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Start der Gay Games Linke und queere Verbände fordern Boykott der Spiele

Von ms - 29.06.2026 - 14:30 Uhr
Start der Gay Games
Foto: Gay Games
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Am vergangenen Wochenende starteten die Gay Games XII im spanischen Valencia. Nach einer farbenfrohen Eröffnungsfeier gerät das internationale LGBTIQ-Multisportevent erneut ins Straucheln, politischer Streit überschattet das Event. Während Tausende Sportlerinnen und Sportler in der spanischen Mittelmeerstadt um einen Platz auf dem Treppchen kämpfen, riefen linke Politiker und die Mehrheit der lokalen LGBTIQ+-Organisationen abermals zum Boykott auf. Sie werfen der konservativen Stadtregierung vor, die Veranstaltung zum „Pinkwashing“ ihrer umstrittenen Politik zu nutzen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Tausende Athletinnen und Athleten kämpfen derzeit bei den Gay Games XII im spanischen Valencia.
  • Linke Parteien und zahlreiche LGBTIQ+-Organisationen boykottieren die Veranstaltung.
  • Sie werfen der Stadtregierung vor, die Spiele für „Pinkwashing“ zu nutzen.
  • Bürgermeisterin María José Catalá ruft zu Einigkeit auf.

10.000 queere Athleten in Spanien

Die alle vier Jahre stattfindenden Gay Games gelten als weltweites Fest für Vielfalt, Inklusion und Sport. Sie wurden 1982 ins Leben gerufen. Bei der ersten Eröffnungsfeier in San Francisco trat die legendäre Tina Turner auf. Die diesjährige Eröffnungsfeier fand am vergangenen Samstag im Ciutat de València-Stadion statt, der Heimstätte des Fußball-Erstligisten Levante. Nach Angaben der Organisatoren war es die größte Eröffnungsfeier der Gay Games seit Paris 2018 sein. Nebst dem traditionellen Einmarsch der Nationen, Ehrungen sowie das Entzünden der Flamme trat als Hauptkünstlerin die spanische und lateinamerikanische Pop-Ikone Mónica Naranjo auf, die für ihren außergewöhnlichen Stimmumfang bekannt ist. Mehr als 9.000 Athletinnen und Athleten haben sich für die Gay Games angemeldet. Insgesamt werden 10.288 Teilnehmer diese Woche ihr Bestes geben. Viele reisen aus Übersee an. Die Veranstalter hoffen zudem auf zahlreiche Zuschauer aus der Region. Eintrittskarten für die Eröffnungsfeier sind seit zwei Monaten erhältlich.

Bürgermeisterin appelliert an Zusammenhalt 

Die politische Auseinandersetzung hält jedoch weiter an. Bürgermeisterin María José Catalá von der konservativen Volkspartei (PP), die in Valencia gemeinsam mit der rechtsgerichteten Partei Vox regiert, würdigte die Arbeit der Organisatoren und appellierte an den Zusammenhalt. „Dies ist die erfolgreichste Ausgabe hinsichtlich der Zahl der angemeldeten Teilnehmer und der vertretenen Länder“, sagte sie der Lokalzeitung Levante-EMV. „Es war ohne Zweifel eine mühsame Aufgabe, bis hierher zu gelangen.“ Weiter erklärte sie: „Valencia ist vielfältig, lebensfroh, begeisterungsfähig und eine Sportstadt. Ich hoffe aufrichtig, dass das Bild unserer Stadt das einer vielfältigen und glücklichen Stadt sein wird, die den Sport liebt und weiß, sich bei Themen, die Einigkeit erfordern, zusammenzuschließen statt zu streiten.“

Kritik von queeren und linken Verbänden 

Demgegenüber organisierte die LGBTIQ+-Dachorganisation Lambda weiterhin einen Boykott der Gay Games. Die Organisation wirft der Stadtverwaltung Heuchelei vor. Einerseits profitiere Valencia vom Geld internationaler LGBTIQ+-Touristen, andererseits würden Fördermittel für lokale Initiativen gekürzt, Regenbogenflaggen von öffentlichen Gebäuden entfernt und Programme zur Förderung von Vielfalt gestrichen. Auch die politische Opposition erhebt den Vorwurf des „Pinkwashing“. Die offen lesbische Stadträtin Lluïsa Notario vom linken Wahlbündnis Compromís kündigte an, der Eröffnungsfeier fernzubleiben: „Compromís wird sich nicht an einer inszenierten Veranstaltung beteiligen, die Valencia als offene und vielfältige Stadt darstellen soll, während dieselbe Stadtregierung die öffentliche LGTBIQ+-Politik abbaut, den Dialog mit Organisationen blockiert und die Agenda der extremen Rechten übernimmt.“ 

Zugleich betonte Notario, dass ihre Partei die Sportlerinnen und Sportler sowie den ursprünglichen Gedanken der Gay Games unterstütze. Die Austragung der Spiele sei unter einer früheren progressiven Stadtregierung nach Valencia geholt worden. „Compromís ist nicht gegen die Gay Games. Dieses Ereignis wurde unter einer fortschrittlichen Verwaltung mit einer klaren Idee ins Leben gerufen: Valencia zu einem internationalen Vorbild für Rechte, Inklusion, Sport, Vielfalt und Stolz zu machen“, sagte sie. „Das Problem sind nicht die Gay Games. Das Problem ist, dass Catalá und Vox ihnen ihren politischen, sozialen und aktivistischen Charakter genommen haben, um sie zu einer touristischen Werbeveranstaltung zu machen.“

Besucherzahl bleibt hoch 

Nach Angaben von Outsports bleiben auch die meisten LGBTIQ+-Sportvereine aus Spanien und Portugal den Spielen fern, darunter Valencias Dracs und Samarucs sowie Barcelonas Panteres Grogues. Ungeachtet der politischen Spannungen melden Hotels wegen der zahlreichen internationalen Gäste eine hohe Auslastung und rechnen mit weiteren kurzfristigen Buchungen. Den internationalen Gästen dürften die politischen Debatten vielfach kaum auffallen. Dennoch dürfte spürbar sein, dass deutlich weniger spanische Teilnehmer vertreten sind als ursprünglich erwartet. Die Organisatoren hoffen dennoch, in den kommenden Tagen die „alegría de vivir“ – die Lebensfreude – der Gay Games vermitteln zu können.

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