Direkt zum Inhalt
Studie: Trans*, inter und nichtbinäre dreifach diskriminiert

LGBTIQ+-Nachteile nehmen zu Studie: Trans*, Inter und Nichtbinäre dreifach diskriminiert

mr - 10.03.2026 - 21:30 Uhr
Loading audio player...

In Deutschland erleben gemäß einer aktuellen Untersuchung deutlich mehr trans*, inter und nichtbinäre Menschen Diskriminierung als andere Gruppen. Dies geht aus der repräsentativen Studie „Wie Deutschland Diskriminierung erlebt“ hervor, die von der Unabhängigen Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, vorgestellt wurde. Mehr als jede dritte befragte Person, die sich einer dieser geschlechtlichen Minderheiten zurechnet, berichtete innerhalb eines Jahres von Diskriminierungserfahrungen – ein Wert, der etwa dreimal so hoch ist wie unter Heterosexuellen.

 

Deutlich erhöhte Betroffenheit unter geschlechtlichen Minderheiten

Laut den Erhebungen des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) gaben 31,8 Prozent der trans*, inter und nichtbinären Menschen an, in den vergangenen zwölf Monaten diskriminiert worden zu sein. Im Vergleich dazu lag die Quote bei lesbischen, schwulen oder bisexuellen Personen bei 16 Prozent, bei Heterosexuellen nur bei 9,4 Prozent. Die Betroffenen begegnen Ausgrenzung besonders häufig beim Einkaufen, im Berufsleben sowie im öffentlichen Raum. Ein ähnlich hoher Anteil wurde Diskriminierung in Gütern und Dienstleistungen, aber auch auf der Straße und im Verkehr gemeldet.

 

Ethnische Herkunft bleibt größtes Diskriminierungsmerkmal

Mit rund 42 Prozent ist die eigene ethnische Herkunft das häufigste Diskriminierungsmerkmal, gefolgt vom äußeren Erscheinungsbild mit knapp 26 Prozent. Fast jede vierte betroffene Person nannte das eigene Geschlecht oder die Geschlechtsidentität als Grund. Insbesondere muslimische Frauen, die Kopftuch tragen, sind in erhöhtem Maß betroffen. Die Untersuchung berücksichtigt den Zeitraum zwischen Mai 2021 und Januar 2023, der weiter von gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie geprägt war.

 

Umgang mit Diskriminierung: Selten rechtliche Schritte

Über die Hälfte der von Diskriminierung betroffenen Menschen unternimmt laut Studie nichts gegen die Ungleichbehandlung. Nur knapp 8 Prozent reichten eine offizielle Beschwerde ein, rechtliche Schritte ergriff nur eine sehr kleine Minderheit. Zudem zeigt sich, dass gerade junge Menschen besonders selten juristische Mittel in Anspruch nehmen. Offizielle Beratungsstellen und Hilfsangebote bleiben damit für viele Betroffene bisher untergenutzt, obwohl das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ausdrücklich Schutz vor Diskriminierung bietet.

 

Herausforderung für Gesellschaft und Politik

Die Ergebnisse unterstreichen die besondere Vulnerabilität von geschlechtlichen Minderheiten in der deutschen Gesellschaft. Mindestens neun Millionen Menschen fühlen sich in Deutschland als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse, was laut Ataman die Stabilität der Gesellschaft gefährdet. Die Politik ist gefordert, Beratungsstrukturen auszubauen und Aufklärung weiter zu stärken. Insbesondere die gezielte Förderung von Antidiskriminierungsmaßnahmen könnte künftig einen messbaren Beitrag zur Verringerung geschlechtsspezifischer Benachteiligung leisten. Wie entschlossen werden Institutionen und Unternehmen diesem Handlungsauftrag nachkommen?

Anzeige

Auch Interessant

Die Geschichte des Phallus

Keine Scham vor Weltgeschichte

Der Phallus - wenn wir wollen, erkennen wir ihn überall, in Wolken, Statuen oder im Alltag. Doch was hat es damit wirklich auf sich?
LGBTIQ+ in Traunstein

Queeres Leben in Oberbayern

Seit den 1990er Jahren gibt es im bayerischen Traunstein Communitytreffen, seit 2024 auch den Verein Queer Traunstein mit einem vielfältigen Programm.
Lukas Sauer packt aus

Kriminalkomödie in Hamburg

In der Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg können wir die spannende Kriminalkomödie „Ein gemeiner Trick" erleben. In der Hauptrolle Lukas Sauer.
LGBTIQ+ und Autismus

April als Monat der Akzeptanz

Der April ist der Monat der Akzeptanz für Autismus. Die neurologische Besonderheit ist dabei in der queeren Community überdurchschnittlich vertreten.
SlutClub in Hamburg

22 Jahre alt und zwei neue Chefs

Der Cruising- und Fetisch Treffpunkt in Hamburg, der SlutClub, hat zwei neue Chefs. SCHWULISSIMO traf Ralf und Dirk zum Gespräch.
Schwule in Berlin und Bayern

Miteinander jenseits der Klischees

Sind Schwule in Berlin und Bayern so gänzlich anders? Zwei verschiedene Welten? Oder gibt es vielleicht doch Gemeinsamkeiten?
Generationen im Gespräch

Welt für Queere hat sich verändert

Wer heute 20 ist und sich als queer outet, wächst in einer anderen Welt auf als jemand, der sich in den 1990er Jahren als schwul geoutet hat.
Wahl in Rheinland-Pfalz

Ein neuer Landtag im Südwesten

In Rheinland-Pfalz steht die Landtagswahl an - viel hat sich getan, einiges muss noch geschehen für LGBTIQ+-Menschen zwischen Rhein und Mosel.