Hollywood sorgte für Barrieren Nathan Lane erklärt spätes Coming-out nach "Birdcage"
Als Broadway-Star Nathan Lane kürzlich über seinen berühmten Filmauftritt in „The Birdcage“ sprach, ließ er die Öffentlichkeit aufhorchen: Warum outete er sich damals nicht? Lane, heute gefeierter Darsteller am Broadway in Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“, räumte ein, dass seine Angst vor den Auswirkungen eines Coming-outs unmittelbar nach dem Filmerfolg 1996 schlicht zu groß war. Für die queere Community und Hollywood gleichermaßen markiert Lanes mutiges Bekenntnis einen erneuten Fingerzeig auf dem steinigen Weg, den viele schwule Schauspieler vor ihm und mit ihm gingen.
Das Wichtigste im Überblick
- Nathan Lane spielte 1996 die Hauptrolle im Erfolgsfilm „The Birdcage“.
- Lane outete sich erst 1999 öffentlich als schwul.
- Aktuell steht Lane als Willy Loman auf der Bühne am Broadway.
- Nach eigenen Worten hatte er Angst, in der Branche keine Rollen mehr zu bekommen.
Risiko Identität: Durchbruch und Selbstschutz
Direkt nach dem Welterfolg als flamboyanter Drag-Club-Besitzer im Hit „The Birdcage“ schlugen die Wellen im Hollywood-Teich hoch – doch Lane schwieg. Seine Erklärung: In den 90ern galt ein öffentliches Coming-out als Karriere-Selbstmord, besonders für Schauspieler mit Rollenprofil als Charakterdarsteller. „Du hättest auch gleich sagen können: ‘Übrigens, ich liebe Schwänze’“, sagt Lane heute trocken.
Diese drastische Formel steht sinnbildlich für ein Klima, in dem Schauspieler vor der Öffentlichkeit ihre wahre Identität verbergen mussten. Nach Auskunft von Lane fürchtete er, nach einem Coming-out als queerer Schauspieler keine Rollen als Hauptcharakter mehr zu erhalten. Tatsächlich war Hollywood seinerzeit berüchtigt für die Abkehr von offen schwul lebenden Schauspielern bei großen Besetzungen. Lane lieferte damals in Talkshows überzeugende, aber ausweichende Antworten – auf der Bühne brillierte er weiter, abseits davon war Diskretion sein ständiger Begleiter.
„Wir wussten es eh“: Die späte Offenbarung
Als Nathan Lane 1999 endlich öffentlich zu seiner Homosexualität stand, war der mediale Effekt überraschend nüchtern: „War klar, wussten wir doch längst“, so die lakonische Reaktion vieler Kolleginnen und Kollegen. Später berichtete Lane einem großen britischen Magazin, er hätte schon in einem berüchtigten Interview mit Oprah Winfrey Tacheles reden wollen: „Wenn du mich fragst, warum ich in der Rolle so gut bin, liegt das daran, dass ich ein großartiger Schauspieler bin. Und wenn du wissen willst, ob ich schwul bin: Ja.“
Lane entblößt damit nicht nur die vermeintliche Ironie des Outings in Hollywood, sondern auch den routinierten Umgang mit seiner eigenen Fassade. Selbst Jahrzehnte nach „The Birdcage“ ist der soziale Druck auf queere Schauspielerinnen und Schauspieler ein Thema geblieben – mit Lanes trockener Ehrlichkeit weht nun ein frischer, selbstbestimmter Wind durch die Kulissen.
Hintergrund: Rollen, Ruhm und Regenbogen
Nathan Lane genießt heute Kultstatus und wird für seine Vielseitigkeit und Bühnenpräsenz gefeiert. Der gebürtige New Yorker gewann mehrfach den Tony Award und erhielt für seinen Humor wie seine Tragik auf der Bühne international Anerkennung. Dass Lane im Gespräch mit der britischen Presse erneut sein Zögern und die damalige Hollywood-Atmosphäre anspricht, hebt die Bedeutung seines späten Coming-outs hervor.
Die Jahre nach „The Birdcage“ waren geprägt von Debatten um Diversität, Typenbesetzung und der Sichtbarkeit queerer Akteurinnen und Akteuren. Lanes Karriereweg spiegelt den Wandel, aber auch die Beharrlichkeit alter Vorurteile in der Traumfabrik wider.
Lane steht aktuell in New York als Willy Loman auf der Bühne und genießt dabei, was er sich in den frühen 90ern kaum vorstellen konnte: Authentizität ohne Angst vor dem nächsten Tabu. Bleibt zu wünschen, dass der nächste Broadway-Star sein Coming-out schneller, lauter – und mit genauso viel Biss wie Nathan Lane durchziehen darf.