Kehrtwende in Schottland Queere Aktivisten kritisieren neuen Identifikationsprozess
Die Polizei von Schottland hat die von der ehemaligen schottischen Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon eingeführte Selbstidentifikationsrichtlinie für trans* Personen zurückgenommen. Künftig wird das „biologische Geschlecht“ sowohl bei Verdächtigen als auch bei Opfern von Straftaten und Vergehen erfasst. Zusätzlich wird gesondert vermerkt, ob eine Person sich als trans* identifiziert. Kritik an der Kehrtwende kommt von queeren Vereinen.
Umsetzung nach Gerichtsurteil
Unter der Regierung der Scottish National Party unter Sturgeon von 2014 bis 2023 erlaubte die Polizeirichtlinie, dass Verdächtige ihr Geschlecht selbst bestimmen. Police Scotland zeichnete Straftaten allerdings bereits zuvor auf Basis des selbstgewählten Geschlechts auf. Obwohl diese Praxis Teil der operativen Richtlinien war und nicht gesetzlich vorgeschrieben, hatten Kritiker die Polizei zur Anpassung aufgefordert.
Ausgelöst wurde die Änderung unter anderem durch eine Klage der Frauenrechtsorganisation „For Women Scotland“ im Juni 2025, die sich gegen die Erhebung von Daten basierend auf „Gender“ richtete, sowie durch ein Urteil des Obersten Gerichts im April 2025. Das Gericht definierte den Begriff „Frau“ im Sinne des Gleichstellungsgesetzes nur als „biologisches Geschlecht“. Police Scotland erklärte, man wolle das Urteil umsetzen und dabei eine Balance zwischen rechtlicher Genauigkeit und Menschenrechtsaspekten wahren.
Kritik von queeren Aktivisten
„Die Aktualisierung der 22 relevanten Systeme von Police Scotland, um diesem neuen Standard für Datenerfassung zu entsprechen, ist ein komplexer Prozess“, heißt es im Sex and Gender Review der Behörde. Weiter fügte die Polizei hinzu: „Obwohl die Möglichkeit, Geschlecht und Gender zu erfassen, bereits besteht, sind technische Anpassungen nötig, um unsere Datenfelder zu klären, den Datensatz für trans* Personen einzuführen und sicherzustellen, dass biologisches Geschlecht und Transidentität klar unterschieden werden und nicht austauschbar genutzt werden.“
Künftig werden sowohl das „biologische Geschlecht“ als auch Transidentität für Opfer, Verdächtige sowie Personen in Risikosituationen erfasst. Queere Kritiker werten die Anpassung als einen deutlichen Rückschritt bei den Rechten von trans* Personen seit dem Rücktritt Sturgeons von der Parteispitze. Die neuen Richtlinien würden dabei eine neue Form von Diskriminierung darstellen, zudem würde damit dem Deadnaming Tür und Tor geöffnet.