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Kirche gerät unter Druck BEK startet Evangelisationswoche mit queerfeindlichem Pastor

Von mr - 09.04.2026 - 17:30 Uhr
BEK startet Evangelisationswoche mit queerfeindlichem Pastor
Foto: © IMAGO / epd
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Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) führt trotz anhaltender Kritik und wiederholter Distanzierungen ab dem 20. April 2026 gemeinsam mit der umstrittenen St.-Martini-Gemeinde von Pastor Olaf Latzel eine einwöchige „Aktionswoche Evangelisation“ in Bremen durch. Die Veranstaltung gibt Latzel und seiner Gemeinde erneut eine Bühne, obwohl sie wegen queerfeindlicher Positionen und Kooperationen mit konversionsbefürwortenden Organisationen bundesweit in der Kritik stehen, wie zum Beispiel auf der Seite fundiwatch.org.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Aktionswoche „Evangelisation“ startet am 20. April 2026 in Bremen.
  • BEK arbeitet dabei direkt mit der St.-Martini-Gemeinde und Olaf Latzel zusammen.
  • Am 25. Mai 2026 hält die Gemeinde ein Seminar mit queerfeindlichen Initiativen ab.
  • Olaf Latzel wurde wegen queerfeindlicher Aussagen verurteilt, das Disziplinarverfahren ruht weiterhin.
  • Die Landeskirche bezieht zu den Vorwürfen keine klare Stellung, verweist aber auf ein Respekt-Konsenspapier.

 

Evangelisationswoche trotz öffentlicher Kritik

Die gemeinsame Aktionswoche von BEK und St.-Martini-Gemeinde umfasst öffentliche Andachten, Workshops und digitale Formate. Durch die Kooperation erhält Pastor Latzel erneut eine Plattform, obwohl er nach massiven queerfeindlichen Aussagen in einem Eheseminar im Jahr 2020 und anschließender Volksverhetzungsklage zu einer Geldauflage und einer mehrjährigen Gehaltskürzung verurteilt wurde. Die Evangelische Kirche hatte sich in Folge der Prozesse wiederholt von Latzel und einzelnen Predigten der Gemeinde distanziert, hält aber am Engagement fest und begründet dies mit einem internationalen Konsenspapier zum christlichen Zeugnis.

 

Zusammenarbeit mit queerfeindlichen Organisationen

Kritisch gesehen wird die Beteiligung weiterer Akteure wie „Alliance Defending Freedom“ (ADF) und dem Gemeindehilfsbund am sogenannten „Studientag Christenverfolgung“ am 25. Mai. Die ADF, eine konservativ-christliche US-Organisation, ist bekannt dafür, Musterprozesse gegen die Rechte queerer Menschen zu führen. Der Gemeindehilfsbund befürwortet regelmäßig so genannte „Konversionstherapien“ und betont öffentlich, dass Veränderungen sexueller Identität möglich und göttlich gewollt seien. Vertreter beider Initiativen sollen in Bremen auftreten und wenden sich insbesondere gegen den neuen Kurs des Europarats, Konversionstherapien europaweit zu verbieten.

 

Kirchliche Kommunikation bleibt ausweichend

Auf Nachfragen unabhängiger Organisationen verweist die BEK ausschließlich auf das Papier „MissionRespekt. Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ und vermeidet eine klare Bewertung der Kooperation mit Latzel. Interne E-Mails lassen darauf schließen, dass die öffentliche Debatte klein gehalten werden soll. Zu konkreten Forderungen nach Abgrenzung von queerfeindlichem Gedankengut äußert sich die Kirche nicht direkt.

 

Rechtliche und gesellschaftliche Hintergründe

Die juristische Auseinandersetzung um Olaf Latzel begann 2020, als gegen ihn wegen Volksverhetzung ermittelt und später Anklage erhoben wurde. Das Bremische Landgericht stellte das Verfahren im August 2024 nach einer Geldauflage an das queere Beratungszentrum „Rat&Tat“ ein. Während das Disziplinarverfahren der Kirche nicht weiter verfolgt wird, betonen queere Initiativen die Gefahr einer wachsenden Vernetzung extrem-konservativer, queerfeindlicher Strömungen innerhalb der evangelikalen Szene.

 

Wichtige Fragen zum Thema

Darf ein Pastor trotz Verurteilung weiterhin predigen? In der Evangelischen Kirche kann ein Pastor grundsätzlich weiterhin predigen, solange kein formelles Berufsverbot ausgesprochen wurde. Im Fall Latzel ruht das kirchliche Disziplinarverfahren.

Was ist „Konversionstherapie“? Dabei handelt es sich um Maßnahmen, die darauf abzielen, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität eines Menschen zu ändern. Sie stehen in Deutschland seit 2020 bei Minderjährigen und Schutzbefohlenen unter Strafandrohung.

Wie positioniert sich die BEK offiziell? Die BEK verweist auf das Konsenspapier „MissionRespekt“, bezieht aber inhaltlich keine eindeutige Position zur Zusammenarbeit mit queerfeindlichen Gruppen.

Die Aktionswoche in Bremen wird breit beobachtet. Ob und wie die Landeskirche künftig eine Trennlinie zu extremen Positionen ihrer Gemeinden ziehen wird, ist weiter offen. Der gesellschaftliche und innerkirchliche Druck dürfte nach dieser Zusammenarbeit weiter wachsen.

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