Direkt zum Inhalt
Neue Wege in Englands Kirche

Neue Wege in Englands Kirche Sarah Mullally ist die neue Erzbischöfin von Canterbury

ms - 29.01.2026 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Die Church of England hat erstmals in ihrer Geschichte eine Frau in ihr höchstes geistliches Amt berufen. Sarah Mullally ist bei einer feierlichen Zeremonie in der Londoner St.-Paul’s-Kathedrale offiziell als neue Erzbischöfin von Canterbury bestätigt worden. Die Zustimmung zu ihrer Ernennung hatte zuvor König Charles III. als formales Oberhaupt der anglikanischen Kirche erteilt.

Zeitenwende in England 

Mullally ist damit die 106. Inhaberin des Bischofsamts von Canterbury und zugleich die ranghöchste geistliche Vertreterin der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft, der rund 85 Millionen Menschen in über 165 Ländern angehören. Sie folgt auf Justin Welby, der vor knapp einem Jahr seinen Rücktritt angekündigt hatte. Hintergrund war seine Rolle bei der verzögerten Aufarbeitung eines Missbrauchsskandals. Das Amt blieb nach seinem Ausscheiden über mehrere Monate hinweg vakant.

In ihrer Ansprache während der Zeremonie erklärte Mullally, sie wolle eine Kirche leiten, „die denjenigen immer Gehör schenkt, die ignoriert oder übersehen wurden, darunter Opfer und Überlebende von Missbrauch in der Kirche, die oft im Stich gelassen wurden“. Zugleich verwies sie auf den Anspruch der Kirche, sich „den Herausforderungen von Gottes Ruf nach Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Frieden und der Bewahrung der Schöpfung“ zu stellen.

Unterstützerin von Homosexuellen 

Die 63-Jährige gilt als progressiv, insbesondere bei Fragen der kirchlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Sie hat sich dafür ausgesprochen, dass in der Church of England künftig Gebete und Segensformen für homosexuelle Paare möglich werden. Sie gehörte 2023 auch zum Kreis jener Bischöfe, die für die Einführung von Segensgebeten für gleichgeschlechtlich verheiratete oder partnerschaftlich verbundene Paare gestimmt haben. 

Kritisch steht sie hingegen dem geplanten Gesetz zur aktiven Sterbehilfe der Labour-Regierung gegenüber, das derzeit im Parlament beraten wird. Vor ihrer kirchlichen Laufbahn arbeitete Mullally als Krankenschwester in der Betreuung von Krebspatienten. Seit 2018 war sie Bischöfin von London.

Spaltung in der Glaubensgemeinschaft

In einem Interview mit der BBC sagte Mullally, sie habe sowohl in ihrem früheren Beruf als auch innerhalb der Kirche Frauenhass erlebt. „Mir ist bewusst, dass es in meiner Rolle wichtig ist, darüber zu sprechen, weil es manche gibt, die nicht unbedingt den Status oder die Macht dieses Postens haben und da zögerlicher sind“, erklärte sie. Es sei ihr Anliegen, ein Umfeld zu schaffen, „in dem jeder aufblühen könne und das für alle sicher sei“, sagte die neue Erzbischöfin. 

Vor allem in Afrika reagierten bereits im letzten Jahr anglikanische Kirchen mit Abneigung auf die Berufung von Mullally, die Kirche von Nigeria spaltete sich bereits direkt von der Mutterkirche ab, weil sie sowohl die positive Einstellung gegenüber Homosexuellen wie auch eine Frau im höchsten Amt der Kirche nicht akzeptieren wollen. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Einsamkeit unter Jugendlichen

Allianz gegen Isolation startet

Mit einer Aktionswoche und einer neuen Allianz will die Regierung sozialer Isolation begegnen – insbesondere auch bei LGBTIQ+-Jugendlichen.
Amtseinführung im Dom

Hoffnungsträger für LGBTIQ+?

Heiner Wilmer ist offiziell neuer Bischof von Münster appellierte gegen Ausgrenzung und gesellschaftliches Wegsehen. Hoffnung auch für LGBTIQ+?
Highlight in San Francisco

Pride-Lichter über der Stadt

Mit einer spektakulären Lichtinstallation will San Francisco während Pride, Fußball-WM und Unabhängigkeitsfeiern Besucher aus aller Welt begeistern.
Mehr Schutz für Flüchtlinge

Bündnis fordert Kurswechsel

275 Organisationen warnen vor einer restriktiven Migrationspolitik – insbesondere auch mit Blick auf LGBTIQ+-Flüchtlinge.
Rekord beim CSD Ulm

Längste Pride-Flagge Deutschlands

Mit der längsten Regenbogenfahne Deutschlands (122 Meter) hat der CSD Ulm und Neu-Ulm ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und Zusammenhalt gesetzt.
Rekorde beim Rom Pride

Mega-Hitze, Mega-Publikum

Trotz extremer Temperaturen´und eines Zwischenfalls mit Reizstoff-Ampullen hat Pride in Rom am Wochenende Hunderttausende Menschen mobilisiert.
James Burrows ist tot

Kult-Regisseur von "Will & Grace"

James Burrows prägte mit Serien wie „Cheers“, „Friends“ und „Will & Grace“ über Jahrzehnte das Fernsehen und ist nun im Alter von 85 Jahren gestorben.
Neue Statistik von Pornhub

Vorlieben schwuler Jungs online

Eine Auswertung zum Pride Monat 2026 zeigt, welche Kategorien und Suchbegriffe bei schwulen Pornoinhalten weltweit besonders gefragt waren.