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Schwulenikone Oscar Wilde Der lange Weg der Rehabilitierung: Vom Skandal zum Vorbild

Von ms - 12.03.2026 - 15:00 Uhr
Schwulenikone Oscar Wilde
Foto: IMAGO / Photo12
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Merlin Holland, Enkel des Schriftstellers Oscar Wilde, wirft in seinem neuen Buch „After Oscar: The Legacy of a Scandal“ einen Blick auf die Nachwirkungen des Skandals von 1895 und die kulturelle Rezeption seines Großvaters. Holland betont, dass das Erbe Wildes heute nicht nur in dessen literarischen Werken sichtbar sei, sondern vor allem in der Art und Weise, wie seine Lebensgeschichte im Lauf der Zeit neu bewertet wurde – von gesellschaftlicher Stigmatisierung bis hin zu einer zentralen Rolle in der europäischen Queer-Kultur. Aktuell plant Netflix sogar eine Serie über den weltberühmten Autor und sein Leben. 

Ikone der Schwulenbewegung

„Dass er heute eine Ikone des Gay-Movements ist, ist fantastisch“, sagt Holland im Londoner Stadtteil Chelsea, als er das Haus in der Tite Street betritt, in dem Wilde „Das Bildnis des Dorian Gray“ schrieb. Holland hatte zuletzt 1954 als Kind das Haus besucht, als die Gedenktafel zu Ehren seines Großvaters enthüllt wurde – damals betrat jedoch niemand sonst aus der Familie das Haus. Erst mehr als siebzig Jahre später überschritt er nun die Schwelle des Zimmers, in dem Wilde sein bekanntestes Werk verfasste. Möglich wurde dies durch die heutige Bewohnerin Jen Elliott-Bennett.

Wilde war 1895 wegen „grober Unzucht“ im Zusammenhang mit seiner Beziehung zu Lord Alfred Douglas („Bosie“) zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Nach der Freilassung 1897 lebte er im Exil und starb 1900 in Paris. Der Prozess prägte nicht nur das Leben Wildes, sondern auch das seiner Familie nachhaltig. Holland erläutert, dass die Folgen des Skandals lange nachwirkten: 1954 musste Sir John Gielgud die Enthüllung der Gedenktafel absagen, nachdem er wegen homosexueller Handlungen in der Öffentlichkeit verhaftet worden war. Holland: „Gielgud hätte es schaffen können, wenn nicht ein Journalist des Evening Standard die Geschichte veröffentlicht hätte.“

Leben unter Pseudonym

Holland betont außerdem weiter, dass „After Oscar“ den Fokus auf die Zeit nach Wildes Tod legt: „Es geht nicht wirklich um Oscar und sein Leben; es geht darum, was danach geschah.“ Entscheidende Quellen für seine Recherchen waren die Tagebücher seines Vaters, geführt von 1941 bis zu dessen Tod. Auch der Namenswechsel der Familie nach Wildes Verurteilung ist Thema: „Ich trage den Namen Wilde nicht“, erklärt Holland. Sein Vater nahm den Nachnamen Holland an, um die Kinder zu schützen. „Für meinen Vater war es wie ein Leben unter Pseudonym – ein Schutz.“

Holland weist überdies darauf hin, dass Wilde nicht immer ein gefeiertes Vorbild war. In den 1980er-Jahren gab es sogar innerhalb der Gay-Community Stimmen, die meinten, Wilde habe der Bewegung durch sein Verhalten geschadet. Heute sei er jedoch „eine Ikone der Schwulenbewegung“, und Holland ist überzeugt: „Er wäre stolz und glücklich und würde verstehen, dass sein Opfer nicht vergeblich war.“ Das Buch beleuchtet damit sowohl die private als auch die öffentliche Dimension von Wildes Vermächtnis – vom Skandal zur Ikone, vom Stigma zum Symbol für Anerkennung und Identifikation innerhalb der schwulen Community.

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