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Vielfalt im deutschen TV? Primetime bleibt Problem trotz Rekordsichtbarkeit von LGBTIQ+

Von ms - 10.07.2026 - 09:00 Uhr
Vielfalt im deutschen Fernsehen?
Foto: iStock / TommL
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Queere Filmproduktionen waren 2025 im deutschen Fernsehen so präsent wie noch nie zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle LGBTVscan. Trotz des Rekordwertes sehen die Autoren der Untersuchung weiterhin erheblichen Nachholbedarf. Vor allem Erstausstrahlungen und attraktive Sendeplätze seien nach wie vor Mangelware.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der LGBTVscan 2025 verzeichnet die bislang höchste Sichtbarkeit queerer Filme im deutschen Fernsehen.
  • Mehr als drei Viertel der ausgestrahlten Produktionen waren jedoch Wiederholungen.
  • Nur 29 Filme mit queeren und homosexuellen Hauptfiguren feierten ihre TV-Premiere.
  • ARTE wird als queerfreundlichster Fernsehsender des Jahres bewertet.
  • Kritisiert werden vor allem späte Sendezeiten und die geringe Präsenz in der Primetime.

Sichtbar und doch unsichtbar 

Nach Angaben der Studie entfielen 75,6 Prozent aller ausgestrahlten LGBTIQ+-Filme auf Wiederholungen. Das entspricht zwar einem leichten Rückgang um 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr, dennoch stammt der überwiegende Teil des Angebots aus den Archiven der Sender. Besonders häufig wurde der Film „Charleys Tante“ ausgestrahlt, insgesamt lief er elfmal. Ob die Produktion überhaupt als queer eingeordnet werden kann, bleibt dabei innerhalb der Redaktion des LGBTVscan umstritten. 

Lediglich 29 Filme mit queeren und homosexuellen Hauptfiguren wurden 2025 erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Das waren vier mehr als im Vorjahr. Nur eine dieser Premieren lief bei einem privaten Fernsehsender. ProSieben zeigte im August „Knock at the Cabin“ erstmals im Free-TV. Neun Premieren wurden im Rahmen der Filmreihen RBB Queer und BR Queer ausgestrahlt. In die Hauptsendezeit schafften es lediglich vier Produktionen. Sämtliche liefen bei ARTE. Nach Einschätzung der Studie unterstreicht dies die Rolle des Senders als „Deutschlands queerster TV-Sender 2025“. So sind zwar mehr Filme mit LGBTIQ+-Thematik sichtbar im deutschen TV, aber bleiben aufgrund später Sendezeit für ein analoges Fernsehpublikum zumeist dann doch unsichtbar. 

Öffentlich-rechtliche schneiden besser ab

Wie bereits in den Vorjahren bescheinigt die Untersuchung den öffentlich-rechtlichen Sendern insgesamt eine größere Vielfalt als den privaten Anbietern. Bei schwul-lesbischen TV-Premieren bauten die gebührenfinanzierten Programme ihren Vorsprung gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozentpunkte aus. In allen übrigen Kategorien holten die Privatsender dagegen auf. Den stärksten Zuwachs verzeichnete die Kategorie der Queerfilme mit einem Plus von 4,6 Prozentpunkten.

Die Autoren weisen zugleich darauf hin, dass Sender wie RTL oder NITRO aufgrund ihres stärkeren Serienangebots im LGBTVscan schlechter abschneiden. Das liege an der Methodik der Untersuchung und nicht an mangelndem Engagement. Bezogen auf Filmangebote wird dagegen der SWR als queerfeindlichster Fernsehsender des Jahres eingeordnet.

Kino deutlich vielfältiger als Fernsehen

Nach Einschätzung der Studie spielen LGBTIQ+-Themen im Fernsehen zwar eine größere Rolle als früher, dennoch bleibe das Medium deutlich hinter anderen Auswertungsformen zurück. Im Kino würden doppelt so viele queere Produktionen gezeigt. Für diese Unterschiede seien vor allem zahlreiche Privatsender verantwortlich, aber auch einzelne öffentlich-rechtliche Programme wie SWR, NDR und der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Der MDR beteiligte sich 2025 erstmals an der bundesweit einzigen TV-Queerfilmreihe, zeigte dort allerdings lediglich eine Wiederholung des Films „Norwegian Dream“. Aus Sicht der Studienautoren könne deshalb kaum von einer Filmreihe gesprochen werden.

Kritik an späten Sendezeiten

Als weiteres Problem nennt die Untersuchung die geringe Zahl von Erstausstrahlungen in der Primetime. Zwar seien viele internationale Produktionen nicht synchronisiert und deshalb schwerer zur Hauptsendezeit einsetzbar. Doch auch deutschsprachige oder aufwendig synchronisierte Filme seien häufig erst spät nachts ausgestrahlt worden. Als Beispiele nennt die Studie „Femme“ (ZDF, 0.45 Uhr), „Baldiga“ (RBB, 23.30 Uhr), „Der Wunsch“ (ZDF, 23.50 Uhr), „LasVegas“ (ZDF, 0.05 Uhr) sowie „The Whale“ (Das Erste, 23.35 Uhr).

Die Autoren fordern deshalb eine deutlich stärkere Präsenz queerer Menschen im Fernsehen – insbesondere zu Zeiten, in denen ein großes Publikum erreicht werden könne. Dies sei angesichts zunehmender Trans- und Homofeindlichkeit von besonderer Bedeutung. Sozialpsychologische Studien zeigten, dass Vorurteile am wirksamsten durch Kontakt mit den betroffenen Gruppen abgebaut würden. Das Fernsehen könne diesen Kontakt niedrigschwellig ermöglichen, nutze dieses Potenzial bislang aber nur unzureichend. Nach Berechnungen des LGBTVscan kamen LGBTIQ+-Menschen 2025 in 93,5 Prozent aller Filmausstrahlungen im deutschen Fernsehen überhaupt nicht vor. Die Studienautoren bewerten dies als beschämend und insbesondere für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als inakzeptabel.

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