Mut
Leguizamo berichtete außerdem, dass sich die Hauptdarsteller intensiv auf ihre Rollen vorbereitet hätten. Ziel sei gewesen, die Figuren respektvoll und glaubwürdig darzustellen. „Uns war wichtig, diesen Figuren Würde und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Dafür hatten wir Drag-Queen-Coaches. Meine war Laritza Dumas. Sie kam aus der Bronx und half mir dabei, den richtigen Akzent hinzubekommen. Ich mochte sie sehr und habe so viel wie möglich von ihr übernommen.“
Besonders bewegt zeigt sich Leguizamo bis heute von den Reaktionen aus der LGBTIQ+-Community. „Nach dem Kinostart kamen viele LGBTIQ+-Jugendliche zu mir und erzählten, dass ihnen dieser Film den Mut gegeben habe, sich vor ihren Familien zu outen. Genau das wünscht man sich doch von seiner Arbeit: Dass Menschen sich gesehen fühlen, dass sie merken, wie wichtig sie sind und dass ihr Leben zählt. Genau das hofft man mit seiner Arbeit zu erreichen.“
Zwei Meilensteine der LGBTIQ+-Filmgeschichte
Sowohl „Priscilla – Königin der Wüste“ (1994) als auch „To Wong Foo, Thanks for Everything! Julie Newmar“ (1995) gelten heute als wegweisende Filme der LGBTIQ+-Filmgeschichte. Beide Produktionen brachten Drag-Künstlerinnen und queere Figuren zu einer Zeit auf die große Leinwand, als sie im Mainstream-Kino nur selten sichtbar waren und häufig auf stereotype Nebenrollen reduziert wurden. Die Filme erzählten ihre Geschichten mit Humor, Herz und Respekt und machten Themen wie Ausgrenzung, Vorurteile, Selbstakzeptanz und Solidarität einem breiten Publikum zugänglich.
Für viele Menschen aus der LGBTIQ+-Community wurden beide Filme zu Identifikationsangeboten. Sie vermittelten das Gefühl, dass homosexuelle und queere Lebensrealitäten sichtbar sind und Anerkennung verdienen. Gerade in den 1990er-Jahren, als Diskriminierung vielerorts zum Alltag gehörte und die Folgen der Aids-Krise die Community weiterhin prägten, standen die Filme für Hoffnung, Selbstbewusstsein und Zusammenhalt. Bis heute genießen sie Kultstatus, werden regelmäßig bei Pride-Veranstaltungen, Filmfestivals und Community-Events gezeigt und gelten für viele als wichtige Meilensteine auf dem Weg zu einer vielfältigeren und selbstverständlicheren Darstellung homosexueller und queerer Menschen im internationalen Kino.