Zuwachs bei Pflegekindern Rund 220.000 Minderjährige ohne Eltern
Die Zahl der obdachlosen oder wohnungslosen Menschen ist in Deutschland zuletzt immer weiter angestiegen, homosexuelle Jugendliche sind davon oftmals überproportional vertreten. Insgesamt sind rund 72.000 homosexuelle und queere Personen ohne ein festes Zuhause. Die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen nun auf, dass sich die Sachlage weiter zu verschärfen droht.
Das Wichtigste im Überblick:
- Obdachlosigkeit von LGBTIQ+ Jugendlichen: Rund 72.000 homosexuelle und queere Menschen in Deutschland sind obdachlos, mit einer besonders hohen Zahl bei jungen LGBTIQ+-Personen.
- Anstieg von Heim- und Pflegekinderzahlen: 2024 waren etwa 221.500 Kinder und Jugendliche ohne Eltern, ein Anstieg von 3 % gegenüber dem Vorjahr. Ein hoher Anteil dieser Jugendlichen gehört zur LGBTIQ+-Community.
- Unbegleitete Minderjährige: Zwei Drittel des Anstiegs 2024 erklären sich durch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die nach ihrer Inobhutnahme in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht werden.
- Gründe für Unterbringung: Häufigste Gründe für die Unterbringung waren Ausfall der Bezugsperson (19 %), Erziehungsunsicherheit der Eltern (15 %) und Kindeswohlgefährdung (13 %).
- Besondere Belastung: LGBTIQ+-Jugendliche sind in dieser Gruppe besonders betroffen, da sie häufig mit zusätzlicher Diskriminierung und Ablehnung konfrontiert sind.
LGBTIQ+-Pflegekinder
Im Jahr 2024 wurden bundesweit rund 134.000 junge Menschen in einem Heim und knapp 87.500 in einer Pflegefamilie betreut – damit wachsen 221.500 Kinder und Jugendliche ohne die eigenen Eltern auf, ein Anstieg von drei Prozent binnen eines Jahres. Eine unbekannte Anzahl der Jugendlichen gehört zur LGBTIQ+-Community, exakte Zahlen gibt es nicht, allerdings zeigen Untersuchungen der letzten Jahre, dass gerade homosexuelle Minderjährige deutlich überproportional in dieser Gruppe vertreten sind.
Einreise ohne Eltern
„Ein Grund für die erneute Zunahme sind die Entwicklungen rund um ehemals unbegleitet eingereiste Minderjährige: Nach einer vorübergehenden Inobhutnahme durch die Jugendämter werden sie oft in Heimen und betreuten Wohnformen oder - seltener - in Pflegefamilien untergebracht: Gut zwei Drittel des Anstiegs im Jahr 2024 (69 %) können dadurch erklärt werden. Insgesamt wurden 2024 rund 25.300 junge Menschen nach Inobhutnahmen aufgrund unbegleiteter Einreisen in Heimen oder Pflegefamilien betreut“, so das Bundesamt für Statistik.
Allein, überfordert, misshandelt
Die jungen Menschen, die 2024 in Heimen oder Pflegefamilien betreut wurden, waren etwas häufiger männlich (57 %) als weiblich (43 %). Während Kinder bis 10 Jahren häufiger in Pflegefamilien aufwuchsen, überwog ab dem 11. Lebensjahr die Heimerziehung. Knapp ein weiteres Viertel (24 %) der Betroffenen waren sogenannte „Careleaver“, also junge Volljährige im Übergang aus der öffentlichen Erziehungshilfe in ein selbstständiges Leben.
Die Eltern der Betroffenen waren in fast jedem zweiten Fall (47 %) alleinerziehend. Knapp 61.100 junge Menschen wurden 2024 neu in einem Heim oder einer Pflegefamilie aufgenommen. „Der am häufigsten genannte Hauptgrund war mit 19 Prozent der Ausfall der Bezugsperson dieser jungen Menschen (Unversorgtheit). An zweiter Stelle stand 2024 die eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern (15 %), beispielsweise durch Erziehungsunsicherheit oder pädagogische Überforderung. Dritthäufigster Grund für eine neue Unterbringung war die Gefährdung des Kindeswohls durch Vernachlässigung, Misshandlungen oder sexuelle Gewalt (13 %)“, so die Behörde abschließend.