Streit um Nacktbadestrand Gericht erhält Strandzugang in Seattle, Nachbarn sind dagegen
Der bekannte Nacktbadestrand im Denny Blaine Park im US-Bundesstaat Washington bleibt bestehen. Ein Gericht hat die Forderung einer Nachbarschaftsgruppe zurückgewiesen, den beliebten Treffpunkt für schwule Männer dauerhaft zu schließen. Damit sind die Streitigkeiten um den Kult-Strand der Community aber leider nicht beendet.
Das Wichtigste im Überblick
- Ein Gericht in Seattle hat die Schließung des schwulen Denny Blaine Park Nacktbadestrands abgelehnt.
- Nachbarn hatten wegen sexueller Handlungen geklagt.
- Der Richter ordnete Maßnahmen gegen „öffentliche Belästigung“ an, bestätigte aber den Fortbestand des Strands.
- Nacktbaden bleibt ebenso weiterhin erlaubt.
- Unterstützer des Strands sehen den Erhalt des Treffpunkts als Erfolg.
Gericht verhindert Schließung
Richter Samuel Chung entschied nach einem mehrtägigen Verfahren, dass sexuelle Handlungen und Masturbation in der Öffentlichkeit weiterhin als öffentliche Belästigung einzustufen seien. Eine vollständige Schließung des Parks lehnte er jedoch ab. Der am Ufer des Lake Washington gelegene Park wird seit Jahrzehnten von Nacktbadern genutzt, allergrößtenteils vor allem von schwulen und bisexuellen Männern. In den vergangenen Jahren geriet der Strand zunehmend unter Druck von wohlhabenden Anwohnern, die sich über sexuelle Aktivitäten einzelner Besucher beschwerten.
Streit um Nutzung des Parks
Ende 2023 erfuhren Nutzer des Strands von Plänen, auf dem Gelände einen Spielplatz zu errichten. Der Anwohner Stuart Sloan, der direkt gegenüber dem Park lebt, hatte dafür anonym eine Million US-Dollar gespendet. Nach öffentlicher Kritik wurden die Pläne jedoch nicht umgesetzt. Unterstützer des Strands warfen Sloan und der Gruppe „Denny Blaine Park for All“ anschließend vor, Besucher zu überwachen und Druck auf Behörden auszuüben. Dadurch seien Polizeikontrollen gegen Nutzer des Strands ausgelöst worden. Im Mai 2025 durchsuchte die Polizei den Park und forderte Nacktbader auf, sich zu bedecken – obwohl ein Gesetz in Seattle öffentliche Nacktheit grundsätzlich erlaubt.
Erneute Proteste folgten, nachdem eine trans* Frau, die ihr Recht auf Nacktheit verteidigte, vom Strand ausgeschlossen worden war. Ihre Beschwerden verbreiteten sich anschließend in sozialen Medien. Daraufhin verklagten Anwohner die Stadt Seattle und forderten, den Park dauerhaft zu schließen. Dem stellten sich die „Friends of Denny Blaine“ entgegen, eine von LGBTIQ+-Personen geführte Interessenvertretung. Die Organisation trat in dem Verfahren auf und argumentierte, der Park müsse als Treffpunkt der Gemeinschaft erhalten bleiben. Zudem lehnte sie Einschränkungen von Nacktheit und Zugang ab.
Regeln und Kontrollen
Nach der Verhandlung im Frühjahr entschied Richter Chung, dass die Stadt Maßnahmen gegen problematisches Verhalten ergreifen müsse. Eine Schließung des Parks sei jedoch keine geeignete langfristige Lösung. „Dieses Gericht gewährt den Antrag der Kläger auf eine dauerhafte Verfügung; jedoch lehnt das Gericht den Antrag der Kläger ab, den Park zu schließen“, schrieb Chung in einer 14-seitigen Entscheidung. Der Richter verwies darauf, dass Berichte über unangemessenes Verhalten seit 2010 zugenommen hätten und nach der Corona-Pandemie weiter gestiegen seien. Er berief sich unter anderem auf Medienberichte und Beschwerden von Anwohnern über öffentliche Masturbation, sexuelle Handlungen, Voyeurismus und unerlaubtes Betreten von Grundstücken.
Das Gericht kam zu dem Schluss, dass diese Aktivitäten – nicht jedoch die Nacktheit selbst – die Nutzung und den Genuss der umliegenden Grundstücke durch Anwohner erheblich beeinträchtigt hätten. Zu den angeordneten Maßnahmen gehören unter anderem eine verbindliche Hausordnung für den Park, zusätzliche Kontrollen gegen Überfüllung und Sicherheitsprobleme sowie mehr Personal zur Überwachung. Außerdem soll die Stadt durch Pflege der Vegetation, Sichtschutzmaßnahmen und deutliche Hinweisschilder verhindern, dass unerlaubtes Verhalten stattfindet. Die Stadt hatte bereits einen umstrittenen Zaun errichtet, der den Bereich für Nacktbader am unteren Strandabschnitt vom oberen Bereich mit Kleidungspflicht trennt. Der Richter stellte in seiner Entscheidung jedoch klar, dass nacktes Sonnenbaden weiterhin im gesamten Park erlaubt bleibt.
Beide Seiten sehen sich bestätigt
Die Unterstützer des Strands begrüßten vor allem, dass der Park geöffnet bleibt. Gleichzeitig kritisierten sie Teile der gerichtlichen Bewertung. Der Park „ist derzeit keine Belästigung“ und „sollte letztlich wieder vollständig seinen historischen Status als ein Park erhalten, in dem Kleidung vollständig optional ist“, schrieb die Organisation in einer Stellungnahme nach der Entscheidung. „Wir prüfen die Anordnung sorgfältig und bewerten unsere nächsten Schritte.“
Auch die Vertreter der Nachbarschaftsgruppe „Denny Blaine Park for All“ sahen sich durch das Urteil bestätigt. Ihre Anwälte erklärten, die Stadt Seattle müsse nun sicherstellen, dass die Vorgaben des Gerichts umgesetzt werden. „Das Gericht bestätigte, was sie seit Jahren sagen“, hieß es in einer Erklärung unter Bezug auf die Entscheidung des Richters: „Das Ausmaß der Nacktheit und des anstößigen Verhaltens hat die Fähigkeit der Kläger erheblich beeinträchtigt, ihre Grundstücke zu nutzen und zu genießen. Die Erfahrungen der Anwohner mit Nacktheit und anstößigem Verhalten waren deutlich umfangreicher, wiederholt und schädlicher.“ Trotz des Rechtsstreits riefen die Unterstützer des schwulen Strands Besucher weiterhin dazu auf, den Ort zu nutzen. „Denny Blaine ist geöffnet“, erklärte die Gruppe. „Wir sehen uns am Strand.“