Direkt zum Inhalt

Neues Gesetz in Indien Kehrtwende bei Grundrechten für trans* Menschen

Von ms - 27.03.2026 - 08:30 Uhr
Neues Gesetz in Indien
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
ANZEIGE
Loading audio player...

Das Oberhaus des indischen Parlaments, die Rajya Sabha, hat jetzt trotz zahlreicher Proteste das sogenannte Transgender Persons Protection of Rights Amendment Bill in einer überarbeiteten Fassung neu verabschiedet. Der Gesetzentwurf muss nun noch von Präsidentin Droupadi Murmu genehmigt werden.

Entzug von trans* Rechten

Der Entwurf sieht vor, trans* Personen die geschlechtliche Selbstbestimmung wieder zu entziehen und deren Anerkennung von einer medizinischen Bescheinigung abhängig zu machen. Bislang gewährte Indien das Recht auf selbst wahrgenommene Geschlechtsidentität über ein Identitätszertifikat. Zu den weiteren geplanten Änderungen gehört unter anderem auch eine engere Definition dessen, wer als trans* gilt, sowie die Aufhebung des Rechts auf selbstbestimmte Geschlechtsidentität. Die Anerkennung soll künftig anhand bestimmter biologischer oder physiologischer Merkmale durch ein medizinisches Gremium erfolgen. Darüber hinaus sieht der Entwurf Strafen für künftige Gesetzesverstöße gegen trans* Personen in Schulen, im Gesundheitswesen und am Arbeitsplatz vor. Die Höchststrafe würde von zwei Jahren nach dem Gesetz von 2019 auf bis zu 14 Jahre erhöht.

Landesweite Proteste 

Der Gesetzentwurf hat landesweit Proteste und Petitionen ausgelöst. Der Anwalt G Kiran Raj, Vertreter von queeren Verbänden im Land, äußerte gegenüber der Times of India: „Geschlechtsidentität muss auf Selbstbestimmung basieren, nicht auf medizinischen Untersuchungen.“ Eine Petition bezeichnete die geplante Gesetzesänderung als „einen großen Rückschritt“. Die Initiatoren betonen, dass Indien jahrelang für sein inklusives Verständnis des Begriffs „transgender“ weltweit anerkannt worden sei. Das ursprüngliche Gesetz von 2019 habe begrenzten Schutz für eine der größten trans* Bevölkerungen der Welt geboten, während die Reform von 2026 dieses Modell nun wieder radikal demontiere.

Thamizhachi Thangapandian, Mitglied des Unterhauses (Lok Sabha), kritisierte den Entwurf direkt im Parlament: „Das ist keine technische Korrektur. Das ist keine harmlose Klarstellung. Es ist ein verfassungsrechtlicher Rückschritt! Es ist ein Gesetzentwurf, der vorgibt zu schützen, tatsächlich aber Identität einschränkt, Überwachung ausweitet und staatliche Kontrolle über die persönlichste Wahrheit eines Menschen wiedereinführt: Wer er oder sie ist.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungVeranstaltung in Garching: Fundamentalistische Hassbotschaften im BürgerhausDER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusGALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktheit bei Heated Rivalry

Intime Dreharbeiten ohne Grenzen?

Die Hauptdarsteller von „Heated Rivalry“ waren zu kompletten Frontalnacktaufnahmen bereit. Regisseur Jacob Tierney entschied sich jedoch dagegen.
Frauen und Schwulenpornos

Besonderer Reiz für die Damenwelt

Die Hälfte des Publikums schwuler Pornos auf Pornhub ist inzwischen weiblich. Studien zeigen, warum Frauen Sex zwischen Männern so interessant finden.
Spätes Coming-Out mit 40

Saunabesuche, Sex und Politik

Der bekannte britische Radiomoderator Iain Dale spricht über Homophobie bei den Tories, sein spätes Coming-Out und sein früheres Sexleben.
Polizeieinsatz bei Halk TV

Türkei geht erneut gegen Medium vor

Nach einer Razzia bei Halk TV in der Türkei übernimmt der Staat jetzt die Kontrolle. Die Opposition kritisiert den Eingriff in die Pressefreiheit.
Social-Media-Verbot kommt

Regierung verschärft Jugendschutz

Die Bundesregierung plant strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige. Für queere Jugendliche geht es dabei auch um wichtige Schutzräume.
Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.
Kein Geld mehr für LGBTIQ+

Florida streicht Museumsförderung

Das bekannte LGBTIQ+-Museum in Florida verliert seine Förderung. Die Leitung kritisiert den Einfluss neuer Gesetze und fordert politischen Widerstand.
Kuss-Foto löst Hasswelle aus

Todesdrohung nach Familienfeier

Ein harmloses Kuss-Foto eines schwules Paares löst im Netz homophobe Hetze bis hin zu Todesforderungen aus. Das Paar lässt sich nicht einschüchtern.
Droht ein neues LGBTIQ-Verbot?

Aserbaidschans neue Gesetzespläne

Aserbaidschan soll ein Verbot sogenannter „LGBT-Propaganda“ nach russischem Vorbild planen. Einige Abgeordnete dementieren bisher eher halbherzig.