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John Waters sorgt für Diskussionen
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John Waters spricht Klartext Überraschende These zu Serien-Hit "Heated Rivalry"

ms - 13.07.2026 - 13:30 Uhr
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Der US-Regisseur, Autor und schwule Kultstar John Waters (80) hat mit einer ungewöhnlichen These über die Beliebtheit der Serie „Heated Rivalry“ unter lesbischen Zuschauerinnen für Aufmerksamkeit gesorgt. Im Podcast Las Culturistas sprach der 80-Jährige mit den Moderatoren Bowen Yang und Matt Rogers über Popkultur, Sexualität und seine jahrzehntelange Karriere.

Das Wichtigste im Überblick

  • John Waters äußert im Podcast Las Culturistas eine provokante Theorie über die große lesbische Fangemeinde der Serie Heated Rivalry. 
  • Moderator Matt Rogers hält dagegen und vermutet, viele Frauen schätzten die emotionale Distanz zu einer Liebesgeschichte zwischen zwei Männern. 
  • Waters spricht außerdem über seine Filmkarriere, queere Kultur, Eminem, Freundschaften und den Wandel der Popkultur. 
  • Der 80-jährige Kultregisseur bleibt seinem Ruf als humorvoller und provokanter Beobachter der LGBTIQ+-Szene treu. 

Überraschende Theorie

Ausgangspunkt war die Frage, warum das schwule Eishockey-Drama „Heated Rivalry“, das zahlreiche Sexszenen zwischen Männern zeigt, besonders viele weibliche Fans habe. Bowen Yang sagte, er habe den Eindruck, die Serie spreche „vor allem Frauen“ an. „Das stimmt, und das überrascht mich“, antwortete Waters. „Ich habe immer gehört – und ich habe maskuline Lesben gefragt, ob das stimmt, und sie sagten Ja –, dass sie gern Pornos mit schwulen Männern schauen. Ich verstehe nicht, warum.“ Matt Rogers erzählte daraufhin, seine lesbische Therapeutin bringe die Serie in nahezu jeder Sitzung zur Sprache. 

Waters scherzte darauf: „Sie sollte doch gar nicht über ihr Privatleben sprechen. Du solltest dein Geld zurückverlangen.“ Waters berichtete weiter, er habe maskuline Lesben nach dem Grund gefragt. „Sie sagten, sie würden sich vorstellen, selbst die großen Penisse zu haben. Vermutlich. Ich weiß nicht, ob das stimmt.“ Bowen Yang fragte daraufhin scherzhaft: „Penisneid?“ Waters ergänzte lachend: „Eher Größenneid.“

Sexualität und Sicherheit 

Matt Rogers widersprach dieser Deutung jedoch. Seiner Ansicht nach liege die Faszination vieler Frauen an einem anderen Aspekt: „Ich glaube ehrlich gesagt, es hat mit einem Gefühl von Sicherheit zu tun. Man schaut einer Liebe und Sexualität zu, die nichts mit einem selbst zu tun hat. Dadurch entsteht eine gewisse Distanz, und das fühlt sich angenehm an. Deshalb sind so viele Frauen regelrecht begeistert von Heated Rivalry. Das heißt nicht, dass schwule Männer die Serie nicht mögen – aber bei vielen Frauen ist die Begeisterung eine andere.“

Waters zeigte sich von dieser Erklärung angetan. „Gut. Das ist ein neues Publikum, mit dem sie wohl nicht gerechnet haben. Ich wette, bei den Testvorführungen hat das niemand vorhergesehen.“ Für Waters waren diese Überlegungen nur einer von vielen Gesprächspunkten in dem rund einstündigen Podcast. Der Filmemacher, den der Schriftsteller William Burroughs einst als „Papst des Trashs“ bezeichnete, sprach gewohnt offen über sein Leben, seine Karriere und die Entwicklung queerer Kultur.

Scherze über Dinge, die man liebt

Waters blickte auch auf seine inzwischen mehr als fünf Jahrzehnte währende Karriere zurück. Der Regisseur von Kultfilmen wie „Pink Flamingos“, „Hairspray“ und „Cry-Baby“ sagte, schlechte Kritiken hätten ihm letztlich nicht geschadet. „Ich habe meine Karriere auf schlechten Kritiken aufgebaut. Heute bin ich schockiert, wenn ich gute bekomme – und nehme sie ohne Ironie an.“ Auch über die Entwicklung der Filmkritik äußerte er sich. Früher hätten Verrisse noch große Auswirkungen gehabt. „Heute schadet dir das nicht mehr wirklich. Kritiker haben nicht mehr die Macht, die sie einmal hatten.“

Besonders wichtig sei ihm die Botschaft seines Musical-Klassikers Hairspray. „Tracy steht für jeden Menschen, der jemals dafür schikaniert wurde, anders zu sein. Sie übertreibt genau das, weshalb sie angegriffen wird, und gewinnt am Ende. Genau das kann man tun: Wenn jemand etwas gegen dich verwendet, dann mach es dir zu eigen, sag: 'Ja, so bin ich', und mach etwas daraus.“ Der Filmemacher erklärte außerdem, warum seine oft provokanten Werke seiner Ansicht nach bis heute funktionieren. „Ich habe mich mein ganzes Leben lang über Dinge lustig gemacht, die ich liebe – nicht über Dinge, die ich hasse. Vielleicht ist das der Grund.“

Cockringe, Eminem und Freundschaften

Mit Humor sprach Waters auch über den Rapper Eminem, dessen Texte immer wieder wegen homophober Beleidigungen kritisiert wurden. Auf die Frage nach dessen Ruf sagte Waters: „Entgegen dem, was manche denken, ist er nicht homophob. Er hat Elton John und David Furnish zu ihrer Hochzeit passende goldene Penis-Cockringe geschenkt.“ Matt Rogers entgegnete, viele junge Schwule hätten sich durch Begriffe wie das Schimpfwort „Schwuchtel“ in Eminems Liedern verletzt gefühlt. Waters sah das anders: „Mich hat das nicht gestört. Ich hatte den Eindruck, er wollte provozieren – so wie wir damals auch. Er hat etwas Neues gemacht und damit verändert, wie wir über Dinge denken.“

Neben Popkultur sprach Waters auch über persönliche Werte. Seine engsten Freunde seien keine Prominenten. „Ich habe großartige Freunde, die nicht berühmt sind. Meine engsten Freunde habe ich seit 50 Jahren. Menschen, die keine alten Freunde haben, misstraue ich.“ Freundschaften müssten gepflegt werden, betonte er. „Man muss etwas dafür tun. Man muss rausgehen, sich treffen und Zeit miteinander verbringen. Ein echter Freund zu sein, bedeutet Arbeit.“

Ein letzter Traum mit 80 Jahren

Auch über seine Privatsphäre sprach der Regisseur. Seine Beziehungen halte er bewusst aus der Öffentlichkeit heraus. „Niemand weiß etwas darüber. Ich verstecke es nicht, aber keiner meiner Freunde möchte in der Presse stehen.“ Zum Abschluss des Podcasts wetterte Waters in gewohnt bissigem Ton gegen verschiedene Sprachgewohnheiten und Modebegriffe. Er könne es etwa nicht ausstehen, wenn Schauspieler jede Erfahrung als „Journey“ bezeichneten. „Ein Independent-Filmpreis ist keine verdammte Reise. Die Flucht aus der Ukraine ist eine.“

Außerdem verriet der 80-Jährige noch einen Wunsch: Einmal Gastgeber der US-Comedysendung Saturday Night Live zu sein. Moderator Bowen Yang zeigte sich begeistert. „Du wärst großartig“, sagte er. Waters selbst meinte: „Das ist das Einzige, bei dem ich mir vorstellen könnte, mit anderen gemeinsam zu schreiben.“ Mit seinen pointierten Kommentaren über queere Kultur, Filmgeschichte und gesellschaftliche Entwicklungen zeigte Waters einmal mehr, warum er seit Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen der LGBTIQ+-Community und der unabhängigen Filmszene zählt.

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