Direkt zum Inhalt
Homophober Angriff auf Mallorca

Homophobe Attacke auf Mallorca Berührende Solidaritätsbekundung mit Opfer

ms - 08.04.2026 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Nach einem homophoben Angriff auf einem Markt in Palma hat die Stadtverwaltung jetzt Konsequenzen gezogen. Der mutmaßliche Täter wurde vorläufig von seiner Tätigkeit als Verkäufer auf städtischen Märkten ausgeschlossen.

Homophobe Attacke unter Obsthändlern 

Nach Angaben der Behörden soll der Mann am vergangenen Donnerstag auf dem Obst- und Gemüsemarkt von Pere Garau einen anderen Händler zunächst beleidigt und anschließend körperlich angegriffen haben. Auslöser war demnach ein zunächst alltäglicher Vorgang beim Bedienen einer Kundin, der eskalierte.

Bei dem Opfer handelt es sich um den Händler Miquel Gili, der gemeinsam mit seiner Schwester einen Stand auf dem Markt betreibt. Er wollte nach eigenen Angaben ein fehlendes Produkt an einem benachbarten Stand holen – eine unter Händlern übliche Praxis. Dabei trat er auf eine Bodenfliese nahe dem Stand des späteren Angreifers. Dieser habe daraufhin unmittelbar aggressiv reagiert, ihn homophob beschimpft und schließlich angegriffen. Während der Attacke sei er unter anderem als „Maricón“ (Schwuchtel) beleidigt worden.

Die Schwester des Betroffenen versuchte einzugreifen und wurde dabei ebenfalls verletzt. Gili erlitt eine Verstauchung am linken Arm sowie eine Wunde am Ellbogen. Aufgrund früherer Verletzungen musste der Arm eingegipst werden.

Konsequenzen der Stadtverwaltung

Anwohner filmten den Vorfall, der im Umfeld des Marktes für große Empörung sorgte. Zudem wurde der Angriff über soziale Netzwerke verbreitet. Der Betroffene erstattete Anzeige, die Polizei nahm Ermittlungen auf. Nach Aussagen von Händlern hatte es bereits zuvor Spannungen mit dem mutmaßlichen Täter gegeben. Die Stadt Palma untersagte schlussendlich dem Beschuldigten vorsorglich die weitere Verkaufstätigkeit auf städtischen Märkten. Da der von ihm genutzte Stand einem anderen Inhaber gehört, soll dieser vorübergehend an einen anderen Standort verlegt werden. Weitere Maßnahmen werden nach Abschluss der Ermittlungen geprüft.

Solidarität mit Opfer 

Gestern versammelten sich rund 60 Menschen zu einer Solidaritätskundgebung auf dem Marktplatz. Unter den Teilnehmern waren Händler, Kunden sowie Vertreter der Stadtverwaltung und verschiedener Parteien. Auch die Marktleiterin Paquita Bonnin nahm teil. Die Anwesenden bekundeten ihre Unterstützung für das Opfer und forderten einen dauerhaften Ausschluss des mutmaßlichen Täters.

Der Betroffene zeigte sich bewegt von der Anteilnahme. Er habe nicht mit einer so großen Resonanz gerechnet und betonte, dass ihn insbesondere die Unterstützung von Kollegen und Kunden gestärkt habe. Zugleich erklärte er, keine öffentliche Inszenierung zu wünschen, sondern vor allem Ruhe und ein normales Leben anzustreben.

Nach seinen Angaben war der Vorfall der Höhepunkt eines länger schwelenden Konflikts. Es habe bereits zuvor Beleidigungen gegeben. Die Situation sei eskaliert, nachdem er sich gegen eine homophobe Äußerung gewehrt und die Angreifer als homophob bezeichnet habe. Neben den körperlichen Verletzungen leidet Gili nach eigenen Angaben weiterhin unter psychischen Folgen wie Angstzuständen, Schlafproblemen und Appetitverlust. Gleichzeitig zeigte er sich überwältigt von der breiten Unterstützung, deren Ausmaß er nach eigenen Worten noch kaum erfassen könne.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Dating-Masche in der Schweiz

Hohe Haftstrafen für Kriminelle

Zwei junge Männer wurden in der Schweiz jetzt zu hohen Haftstrafen verurteilt, sie hatten schwule Männer bei vorgetäuschten Dates brutal ausgeraubt.
Neues Verbot in Russland

Menschenrechtsorganisation Memorial

Ein russisches Gericht hat jetzt die bekannte Menschenrechtsorganisation Memorial verboten; der Verein setzte sich auch für LGBTIQ+ ein.
Hassverbrechen in Bremen

Verdopplung Angriffe auf LGBTIQ+

In Bremen haben sich die Fälle von Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen binnen eines Jahres verdoppelt, wie Innensenatorin Högl jetzt mitteilte
Mpox in Berlin

Deutliche Zunahme der Fallzahlen

Die Zahl der Mpox-Fälle in Berlin steigt weiter rapide an, in der Mehrheit der Fälle handelt es sich dabei um die gefährlichere Virusvariante Klade Ib
Festnahme Marla Svenja Liebich

Polizei spürt Rechtsextremistin auf

Die Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich konnte jetzt nach monatelanger Fahndung in Tschechien von der Polizei festgenommen werden.
Kirche gerät unter Druck

Olaf Latzel bereits verurteilt

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) startet die Evangelisationswoche trotz Kritik mit einem queerfeindlichem Pastor.
Neue Debatte über die Größe

Schwule Männer teilen ihre Meinung

Online ist die Tage eine neue Debatte unter schwulen Männer entbrannt, ob die Größe des Penis wirklich wichtig ist oder nicht.
Kritik von Peter Tatchell

Finanzierung rund um CSDs

Anlässlich des Eklats rund um den Pride in London fragt Aktivist Peter Tatchell nach, ob die Arbeit an CSDs nicht doch eher ehrenamtlich sein sollte.