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Homosexuelle Flüchtlinge Kenia will gefährliche Lage in Flüchtlingslagern beenden

Von ms - 29.04.2026 - 11:00 Uhr
Hilfe für homosexuelle Flüchtlinge
Foto: IMAGO / Joerg Boethling
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Mit einem ehrgeizigen neuen Vorhaben will die kenianische Regierung Flüchtlingslager in offene Dorfgemeinschaften umwandeln. Besonders homosexuelle Flüchtlinge, die bislang häufig Gewalt ausgesetzt waren, setzen große Hoffnungen auf mehr Sicherheit, Bewegungsfreiheit und rechtlichen Schutz. Die Regierung stellte jetzt erste Details des Plans vor. 

Das Wichtigste im Überblick:

  • Kenia plant Integration von Flüchtlingen: Die Regierung möchte Flüchtlingslager in offene Dorfgemeinschaften umwandeln, um Flüchtlingen mehr Sicherheit und Integration zu bieten, besonders für homosexuelle Flüchtlinge. 
  • Hoffnungen der LGBTIQ+-Flüchtlinge: Homosexuelle Flüchtlinge wie Jeremy aus Uganda hoffen auf mehr Schutz und Bewegungsfreiheit. Jeremy floh nach Kenia, nachdem er in Uganda Opfer von Gewalt wurde. 
  • Shirika-Plan: Dieser Plan soll Flüchtlingslager in Dörfer umwandeln und Flüchtlingen helfen, besser in die Gesellschaft integriert zu werden. Die Umsetzung wird auf rund 943 Millionen US-Dollar geschätzt. 
  • Besondere Gefährdung von LGBTIQ+-Flüchtlingen: Schwule Flüchtlinge sind in den Lagern besonders gefährdet, Gewalt zu erleben. Etwa 5.000 homosexuelle Flüchtlinge leben derzeit in Kenia. 
  • Inklusivität und Nichtdiskriminierung: Der Plan soll sicherstellen, dass keine Diskriminierung aufgrund von Identität oder Herkunft erfolgt.

Flüchtlinge aus Uganda

Jeremy (28) lebt seit zehn Jahren im Flüchtlingslager Kakuma. Der schwule Ugander war 2015 nach Kenia geflüchtet, nachdem ein unbekannter Täter in seiner Heimat versucht hatte, ihn durch Brandstiftung zu töten. „Meine Familie hat sich gegen mich gewandt, als ich mich offen als schwul outete. Ich wurde zweimal angegriffen, das Schlimmste war, als mein Haus in Brand gesteckt wurde“, berichtete Jeremy. In Uganda existiert seit 2023 ein neues Anti-Homosexuellen-Gesetz, das hohe Haftstrafen bis hin zur Todesstrafe für Schwule und Lesben vorsieht. 

Der junge Mann ist dabei einer von zahlreichen homosexuellen Flüchtlingen aus Uganda, die in Kenia Zuflucht suchen. Für viele ist das Leben im Lager jedoch weiterhin schwierig und gefährlich, und seit Jahren warten viele von ihnen zudem auf einen offiziellen Flüchtlings- oder Asylstatus. „Ich warte seit zehn Jahren. Irgendwann habe ich die Hoffnung verloren“, sagte Jeremy gegenüber der queeren Organisation 76crimes. 

Neues Programm der Regierung

Um die Flüchtlingssituation zu verbessern, hat die kenianische Regierung nun erste Details zum sogenannten Shirika-Plan vorgestellt – die Idee dazu kam erstmals 2025 auf. Das Programm sieht vor, Flüchtlingslager in normale Dörfer zu überführen und Flüchtlingen so eine vollständige Integration in die kenianische Gesellschaft zu ermöglichen. Langjährige, unbearbeitete Asyl- und Flüchtlingsanträge sollen im Rahmen des Plans berücksichtigt werden. Wie dies konkret umgesetzt wird, ist noch unklar. 

Kenia bietet seit Jahrzehnten Schutz für Menschen, die vor Verfolgung und Konflikten aus der Region fliehen. Nach aktuellen Angaben leben rund 840.000 Flüchtlinge im Land, die Hälfte davon allein im Lager Dadaab, 36 weitere Prozent in Kakuma und 13 Prozent in städtischen Gebieten. Insgesamt leben im ostafrikanischen Land rund 56 Millionen Menschen. Die Lage für Homosexuelle ist dabei auch in Kenia schwierig, gleichgeschlechtlicher Sex wird mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft. Zuletzt gab es allerdings Bemühungen, dass Gesetz aus der Kolonialzeit abzuschaffen. LGBTIQ+-freundlich zeigte sich die Regierung gerade auch mit Blick auf die Flüchtlinge bisher leider nicht. 

Besondere Lage für Homosexuelle 

Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR betont daher auch ebenso wie queere Verbände vor Ort die besondere Situation für homosexuelle und queere Flüchtlinge, die innerhalb der Lager teils schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen erlitten haben. Die Zahl der homosexuellen und queeren Flüchtlinge wird je nach Menschenrechtsorganisation auf bis zu 5.000 Menschen geschätzt.  Craig Paris, Direktor der Refugee Coalition of East Africa, erklärte zudem, dass seit 2022 die Zahl homosexueller Flüchtlinge aus Uganda und der Demokratischen Republik Kongo steigt – viele von ihnen seien dabei in den Lagern besonders gefährdet. 

Die Hoffnung ist daher groß, dass LGBTIQ+-Flüchtlinge durch den neuen Plan der Regierung in größerer Sicherheit leben können und nicht erneut Opfer von Vergewaltigungen und gewalttätigen Angriffen anderer Flüchtlinge werden. Die Umsetzung des elfjährigen Plans wird auf rund 943 Millionen US-Dollar veranschlagt. UNHCR-Sprecherin Njoki Mwangi betonte, dass das Vorhaben inklusiv gestaltet und Diskriminierung ausgeschlossen werden soll: „Zentrale Prinzipien sind Inklusivität und Nichtdiskriminierung aufgrund von Rasse, Ethnie, Religion, Nationalität, Geschlecht oder anderen Merkmalen.“ Jeremy betonte abschließend: „Wir müssen die tatsächlichen Auswirkungen des Shirika-Plans spüren. Es darf nicht nur eine Politik auf dem Papier bleiben. Wir wollen echte Umsetzung.“

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