Drag Queens vor Gericht Streit um neues Musical zwischen Schlönzke und Queer
Aus der Berliner Drag-Szene landet ein ungewöhnlicher Konflikt vor Gericht: Zwei der bekanntesten Travestie-Künstler der Hauptstadt treffen nicht auf einer Bühne, sondern im Gerichtssaal aufeinander. Hintergrund ist ein Streit um eine Figur aus einem Musical.
Das Wichtigste im Überblick
- Zwei bekannte Berliner Drag Queens streiten vor Gericht über eine Musicalfigur.
- Margot Schlönzke sieht eine mögliche Verwechslungsgefahr mit einer Figur aus dem Musical von Nina Queer.
- Die Verteidigung weist den Vorwurf zurück und spricht von einer frei erfundenen Fantasiegeschichte.
Musical über Berlin
Auf der einen Seite steht Daniel Wegscheider, der als Nina Queer weit über die queere Community hinaus bekannt ist. Der Künstler organisiert eine eigene Partyreihe, legt als DJane auf und arbeitete unter anderem als Moderator bei Radio Energy und weiteren Sendern. Zudem gilt Nina Queer für ihre direkte Art als feste Größe der Berliner Szene. In den vergangenen Monaten schrieb Nina Queer das Musical „Nightmare on Fuggerstreet“. Die Geschichte spielt im Jahr 2036 und zeichnet ein düsteres Zukunftsbild Berlins, das von einer skrupellosen Elite mit perversen Leidenschaften beherrscht wird. Während das Werk bislang nicht auf einer Theaterbühne zu sehen ist, ist die Musik bereits über Streamingdienste verfügbar.
Juristische Folgen hat nun eine der Figuren des Musicals. Die Berliner Drag Queen Margot Schlönzke, hinter der Matthias Schwanau steht, sieht ihren Namen durch die besonders negativ gezeichnete Figur „Margit Honnecker-Hitler“ in Verbindung gebracht. Nach ihrer Auffassung könnten unbefangene Zuhörer eine Ähnlichkeit zwischen der Musicalfigur und ihrem Künstlernamen herstellen.
Krieg der Drag-Queens
Die beiden Travestie-Stars kennen sich seit vielen Jahren, gelten jedoch nicht als befreundet. Im letzten Jahr hatte Queer Schlönzke vorgeworfen, die Kollegin Jurassica Parka „verraten“ zu haben, indem sie Informationen über Ermittlungen gegen Parka weitergegeben habe. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat im Mai dieses Jahres Anklage gegen Jurassica Parka wegen des Besitzes mutmaßlicher kinder- und jugendpornografischer Inhalte erhoben.
Nun wird das langjährige Verhältnis von Queer und Schlönzke vor Gericht verhandelt. Nina Queer wird in dem Verfahren von Medienanwalt Dennis Jennessen vertreten. Der Jurist sagte der B.Z.: „Das Musical erzählt eine Fantasiegeschichte über frei erfundene Charaktere. Es geht um keine realen Personen – auch nicht um Herrn Schwanau. Warum er sich mit einem der Charaktere identifiziert, weiß ich nicht.“ Von der Gegenseite gab es zunächst keine inhaltliche Stellungnahme. Dort hieß es lediglich: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns für unsere Mandantschaft nicht inhaltlich gegenüber der Öffentlichkeit äußern.“