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UNAIDS warnt vor Rückschritten

UNAIDS warnt vor Rückschritten UN-Staaten beraten über neue HIV-Strategie

ms - 17.06.2026 - 09:00 Uhr
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Das UN-Programm UNAIDS sieht die weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung von HIV und Aids in einer kritischen Phase. In einem aktuellen Bericht warnt die Organisation davor, dass Kürzungen bei internationalen Hilfsgeldern, eine zunehmende Kriminalisierung besonders betroffener Bevölkerungsgruppen sowie eine unzureichende Finanzierung von Präventionsangeboten die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte gefährden könnten.

Das Wichtigste im Überblick

  • UNAIDS spricht von der schwersten Krise der weltweiten HIV-Bekämpfung seit Beginn der gemeinsamen internationalen Anstrengungen.
  • Die internationale Entwicklungshilfe ist 2025 laut Bericht um 23 Prozent zurückgegangen – der stärkste jemals dokumentierte Rückgang.
  • Besonders betroffen sind HIV-Programme in Ländern mit geringem Einkommen.
  • Die Zahl der HIV-Tests, die Verfügbarkeit von Kondomen und die Nutzung der HIV-Prävention durch PrEP sind deutlich gesunken.
  • Trotz erheblicher Fortschritte bei der Eindämmung von HIV bestehen weiterhin große regionale Unterschiede.
  • UNAIDS fordert die Staatengemeinschaft auf, beim bevorstehenden UN-Treffen politische und finanzielle Zusagen zu erneuern.

Bericht vor UN-Konferenz

Nach Einschätzung von UNAIDS befinden sich die globalen Maßnahmen gegen die Epidemie derzeit in ihrer schwersten Krise, seit sich die internationale Gemeinschaft zum gemeinsamen Vorgehen gegen HIV zusammengeschlossen hat. Die Analyse erscheint kurz vor einem hochrangigen Treffen der Vereinten Nationen zu HIV und Aids, das am 22. und 23. Juni 2026 in New York stattfindet. Dort wollen die Mitgliedstaaten Bilanz über die bisherigen Fortschritte ziehen, die globale Strategie für die kommenden fünf Jahre verhandeln und eine neue politische Erklärung verabschieden. Der Bericht trägt den Titel „United To End AIDS“ und enthält zugleich eine erste umfassende Bewertung der Folgen jüngster Finanzierungsrückgänge. Nach Angaben von UNAIDS dürfte sich das gesamte Ausmaß der Auswirkungen jedoch erst in den kommenden Jahren vollständig zeigen.

Laut Bericht sank die internationale Entwicklungshilfe im Jahr 2025 um nahezu ein Viertel. Mit einem Minus von 23 Prozent handelt es sich nach Angaben von UNAIDS um den stärksten jemals erfassten Rückgang. HIV-Programme seien von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Die Organisation zeichnet ein alarmierendes Bild der Lage. Massive Einschnitte bei internationalen Fördermitteln, zunehmende Einschränkungen von Menschenrechten und zivilgesellschaftlichem Engagement sowie eine anhaltende Unterfinanzierung von Präventions- und Unterstützungsangeboten könnten dazu führen, dass zentrale Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte verloren gehen.

Weniger Tests, weniger Kondome

Besonders gravierend wirken sich die Kürzungen laut UNAIDS in Ländern mit niedrigem Einkommen aus, deren Gesundheitssysteme und HIV-Programme in hohem Maße von internationaler Unterstützung abhängen. In Regionen mit hoher HIV-Belastung ging die Zahl der HIV-Tests zwischen 2024 und 2025 um 22 Prozent zurück. Gleichzeitig wurden die finanziellen Mittel für Kondome in einigen Fällen um mehr als 90 Prozent reduziert. Auch bei der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP), die Menschen vor einer HIV-Infektion schützen kann, wurden deutliche Rückgänge registriert. In 62 berichtenden Staaten sank die Nutzung laut UNAIDS um 38 Prozent. Bereits im Jahr 2024 flossen lediglich elf Prozent der weltweiten HIV-Ausgaben in Präventionsmaßnahmen. Diese vergleichsweise geringe Quote werde nun zusätzlich geschmälert, während nationale Finanzierungen die entstandenen Lücken bislang nicht ausgleichen könnten.

Erfolge bleiben sichtbar

Trotz der aktuellen Warnungen verweist UNAIDS auf bedeutende Fortschritte im weltweiten Kampf gegen HIV und Aids. Die Bekämpfung der Krankheit gilt weiterhin als eine der größten Erfolgsgeschichten im Bereich der globalen Gesundheit. Seit 2010 ist die Zahl der Aids-bedingten Todesfälle dem Bericht zufolge um 56 Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2025 wurden weltweit 570.000 entsprechende Todesfälle registriert. Auch die Zahl der Neuinfektionen sank im selben Zeitraum deutlich. Sie verringerte sich um 43 Prozent auf 1,2 Millionen Fälle im Jahr 2025. Von den weltweit 40,9 Millionen Menschen, die mit HIV leben, erhalten inzwischen 78 Prozent eine antiretrovirale Therapie.

Die positiven Entwicklungen verteilen sich jedoch nicht gleichmäßig über alle Regionen. Während einige Staaten erhebliche Fortschritte erzielen, steigen die Neuinfektionen in anderen Teilen der Welt weiterhin an. Betroffen sind laut UNAIDS insbesondere Osteuropa und Zentralasien, der Nahe Osten und Nordafrika sowie Lateinamerika. Zudem weist der Bericht auf erhebliche Versorgungslücken bei Kindern hin. Im Jahr 2025 erhielt nur etwas mehr als die Hälfte der mit HIV lebenden Kinder antiretrovirale Medikamente. Besonders besorgniserregend bleibt die Situation im südlichen Afrika. Dort infizieren sich nach Angaben von UNAIDS jede Woche etwa 3.000 Mädchen und junge Frauen mit HIV.

Große Erwartungen verbindet die Organisation mit der HIV-Prävention auf Basis von Lenacapavir. Das Medikament gilt als möglicher „Gamechanger“ bei der Vorbeugung von HIV-Infektionen. Bis Ende März 2026 hatten mehr als 6.000 Menschen in fünf Ländern Subsahara-Afrikas Zugang zu der langwirksamen Präventionsmaßnahme erhalten. Nach Einschätzung von UNAIDS sind jedoch noch erhebliche Anstrengungen erforderlich, um die rund 20 Millionen Menschen zu erreichen, die von einer Lenacapavir-PrEP profitieren könnten.

Community-Organisationen unter Druck

Eine zentrale Rolle bei Prävention, Aufklärung und Versorgung übernehmen vielerorts communitygeführte Organisationen. Nach Angaben von UNAIDS stehen zahlreiche dieser Einrichtungen inzwischen vor erheblichen Problemen. Viele Organisationen hätten ihre Arbeit bereits einstellen müssen, weitere seien akut von Schließungen bedroht. Eine Untersuchung unter 79 Organisationen in 47 Ländern dokumentiert einen deutlichen Rückgang der Unterstützungsangebote für Menschen mit HIV. Insgesamt habe sich das Angebot etwa halbiert. Besonders stark betroffen seien Angebote für Sexarbeiter, die um 82 Prozent zurückgingen. Bei Programmen für Männer, die Sex mit Männern haben, betrage der Rückgang 85 Prozent.

Neben den finanziellen Problemen beobachtet UNAIDS auch politische Entwicklungen mit Sorge. Erstmals seit Beginn der Datenerhebung nehme die Kriminalisierung marginalisierter Bevölkerungsgruppen wieder zu, insbesondere von schwulen Männern. Die Folgen könnten nach Einschätzung der Organisation weitreichend sein. Aus Angst vor Verfolgung oder Diskriminierung würden viele Menschen aus besonders gefährdeten Gruppen auf HIV-Tests oder medizinische Versorgung verzichten. Dadurch blieben Infektionen häufiger unentdeckt, notwendige Behandlungen würden nicht begonnen und die weitere Verbreitung des Virus begünstigt.

UNAIDS fordert entschlossenes Handeln

Trotz der aktuellen Herausforderungen sieht UNAIDS weiterhin Möglichkeiten, die Epidemie langfristig einzudämmen. Die Organisation verweist darauf, dass der Anteil national finanzierter HIV-Ausgaben in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Während im Jahr 2010 noch 28 Prozent der weltweiten HIV-Ausgaben aus nationalen Mitteln finanziert wurden, lag dieser Anteil 2024 bereits bei 52 Prozent. Darüber hinaus haben nach Angaben von UNAIDS mehr als 54 Staaten seit Anfang 2025 angekündigt, ihre Investitionen in HIV-Prävention und Versorgung aus eigenen Haushalten zu erhöhen.

Vor dem bevorstehenden UN-Treffen appelliert die Organisation an die internationale Gemeinschaft, die notwendigen politischen und finanziellen Rahmenbedingungen für die weitere Bekämpfung von HIV und Aids zu schaffen. Das Ziel, Aids bis zum Jahr 2030 als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit zu beenden, sei weiterhin erreichbar. Dafür seien jedoch entschlossenes politisches Handeln, ausreichende Investitionen und die konsequente Umsetzung der globalen HIV- und Aids-Strategie erforderlich. Andernfalls könnten nach Einschätzung von UNAIDS viele der in Jahrzehnten erzielten Fortschritte wieder verloren gehen.

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