Clarke schreibt Geschichte Der erste schwarze lesbische Othello der Theaterwelt
Die lesbische britische Schauspielerin Sharon D Clarke (59) wird mit einer außergewöhnlichen Neuinterpretation von William Shakespeares Tragödie „Othello“ weltweit Theatergeschichte schreiben. Die dreifache Olivier-Award-Preisträgerin übernimmt bei der Royal Shakespeare Company (RSC) als erste Schauspielerin die Rolle eines schwarzen lesbischen Othello.
Das Wichtigste im Überblick
- Sharon D Clarke übernimmt 2027 die Hauptrolle in einer neuen „Othello“-Inszenierung der Royal Shakespeare Company.
- Sie ist die erste Schauspielerin, die dort einen schwarzen lesbischen Othello verkörpert.
- Die Neuinszenierung verlegt die Handlung in eine vom Klimawandel bedrohte Zukunft.
- Im Mittelpunkt steht das Thema „Misogynoir“, die Überschneidung von antischwarzem Rassismus und Frauenfeindlichkeit.
- Für die dreifache Olivier-Preisträgerin ist es das erste Engagement bei der Royal Shakespeare Company.
Radikal spannende Neu-Interpretation
Clarke wurde für die neue Inszenierung der Regisseurin Monique Touko verpflichtet. Die Produktion interpretiert die berühmte Titelfigur als schwarze lesbische Frau und verlegt die Handlung in eine Zukunft, die von den Folgen des Klimawandels geprägt ist. Die Aufführung wird von Mitte Februar bis Anfang April 2027 im Swan Theatre in Stratford-upon-Avon zu sehen sein. Im Mittelpunkt steht dabei das Konzept der Misogynoir – der Überschneidung von antischwarzem Rassismus und Frauenfeindlichkeit.
Shakespeares „Othello“, entstand Anfang des 17. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte eines angesehenen Militärführers, dessen heimliche Ehe mit Desdemona zerbricht, nachdem der intrigante Iago ihn davon überzeugt, seine Partnerin sei untreu. Aus wachsender Eifersucht entwickelt sich eine der bekanntesten Tragödien des englischen Dramatikers. Die Titelrolle wurde ursprünglich von Richard Burbage gespielt, einem führenden Mitglied von Shakespeares Theatertruppe King’s Men. Mehr als zwei Jahrhunderte später schrieb Ira Aldridge Geschichte als erster schwarzer Schauspieler, der mit seiner Darstellung des Othello internationale Anerkennung erhielt und die Wahrnehmung der Figur nachhaltig veränderte. Später übernahmen unter anderem Paul Robeson, James Earl Jones, Laurence Fishburne und Chiwetel Ejiofor die Rolle.
Vorbild für die Community
Sharon D Clarke zählt zu den bekanntesten Bühnen- und Fernsehschauspielerinnen Großbritanniens. Die dreifache Olivier-Preisträgerin war unter anderem in den Produktionen „Caroline, or Change“, „Death of a Salesman“, „Ghost the Musical“ und „We Will Rock You“ zu sehen. Auch im Fernsehen machte sie sich einen Namen – unter anderem mit Rollen in „Holby City“, „Doctor Who“ und „Ellis“. Mit der Krimiserie „Ellis“ wurde sie zur ersten schwarzen lesbischen Frau im Vereinigten Königreich, die eine Detektivserie als Hauptfigur anführt und ist spätestens seitdem ein großes Vorbild für die LGBTIQ+-Community in Großbritannien.
Clarke wurde in London als Tochter jamaikanischer Eltern geboren, die im Rahmen der sogenannten Windrush-Generation nach Großbritannien kamen. In früheren Interviews berichtete sie, dass sie zu Beginn ihrer Karriere immer wieder auf stereotype Rollen festgelegt worden sei. Schließlich habe sie beschlossen, sich nicht länger für solche Rollen zu bewerben. Mit der neuen Inszenierung möchte die Royal Shakespeare Company klassische Stoffe aus einer zeitgemäßen Perspektive erzählen.
Die künstlerischen Leiter der RSC, Daniel Evans und Tamara Harvey, erklärten zur Vorstellung der neuen Spielzeit: „Wir möchten sicherstellen, dass sich möglichst viele Menschen bei der RSC willkommen fühlen – durch die Geschichten, die wir erzählen, und die Künstlerinnen und Künstler, die sie erzählen. Dafür betrachten wir 400 Jahre alte Texte aus einer dringend notwendigen neuen Perspektive.“ Die Neuinszenierung von „Othello“ ist Teil der Spielzeit 2026/27 der Royal Shakespeare Company und zugleich Sharon D Clarkes erstes Engagement bei der renommierten Theatercompagnie.