HIV-Hilfe vor dem Aus Rotstift bei HIV jetzt auch innerhalb der USA
Eine weitere langjährige Finanzierung von HIV-Präventionsprogrammen in den USA steht offenbar vor dem Ende. Nach US-Medienberichten soll die Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) eine zentrale Fördervereinbarung für gemeindebasierte Organisationen nicht verlängern. Damit könnten fast 100 Einrichtungen ihre Arbeit künftig nicht mehr im bisherigen Umfang fortsetzen.
Das Wichtigste im Überblick
- Die CDC soll laut Berichten eine HIV-Präventionsförderung über mehr als 200 Millionen US-Dollar nicht verlängern.
- 96 gemeindebasierte Organisationen, die HIV-Angebote für marginalisierte Gruppen bereitstellen, sind betroffen.
- Aktivisten warnen vor weniger Tests, weniger Prävention und möglichen Versorgungslücken.
- Besonders LGBTIQ+-Gemeinschaften könnten die Folgen massiv spüren.
- Die Mittel sollen künftig an staatliche und lokale Gesundheitsbehörden fließen.
Unsicherheit bei US-HIV-Förderung
Betroffen ist das Programm „Comprehensive High-Impact HIV Prevention Programs for Community-Based Organizations“. Über diese Förderlinie erhalten 96 Organisationen mehr als 200 Millionen US-Dollar pro Jahr. Sie bieten HIV-Prävention in Bevölkerungsgruppen an, die besonders stark von der Infektion betroffen sind. Die Fördermittel wurden nach dem ursprünglich geplanten Ende am 30. Juni zunächst bis September verlängert. Die Organisationen hatten erwartet, dass die CDC vor Ablauf dieser Übergangsfrist eine neue Ausschreibung veröffentlicht. Nach Angaben der Kampagne „Save HIV Funding“ sei den Einrichtungen inzwischen jedoch mitgeteilt worden, dass keine neue Förderbekanntmachung folgen werde. Stattdessen könnten die Mittel künftig an staatliche und lokale Gesundheitsbehörden weitergegeben werden. Diese könnten dann entscheiden, ob sie mit gemeindebasierten Organisationen zusammenarbeiten. HIV-Aktivisten sehen darin jedoch eine erhebliche Unsicherheit für Einrichtungen, die über Jahrzehnte enge Beziehungen zu ihren Gemeinschaften aufgebaut haben.
Prävention und Versorgung
Seit mehr als 30 Jahren unterstützt die CDC direkt Organisationen, die HIV-Tests, Präventionsberatung, Aufklärung, Vermittlung zu PrEP- und PEP-Angeboten sowie den Zugang zu HIV-Behandlungen ermöglichen. Auch lokale Maßnahmen bei HIV-Ausbrüchen gehören zu den Aufgaben. Viele dieser Einrichtungen erreichen Menschen, die im klassischen Gesundheitssystem häufig mit Hürden konfrontiert sind. Dazu zählen LGBTIQ+-Gemeinschaften, schwarze und lateinamerikanische US-Amerikaner, Menschen ohne Krankenversicherung sowie Personen in Regionen mit begrenzter medizinischer Versorgung.
Befürworter der Programme warnen, dass ein Wegfall direkter Bundesmittel zu weniger Angeboten, Entlassungen oder Schließungen führen könnte. „Viele Gemeinschaften, die von HIV betroffen sind, haben keinen Zugang zu herkömmlicher sexueller Gesundheitsversorgung, entweder aufgrund von Medicaid und ACA Cuts oder weil es Gesundheitswüsten gibt“, sagte Michael Chancley, Kommunikations- und Mobilisierungsmanager bei PrEP4All. „Viele Menschen verlassen sich auf gemeindebasierte Organisationen für routinemäßige HIV-Tests und die Vermittlung zu PrEP-Versorgung, wo solche Angebote in ihren Gemeinschaften sonst nicht zugänglich oder bezahlbar sind.“
Warnung vor Rückschritten
Die mögliche Neuausrichtung der Finanzierung sorgt zusätzlich für Diskussionen, weil der US-Kongress derzeit über den Haushalt für das Jahr 2027 und die Finanzierung von HIV-Programmen berät. Jeremiah Johnson, Geschäftsführer von PrEP4All und Mitbegründer der Kampagne „Save HIV Funding“, warnt davor, dass ein Rückgang der Unterstützung erfahrene Organisationen schwächen und Fortschritte bei der HIV-Bekämpfung gefährden könnte. „Die Trump-Regierung spielt erneut mit dem Feuer, indem sie wichtige Gesundheitsmittel infrage stellt, die es erfahrenen und effektiven gemeindebasierten Organisationen ermöglichen, die Bedürfnisse ihrer Gemeinschaften zu erfüllen“, sagte Johnson.
Er ergänzte: „Wie wir im vergangenen Jahr bereits zu oft gesehen haben: Wenn wir wichtige CDC-Förderungen und Infrastruktur verlieren, sehen wir mehr Krankheiten und damit verbundene Gesundheitskosten in unseren Gemeinschaften. Wenn diese entscheidende Finanzierung eingestellt oder verändert wird, müssen viele lokale Versorgungsorganisationen in Regionen schließen oder Mitarbeiter entlassen, in denen Ressourcen ohnehin knapp sind.“ Dies werde nach Einschätzung Johnsons zu mehr HIV-Neuinfektionen führen. „Dies wird höhere menschliche und finanzielle Kosten für Einzelpersonen, Familien und Gemeinschaften im ganzen Land verursachen.“
Wirtschaftlicher Nutzen
Die Debatte über die CDC-Mittel steht im Zusammenhang mit einer größeren Diskussion über die Finanzierung von HIV-Programmen in den USA und weltweit. Nach Angaben der Kampagne „Save HIV Funding“ wurden HIV-Programme auf Bundesebene traditionell parteiübergreifend unterstützt. Das Ryan White HIV/AIDS Program sowie der 2003 unter Präsident George W. Bush gestartete President’s Emergency Plan for AIDS Relief (PEPFAR) gelten als wichtige Säulen der nationalen und internationalen HIV-Versorgung. Organisationen verweisen zudem auf den wirtschaftlichen Nutzen von Prävention.
Nach ihren Angaben kann jeder Dollar, der in HIV-Prävention investiert wird, zwischen drei und sieben Dollar an späteren Gesundheitskosten einsparen, weil Neuinfektionen verhindert und langfristige Behandlungskosten reduziert werden. In den USA leben derzeit mehr als 1,2 Millionen Menschen mit HIV. Mehr als 500.000 Menschen sind bei Medikamentenversorgung und Behandlung auf Bundesprogramme wie das Ryan-White-Programm angewiesen. Die Kampagne weist außerdem darauf hin, dass Medicaid rund 40 Prozent der Menschen mit HIV in den USA abdeckt. Untersuchungen hätten gezeigt, dass eine Ausweitung von Medicaid den Zugang zu PrEP verbessert habe.
Queere Menschen stark betroffen
Der Zusammenschluss „Save HIV Funding“, dem mehr als 150 Organisationen und Fachleute aus dem Gesundheitsbereich angehören, sieht die kommenden Monate als entscheidend an. Die betroffenen Einrichtungen bereiten sich auf das mögliche Ende ihrer aktuellen Förderungen im September vor. Sollten die Mittel nicht ersetzt oder verlängert werden, könnten die Auswirkungen über die HIV-Prävention hinausreichen. Viele der Organisationen vermitteln auch Zugang zu medizinischer Grundversorgung, psychologischer Unterstützung, Wohnhilfen und weiteren sozialen Angeboten. Für LGBTIQ+-Menschen in den USA, die häufig auf diese spezialisierten und vertrauensvollen Einrichtungen angewiesen sind, könnte die Entscheidung über die Bundesförderung langfristige Folgen für den Zugang zu diskriminierungsfreier Gesundheitsversorgung haben.