Direkt zum Inhalt

Gericht verurteilt Mann Russland stuft Queen-Bild als LGBTIQ+-Propaganda ein

Von mr - 03.02.2026 - 17:30 Uhr
Russland stuft Queen-Bild als LGBTIQ+-Propaganda ein
Foto: © IMAGO / Avalon.red
ANZEIGE
Loading audio player...

Ein russischer Mann wurde wegen der Verbreitung so genannter „LGBT-Propaganda“ zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er ein ikonisches Bild der Band Queen aus dem Musikvideo „I Want To Break Free“ auf dem Sozialen Netzwerk VK veröffentlicht hatte. Das Gericht sah darin einen Verstoß gegen die seit 2022 in Russland verschärften Gesetze, die die öffentliche Darstellung nicht-heteronormativer Lebensweisen untersagen.

 

Gericht wertet Musikvideo-Bild als Propaganda

Im Verfahren gegen den 22-jährigen David Gevondyan argumentierte die Verteidigung, dass das Bild – Musiker in Frauenkleidern – einen direkten Bezug zur Popkultur habe und keinerlei politische Aussage enthalte. Das Moskauer Gericht folgte dieser Einschätzung nicht. Vielmehr hieß es im Urteil, die Kostümierung der Bandmitglieder diene der „Befürwortung nicht-traditioneller Beziehungen“. Weitere auf Gevondyans Social-Media-Profil geteilte Bilder, etwa von Männern beim Küssen oder in Miniröcken, wurden ebenfalls gegen ihn verwendet.

Die Behörden sehen in derartigen Inhalten laut offizieller Argumentation eine Gefahr für Jugendliche, da diese laut russischer Justiz besonders schutzbedürftig seien. Die Weiterverbreitung solcher Fotos würde demnach nicht nur das individuelle Wertesystem gefährden, sondern angeblich auch der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung Russlands schaden – ein Narrativ, das von offiziellen Stellen wiederholt verbreitet wurde.

 

Auslegung der Gesetze

Juristinnen und Juristen sowie Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Urteil als ein weiteres Beispiel staatlicher Willkür. „Solche Entscheidungen kriminalisieren alltägliche Kulturreferenzen und führen zu erheblicher Rechtsunsicherheit“, betonen unabhängige Beobachterinnen und Beobachter. Der Fall reiht sich ein in eine seit Monaten ansteigende Zahl ähnlicher Verfahren, bei denen teils auch multinationale Unternehmen wie Apple betroffen waren.

 

Gesetzliche Verschärfungen

Seit der schrittweisen Verschärfung der Gesetze zur „LGBT-Propaganda“ 2022 und 2023 beobachten Menschenrechtsgruppen eine Zunahme von Polizeiaktionen und Strafverfahren gegen queere Menschen, Aktivistinnen und Aktivisten sowie vermeintliche Unterstützende. Ziel der Gesetze ist die Ausgrenzung und Unsichtbarmachung von trans* Personen, lesbischen Frauen, schwulen Männern und bisexuellen Menschen aus dem öffentlichen Raum.

Anzeige

Auch Interessant

Gleichheit im Alltag

Hintergrund zum Fall in Gqeberha

Ein Ladenbesitzer sollte LGBTIQ+-Menschen fernhalten. Ein Urteil vom Oktober zeigt, welche Folgen der Ausschluss in Südafrika haben kann.
Nach dem Wahlsieg in den USA

Ein Interview mit konkreter Ansage

Der gewählte US-Senator Chris Pappas kündigt eine klare Prüfung von Richterkandidaten an. Dabei geht es auch um den Schutz seiner eigenen Ehe.
141 Millionen Dollar Umsatz

Prognosen bleiben Erwartungen

Grindr meldet für das dritte Quartal 2026 ein Umsatzplus von 22 Prozent. Was daraus für die App folgt – und was die Zahlen offenlassen.
Pride im November

Ansbach setzt auf Sichtbarkeit

In Ansbach trifft der Winter-CSD auf rechten Gegenprotest. Erste Lokalberichte zeigen Unterstützung und starke Polizeipräsenz.
Aigner vor Kandidatur

Wandel und offene Fragen

Ilse Aigner soll für Schloss Bellevue kandidieren. Ihre Bilanz zu queeren Rechten verbindet frühere Ablehnung mit späteren Zeichen der Solidarität.
Die besten schwulen Filme

Ranking der Top-100 weltweit

Die schwule Filmplattform GFM wählte die besten 100 schwulen Filme. Wer schaffte es in die Top-10? Und sind auch deutsche Filme mit dabei?
Strafen für K.-o.-Tropfen

Fünf Jahre Haft für schwere Taten

Wer K.-o.-Tropfen für Vergewaltigungen oder Raub einsetzt, soll künftig härter bestraft werden. Auch in der Community gibt es immer wieder Opfer.
Geheimsprache schwuler Männer

Als Wörter vor Verfolgung schützten

Mit Polari verständigten sich schwule Männer in Großbritannien und Europa jahrzehntelang unauffällig. Heute wird die Geheimsprache wiederentdeckt.
Schwuler Boxer macht Mut

Mit Regenbogenflagge zum Sieg

Der offen schwule Boxer Oscar Bonifacino gewinnt in Uruguay seinen fünften Profikampf und ermutigt einen anderen Sportler zum Coming-Out.