Erneute Kritik an FIFA Umgang mit WM-Ländern, die Homosexualität kriminalisieren
Kurz vor dem umstrittenen „Pride Match“ bei der Fußball-Weltmeisterschaft wächst der Druck auf die FIFA. Der britische Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell hat den Weltfußballverband aufgefordert, gegen Teilnehmerländer vorzugehen, in denen Homosexualität strafbar ist.
Das Wichtigste im Überblick
- Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell fordert von der FIFA Konsequenzen gegenüber elf WM-Teilnehmern mit Anti-Homosexuellen-Gesetzen.
- Die betroffenen Länder kriminalisieren Homosexualität teils mit hohen Haftstrafen oder sogar der Todesstrafe.
- Tatchell verlangt schriftliche Zusicherungen, dass homosexuelle Spieler nicht von Nationalmannschaften ausgeschlossen werden.
- Anlass ist unter anderem das geplante „Pride Match“ zwischen Iran und Ägypten am 26. Juni in Seattle.
- Der Aktivist fordert zudem Garantien für LGBTIQ+-Fans und das Zeigen von Pride-Flaggen bei WM-Spielen.
Aktivist fordert FIFA zum Handeln auf
In einem Schreiben an FIFA-Präsident Gianni Infantino kritisiert Tatchell, dass die Teilnahme mehrerer Nationen aus seiner Sicht nicht mit den Antidiskriminierungsregeln des Verbandes vereinbar sei. Im Mittelpunkt stehen elf Nationalverbände von WM-Teilnehmern: Iran, Ägypten, Saudi-Arabien, Ghana, Senegal, Katar, Tunesien, Marokko, Irak, Usbekistan und Algerien. In allen diesen Staaten wird Homosexualität strafrechtlich verfolgt. Die Strafen reichen von Gefängnisstrafen bis hin zur Todesstrafe.
Tatchell fordert die FIFA auf, von den betroffenen Verbänden schriftliche Zusicherungen einzuholen, dass homosexuelle Spieler nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt oder von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft ausgeschlossen werden. „Die FIFA hat klare Regeln, die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verbieten. Sie hat weder verlangt noch erhalten, dass diese elf Länder bestätigen, einen homosexuellen Spieler aufzustellen, wenn dessen Leistung eine Nominierung für den Kader rechtfertigt. Ich fordere die FIFA auf, das zu tun, was ihre eigenen Statuten verlangen“, schrieb Tatchell an den Weltverband.
Menschenrechts- und Antidiskriminierungsregeln
In seinem Schreiben beruft sich der Aktivist auf die Statuten der FIFA. Nach Artikel 3 zum Thema Menschenrechte verpflichte sich der Verband zur Achtung international anerkannter Menschenrechte. Dort heißt es: „Die FIFA verpflichtet sich zur Achtung aller international anerkannten Menschenrechte und wird sich dafür einsetzen, den Schutz dieser Rechte zu fördern.“ Zudem verweist Tatchell auf Artikel 4.1 der FIFA-Statuten zu Nichtdiskriminierung, Gleichheit und Neutralität. Dieser untersagt ausdrücklich Benachteiligungen aufgrund der sexuellen Orientierung.
In den Statuten heißt es: „Diskriminierung jeglicher Art gegenüber einem Land, einer Privatperson oder einer Personengruppe aufgrund von Rasse, Hautfarbe, ethnischer, nationaler oder sozialer Herkunft, Geschlecht, Behinderung, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, Vermögen, Geburt oder sonstigem Status, sexueller Orientierung oder aus anderen Gründen ist strikt verboten und kann mit Suspendierung oder Ausschluss geahndet werden.“ Nach Auffassung Tatchells verletzen Verbände, die diese Vorgaben nicht einhalten, zugleich die Regularien der Weltmeisterschaft 2026. Zur Begründung verweist er auf Artikel 5.2(b) der WM-Bestimmungen, der die Pflichten teilnehmender Mitgliedsverbände regelt. Dort heißt es: „Mit der Teilnahme an der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 verpflichten sich die teilnehmenden Mitgliedsverbände automatisch dazu, die FIFA-Statuten einzuhalten und zu befolgen.“
Begegnung zwischen Iran und Ägypten
Besondere Aufmerksamkeit erhält derzeit das für den 26. Juni in Seattle angesetzte „Pride Match“ zwischen Iran und Ägypten. Das Spiel soll im Lumen Field stattfinden und war bereits geplant worden, bevor die Teilnahme der beiden Nationalmannschaften feststand. Tatchell äußert die Sorge, dass beide Länder versuchen könnten, die Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Menschen rund um die Veranstaltung einzuschränken. Bereits im Dezember 2025 hatte der ägyptische Fußballverband die FIFA aufgefordert, jede Verbindung des Spiels mit der LGBTIQ+-Community zu verhindern. Als Begründung wurden die religiösen und gesellschaftlichen Werte beider Staaten genannt. Der Iran hat die Forderungen vor kurzem wiederholt.
Darüber hinaus verlangt Tatchell von der FIFA Klarheit über Berichte, wonach Pride-Symbole bei der Begegnung eingeschränkt werden könnten. Sollten sich diese Berichte bestätigen, sieht der Aktivist darin einen schwerwiegenden Widerspruch zu den eigenen Menschenrechtsgrundsätzen der FIFA. „Die FIFA lässt sich faktisch vom Iran dazu erpressen, die Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Menschen bei einem Spiel zu unterdrücken, das sie selbst als ,Pride Match‘ bezeichnet hat. Das wäre ein tiefgreifender Widerspruch und ein Verrat an dem von der FIFA selbst formulierten Bekenntnis zu den Menschenrechten.“ Der Menschenrechtsaktivist fordert deshalb eine ausdrückliche Bestätigung des Weltverbandes, dass LGBTIQ+-Fans sowie Pride-Flaggen bei sämtlichen Spielen der Weltmeisterschaft zugelassen sind.