Direkt zum Inhalt

Hollywood sorgte für Barrieren Nathan Lane erklärt spätes Coming-out nach "Birdcage"

Von tb - 10.04.2026 - 15:00 Uhr
Nathan Lane erklärt spätes Coming-out nach Birdcage
Foto: © IMAGO / EntertainmentPictures
ANZEIGE
Loading audio player...

Als Broadway-Star Nathan Lane kürzlich über seinen berühmten Filmauftritt in „The Birdcage“ sprach, ließ er die Öffentlichkeit aufhorchen: Warum outete er sich damals nicht? Lane, heute gefeierter Darsteller am Broadway in Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“, räumte ein, dass seine Angst vor den Auswirkungen eines Coming-outs unmittelbar nach dem Filmerfolg 1996 schlicht zu groß war. Für die queere Community und Hollywood gleichermaßen markiert Lanes mutiges Bekenntnis einen erneuten Fingerzeig auf dem steinigen Weg, den viele schwule Schauspieler vor ihm und mit ihm gingen.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Nathan Lane spielte 1996 die Hauptrolle im Erfolgsfilm „The Birdcage“.
  • Lane outete sich erst 1999 öffentlich als schwul.
  • Aktuell steht Lane als Willy Loman auf der Bühne am Broadway.
  • Nach eigenen Worten hatte er Angst, in der Branche keine Rollen mehr zu bekommen.

 

Risiko Identität: Durchbruch und Selbstschutz

Direkt nach dem Welterfolg als flamboyanter Drag-Club-Besitzer im Hit „The Birdcage“ schlugen die Wellen im Hollywood-Teich hoch – doch Lane schwieg. Seine Erklärung: In den 90ern galt ein öffentliches Coming-out als Karriere-Selbstmord, besonders für Schauspieler mit Rollenprofil als Charakterdarsteller. „Du hättest auch gleich sagen können: ‘Übrigens, ich liebe Schwänze’“, sagt Lane heute trocken.

Diese drastische Formel steht sinnbildlich für ein Klima, in dem Schauspieler vor der Öffentlichkeit ihre wahre Identität verbergen mussten. Nach Auskunft von Lane fürchtete er, nach einem Coming-out als queerer Schauspieler keine Rollen als Hauptcharakter mehr zu erhalten. Tatsächlich war Hollywood seinerzeit berüchtigt für die Abkehr von offen schwul lebenden Schauspielern bei großen Besetzungen. Lane lieferte damals in Talkshows überzeugende, aber ausweichende Antworten – auf der Bühne brillierte er weiter, abseits davon war Diskretion sein ständiger Begleiter.

 

„Wir wussten es eh“: Die späte Offenbarung

Als Nathan Lane 1999 endlich öffentlich zu seiner Homosexualität stand, war der mediale Effekt überraschend nüchtern: „War klar, wussten wir doch längst“, so die lakonische Reaktion vieler Kolleginnen und Kollegen. Später berichtete Lane einem großen britischen Magazin, er hätte schon in einem berüchtigten Interview mit Oprah Winfrey Tacheles reden wollen: „Wenn du mich fragst, warum ich in der Rolle so gut bin, liegt das daran, dass ich ein großartiger Schauspieler bin. Und wenn du wissen willst, ob ich schwul bin: Ja.“

Lane entblößt damit nicht nur die vermeintliche Ironie des Outings in Hollywood, sondern auch den routinierten Umgang mit seiner eigenen Fassade. Selbst Jahrzehnte nach „The Birdcage“ ist der soziale Druck auf queere Schauspielerinnen und Schauspieler ein Thema geblieben – mit Lanes trockener Ehrlichkeit weht nun ein frischer, selbstbestimmter Wind durch die Kulissen.

 

Hintergrund: Rollen, Ruhm und Regenbogen

Nathan Lane genießt heute Kultstatus und wird für seine Vielseitigkeit und Bühnenpräsenz gefeiert. Der gebürtige New Yorker gewann mehrfach den Tony Award und erhielt für seinen Humor wie seine Tragik auf der Bühne international Anerkennung. Dass Lane im Gespräch mit der britischen Presse erneut sein Zögern und die damalige Hollywood-Atmosphäre anspricht, hebt die Bedeutung seines späten Coming-outs hervor.

Die Jahre nach „The Birdcage“ waren geprägt von Debatten um Diversität, Typenbesetzung und der Sichtbarkeit queerer Akteurinnen und Akteuren. Lanes Karriereweg spiegelt den Wandel, aber auch die Beharrlichkeit alter Vorurteile in der Traumfabrik wider.

Lane steht aktuell in New York als Willy Loman auf der Bühne und genießt dabei, was er sich in den frühen 90ern kaum vorstellen konnte: Authentizität ohne Angst vor dem nächsten Tabu. Bleibt zu wünschen, dass der nächste Broadway-Star sein Coming-out schneller, lauter – und mit genauso viel Biss wie Nathan Lane durchziehen darf.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

BILDÜberraschendes Geständnis von Maite Kelly - Ich könnte mich auch in eine Frau verliebenrbb24CSD-Anschlag: Regenbogenbank im Tiergarten immer wieder beschädigtFrankfurter Allgemeine ZeitungBrief aus Istanbul: Das Jahrhundert der AbzockeMOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Michael Johnstons Kampf

„Schwule kommen in die Hölle“

Der schwule Schauspieler Michael Johnston wuchs mit der Angst vor der Hölle auf. Erst Jahre später konnte er seine Homosexualität akzeptieren.
Greg Louganis und die Liebe

Single mit 66: Und was jetzt?

Der schwule Olympiasieger Greg Louganis spricht mit 66 Jahren über die Partnersuche, feste Gewohnheiten und die Freiheit eines Lebens als Single.
Lillard und queere Außenseiter

Horrorstar macht LGBTIQ+-Fans Mut

Schauspieler Matthew Lillard hofft, dass queere Menschen in der Neuverfilmung von „Carrie“ eigene Erfahrungen wiedererkennen und daraus Kraft schöpfen
Troye Sivan zeigt neue Seiten

Neues Album heute erschienen

Troye Sivan verbindet auf seinem neuen Album „She’s the Best“ erotische Fantasien, schwule Lebensfreude und die Sehnsucht nach Liebe.
„Die Nanny“ erobert Frankfurt

Fran Drescher bei „Die Zweiflers“

Community-Liebling und „Nanny“-Star Fran Drescher übernimmt eine wichtige Rolle in der zweiten Staffel der preisgekrönten ARD-Serie „Die Zweiflers“.
Céline Dion gestürzt

Schockmoment bei Konzert

Ein Sturz, ein vergessener Songtext und Tränen: Bei Céline Dions Konzert in Paris sorgen 35.000 Fans für einen besonderen Moment.
Chris Salvatores neues Leben

Finaler Rückzug von OnlyFans

Nach vier Jahren in der Erotikbranche legt Chris Salvatore eine Pause ein. Der schwule Schauspieler spricht über emotionale Belastungen und neue Ziele
Chris Colfer zu Glee-Reboot

Wird ein Comeback möglich?

Ein mögliches „Glee“-Reboot sorgt für Gesprächsstoff. Chris Colfer spricht über eine Rückkehr, die verstorbene Naya Rivera und seine Fans.
Warnung von Ian Thorpe

Angst vor dem Coming-Out

Schwimmlegende Ian Thorpe spricht über sein Coming-Out, die Angst homosexueller Profisportler und den langen Weg zur Selbstakzeptanz.