Endlich wieder ESC Geschichte, Favoriten und Chancen für Deutschland
Ein Termin, der unter queeren Fans in diesem Monat dick im Kalender angekreuzt ist: Der Eurovision Song Contest (ESC) 2026 wird vom 12. bis 16. Mai 2026 in der Wiener Stadthalle ausgetragen. Die Veranstaltung markiert die 70. Ausgabe des jährlich stattfindenden Musikwettbewerbs, der seit 1956 als internationale Gesangsshow der European Broadcasting Union (EBU) besteht. Im Jahr zuvor gewann der Österreicher JJ mit dem Lied „Wasted Love“ und sicherte damit Österreich das Gastgeberrecht für 2026.
Ursprung und Bedeutung des ESC
Der Eurovision Song Contest ist eine der ältesten und meistgesehenen Unterhaltungssendungen im europäischen Fernsehen. Die erste Ausgabe fand am 24. Mai 1956 in Lugano, Schweiz, statt und wurde als eines der ersten Versuche gestartet, ein europaweites Live‑Fernsehereignis zu übertragen. Ursprünglich traten sieben Nationen an, seither expandierte der Wettbewerb stetig und ist heute ein Ereignis mit Dutzenden teilnehmenden Ländern. Das Konzept basiert darauf, dass öffentliche Rundfunkanstalten aus EBU‑Mitgliedsländern ihre besten Sängerinnen und Sänger entsenden. In der Anfangszeit kam ausschließlich ein Solointerpret pro Land ins Rennen, später wurden Duos, Gruppen und verschiedene Musikstile zugelassen.
Der Sieg bietet dem Siegerland traditionell die Chance, den Wettbewerb im Folgejahr auszurichten. Berühmte frühere Gewinner sind unter anderem ABBA (1974 für Schweden) und Céline Dion (1988 für die Schweiz), deren internationale Karrieren stark vom ESC profitierten, viele andere hingegen sind zumeist längst vergessen. Über die Jahre entwickelte sich der ESC zu einem bunten und sehr queeren Spektakel, in dem musikalische Vielfalt und kultureller Austausch im Vordergrund stehen, aber auch immer wieder politische Debatten aufbrechen. Trotz des Prinzips der kulturellen Neutralität ist die Veranstaltung nicht frei von politischen Spannungen wie zuletzt die Israel-Frage belegte.
Teilnehmer und Austragung 2026
In Wien werden 35 Länder teilnehmen, nachdem mehrere Staaten ihre Teilnahme zurückgezogen haben: Irland, Island, die Niederlande, Slowenien und Spanien erklärten ihren Boykott des Musikevents aufgrund der Entscheidung der EBU, Israel am Wettbewerb teilnehmen zu lassen. Das ESC‑Format sieht zwei Halbfinale am 12. und 14. Mai und das große Finale am 16. Mai vor. Die österreichische Polizei hat die Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt, täglich sind über 500 Einsatzkräfte vor Ort, zudem wird es strenge Einlasskontrollen geben. Für das Finale qualifizieren sich jeweils die zehn besten Beiträge aus den beiden Halbfinals, hinzu kommen automatisch der Gastgeber und die sogenannten „Big Five“ – zu denen auch Deutschland gehört. Diese großen Beitragszahler qualifizieren sich stets direkt für das Endfinale. Ein Vorteil insbesondere für Deutschland, das ansonsten oftmals wohl gar nicht erst ins Finale gekommen wäre.
Politische Kontroversen rund um Israel
Ein zentrales Thema in diesem ESC‑Jahr ist die Kontroverse um die Teilnahme Israels. Der Protest richtet sich gegen die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten, insbesondere im Gaza‑Streifen, und die Kritik vieler nationaler Rundfunkanstalten, dass die Präsenz Israels in der aktuellen Situation nicht vertretbar sei. Befürworter der Entscheidung betonen hingegen den kulturellen Charakter des Wettbewerbs und warnen vor einer Politisierung des ESC. Politische Kontroversen sind indes beim Eurovision Song Contest kein neues Phänomen; bereits in früheren Jahren gab es Auseinandersetzungen um die Teilnahme bestimmter Länder, etwa im Zusammenhang mit politischen Konflikten oder Menschenrechtsdiskussionen. Die Veranstalter betonen jedoch stets, dass Musik und kultureller Austausch im Vordergrund stehen sollen.
Favoriten und Wettquoten
Im Vorfeld des ESC 2026 haben sich mehrere Länder als Top‑Favoriten herauskristallisiert. Besonders stark im Fokus steht Finnland mit dem Duo Linda Lampenius und Pete Parkkonen, ihr Beitrag „Liekinheitin“ („Flammenwesen“ oder „Flammenfrau“) steht seit Wochen in den Wettbüros und beim ESC-Barometer an der Spitze. Zu den weiteren Favoriten zählen Frankreich, Dänemark, Griechenland und Australien, die Beiträge zeichnen sich durch starke Stimmen, originelle Arrangements und professionelle Bühnenpräsentation aus. Die Buchmacher sehen Finnland allerdings als klaren Favoriten – mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent laut aktuellen Wettquoten. Der Song vereint Elemente aus Pop, Rock und klassischer Violine und gilt als besonders einprägsam und publikumswirksam. Deutschland wird beim ESC 2026 von Sarah Engels vertreten. Sie gewann den deutschen Vorentscheid mit dem Song „Fire“, der in Deutschland bei Fans und Kritikern unterschiedlich aufgenommen wurde. Engels betont, wie wichtig ihr die emotionale Unterstützung ihrer Familie im Wettbewerb ist und beklagt zugleich eine oft pessimistische Haltung der Öffentlichkeit gegenüber dem ESC.
In den Wettquoten und Prognosen bleibt der deutsche Beitrag allerdings im letzten Drittel hängen, in manchen Rankings wird Engels sogar der letzte Platz zuteil – wie ein musikalischer Flächenbrand sieht das leider nicht aus. Trotzdem heißt es Daumen drücken! ESC-Kenner betonen, die Konkurrenz sei in diesem Jahr besonders stark, da mehrere Acts größere internationale Erfahrung oder ein besonders massentaugliches Format präsentieren. Das Feuer der Leidenschaft für den ESC indes ist einmal mehr in der queeren Community längst entbrannt und einmal mehr werden wir gebannt mit Käseigel und Chips vor dem Fernseher sitzen und lachen, lästern und lallen. Der Eurovision Song Contest steht auch 2026 nicht nur für Musik, sondern auch für ein kulturelles Ereignis mit historischer Bedeutung und politischer Relevanz – und für eine übergroße Feier der Sichtbarkeit von LGBTIQ+. Und der Erfolg gibt dem Konzept bis heute recht: Der ESC ist nicht nur der größte internationale Musikwettbewerb der Welt, er expandiert in diesem Jahr auch noch – im November wird es erstmals den ESC Asia geben.