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Neuer Typ von Traummann

Neuer Typ von Traummann Ein neuer Trend reift um sich: Mehr MUG-Männer braucht das Land

ms - 26.06.2026 - 15:30 Uhr
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Es mag im ersten Moment etwas seltsam klingen angesichts von Jugendwahn und Schönheitskult in der schwulen Community, aber: Ist alles, was uns fehlt zum perfekten Glück, ein hässlicher Mann? Oder zumindest ein „mittelhässlicher“ Mann? Das Phänomen der „Medium Ugly Guys“, kurz MUG, breitet sich gerade über die USA und TikTok auch in der jungen Generation Z in Europa aus. Der Trend geht hin zum MUG – aber warum? 

Perfekte Lösung für Beziehungsfreunde?

Glaubt man den Fans der Bewegung online, sowohl heterosexuellen wie homosexuellen Menschen, sei der MUG nichts weniger als „die perfekte Lösung“ für das oftmals „frustrierende Dating-Dilemma“. Gerade Schwule in Großstädten kennen das Phänomen sehr gut – ein Herr für ein sexuelles Abenteuer findet sich allzeit meist sehr schnell dank der digitalen Dating-Welt, doch ein Kerl, der auch das Herz berührt? Mangelware! In Berlin gibt es bis heute ja sogar die Sitte, erst einmal ein bis zwei Wochen unregelmäßig Sex miteinander zu haben, bevor man vielleicht einmal sehr vorsichtig und ganz unverbindlich nach dem Vornamen fragt – in der Hoffnung, dass dies nicht bereits als zu intimen Eingriff wahrgenommen wird. 

Heterosexuellen Frauen und schwulen Männern ist dabei zu eigen, dass sie offenbar immer öfter keine Lust mehr auf Herzschmerzgeschichten haben. Die Idee dahinter ist offensichtlich: Während sich der gutaussehende Adonis unaufhaltsam von Sexualakt zu Sexualakt schwingt, seien die hässlichen Jungs Boyfriend-Material, aus purer Dankbarkeit heraus, überhaupt einen Partner abzubekommen. Das klingt nicht nur richtig fies, das ist es auch. Und offenbart einen Denkfehler: Auch hässliche Männer können untreu sein oder sich neu verlieben. Im Gegenzug soll die MUG-Bewegung Herren im mittleren Preiswarenliebesgott-Segment auch freundlich unterbewusst darlegen, dass sie sich vielleicht eher einmal in der „eigenen Liga“ umschauen sollten, als stets nach den Sternen zu greifen, die eben zumeist nur Sternschnuppen sind: Egomanisch hell, beeindruckend strahlend, schnell verglüht. 

Hässlich sucht Hässlich?

Wird es also bald bei unseren Dating-Portalen unseres Vertrauens ganz neue Rubriken geben? Hässlich sucht Hässlich? Schiefe Nase, Mundgeruch und kreisrunder Haarausfall – genau mein Typ? Werden wir neue Tapsen verteilen können wie „Hässlich as hell“? Das Problem mit den wahren Schönheiten unter uns sei überdies, so die Befürworter, dass jene Herren oft auch ein deutlich überdimensioniertes Ego haben. Das wäre mitunter sogar verständlich, wenn auch ziemlich unsexy, doch noch schlimmer komme es eben, wenn auch mittelmäßige Jungs bereits ein Selbstwertgefühl wie Donald Trump haben. 

Für Kritiker des MUG-Trends ist das bewusste Dating von hässlichen Männern indes ein tiefer Ausdruck von Verzweiflung. Da mag durchaus etwas dran sein, gönnt man sich beispielsweise hin und wieder einen Blick in die VOX-Vorabendserie „First Dates“. Bei so manchen Paaren fragt man sich als schwuler Mann dann doch staunend, warum die Menschheit nicht bereits längst ausgestorben ist. Oder anders gesagt: Wie verzweifelt können Frauen sein? Und Männer erst? Vielleicht würde uns ein Perspektivwechsel helfen? Seit Jahren bestätigen Umfragen in der Community immer wieder, dass junge schwule Männer sich nichts sehnlicher wünschen als eine Beziehung, rund 90 Prozent sprechen sich dafür aus. Warum? Natürlich ist es schön, den richtigen Partner an seiner Seite zu haben, mit dem sich wunderbar lachen und Spaß haben lässt – am besten viele Jahre lang. Ein Mann, der Freund, Lebensbegleiter und sexy Lover zugleich ist. Allerdings: Das Gesamtpaket gibt es nie – und du bist auch keins, selbst wenn du das von dir denkst. Kompromisse haben einen faden Beigeschmack, als würde man ein Arrangement eingehen, das notdürftig als einzige Lösung zusammengezimmert wurde. 

Perfekter Deckel? Perfekter Topf? Quatsch!

Wahr ist hingegen: Jeder Partner ist individuell, es gibt nie den perfekten Deckel auf dem perfekten Topf – außer natürlich, man akzeptiert menschliche Eigenheiten und Eigenschaften und sieht, was wirklich wichtig für einen selbst in einer langfristigen Beziehung ist. Ein gemeinsamer Humor kann so ein zentraler Punkt sein – aber auch Hobbys oder gemeinsame Interessen. Doch bevor es überhaupt soweit ist: Wäre es nicht zuerst einmal wichtig, sich selbst wertzuschätzen? Wie gering muss der eigene Selbstwert sein, wie verzweifelt die Lage, um sich bereits als junger Mensch auf den hässlichen Kerl von nebenan einzulassen? 

Noch einmal zur Spezifizierung: Bei dem MUG-Trend geht es nicht nur um Äußerlichkeiten, nein, es ist auch durchaus gewollt, Männer zu bevorzugen, die „innerlich hässlich“ sind, sprich langweilig, humorlos oder engstirnig. Wer sich in seiner Verzweiflung freiwillig so ein Exemplar auf den nackten Körper legt, sollte vielleicht zuvor einmal auf innere Selbstsuche gehen. Warum muss es unbedingt überhaupt eine Beziehung sein? Natürlich, wenn der richtige Mann zur richtigen Zeit kommt, wunderbar! Liebe, Lust, Lebensfreude. Aber vielleicht würde es helfen, uns klarzumachen, dass wir grundsätzlich auch ohne den Ring am Finger und ohne einen Kerl abends beim Netflix-Bingen glücklich leben können. Wer sich in einem gesunden Maß selbst liebt, wirkt weder größenwahnsinnig noch verzweifelt – und das ist erst richtig sexy. By the way: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und auch „hässliche“ Jungs haben Sex und Liebe verdient.

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