Volksoper mit Pride-Edition Conchita Wurst übernimmt Frosch-Rolle in "Fledermaus"
Dem Eurovision in Wien blieb er fern, denn der österreichische Künstler Tom Neuwirth, weithin bekannt als Conchita Wurst, widmet sich mittlerweile anderen kulturellen Dingen: Neuwirth übernimmt 2026 die Sprechrolle des Gefängnisdieners Frosch in einer besonderen „Pride Edition” von Johann Strauß’ Operette „Die Fledermaus” an der Volksoper Wien. Mit diesem Engagement erhält eine der bekanntesten Bühnen Wiens eine prominente queere Handschrift, die dem Stück eine aktualisierte Perspektive auf Liebe und gesellschaftliche Rollen verleiht.
Das Wichtigste im Überblick
- Tom Neuwirth alias Conchita Wurst spielt 2026 in der „Fledermaus” an der Wiener Volksoper.
- Die „Pride Edition” hebt queere Themen und Identität hervor.
- Die Premiere ist für den 9. Juni 2026 angesetzt.
- Der Gefängnisdiener Frosch wurde traditionell oft von prominenten Gästen gespielt.
- Die neue Textfassung stammt von Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl.
Conchita Wurst prägt die Volksoper
Die Entscheidung, die Rolle des Frosch an Tom Neuwirth zu vergeben, betont das Ziel der Volksoper, gesellschaftliche Vielfalt künstlerisch sichtbar zu machen. Die Figur des Frosch ist in der „Fledermaus” nicht nur komödiantischer Höhepunkt, sondern auch Spiegel gesellschaftlicher Konventionen. In der speziell geschaffenen Textfassung wird die satirische Note der Operette genutzt, um Themen wie Geschlechteridentität und Erwartungen an Normalität zu reflektieren. Neuwirth bringt dabei seine Bühnenerfahrung und seine queere Perspektive ein, wie zuletzt auch 2024 im Rabenhof Theater in der gefeierten Rolle des Erzherzogs Ludwig Viktor.
Die Pride Edition als künstlerisches Statement
Mit der Ankündigung, „Die Fledermaus” in einer Pride Edition zu zeigen, positioniert sich die Volksoper Wien klar für Diversität. Die Produktion unter Regie von Moritz Franz Beichl versteht sich als Reaktion auf die wieder zunehmende gesellschaftliche Anfeindung gegenüber queeren Lebensweisen in Europa. Die Betreibenden machen deutlich, dass Kunst nicht auf eine gesellschaftliche Momentaufnahme verzichten kann: Gerade jetzt wird ein Bühnenraum geschaffen, der queere Erfahrungen ins Zentrum stellt und mit etablierten Traditionen spielt. „Ich bin überwältigt und fühle mich geehrt, Teil dieser besonderen Produktion sein zu dürfen,” sagte Neuwirth zur Besetzung. Mit ihm besetzt die Oper einen Künstler, der für Aufbruch und Sichtbarkeit steht.
„Die Fledermaus“ als Kulturgut und Identitätslabor
Johann Strauß’ 1874 uraufgeführte Operette zählt zu den meistgespielten und repräsentiert einen festen Bestandteil des Wiener Kulturkanons. Die Sprechrolle des Gefängniswärters Frosch hat eine lange Tradition, wechselnde prominente Interpreten prägen ihre jeweiligen Aufführungen. Die diesjährige Pride Edition ist laut Volksoper ein Versuch, das Handlungstableau gezielt mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen aufzuladen, ohne den Humor des Originals zu verlieren. So wird das klassische Werk neu lesbar gemacht – offen für ein Publikum, das nach Identitätsvielfalt sucht.
Wahrscheinliche nächste Schritte
Angesichts der hochkarätigen Besetzung und des politischen Anspruchs dürfte die Premiere am 9. Juni 2026 auf großes mediales und gesellschaftliches Interesse treffen. Für die Wiener Theaterlandschaft ist dies ein weiterer Schritt, Diversität dauerhaft im hauptstädtischen Kulturbetrieb zu verankern. Wie die Rezeption ausfällt und welche künstlerischen Akzente Neuwirth dem Frosch tatsächlich verleiht, bleibt eine zentrale Frage für Opernfreundinnen und Opernfreunde sowie Kulturbeobachtende.