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Homo-Heilungen in Europa Ausmaß der unseriösen Praktiken vor PACE-Abstimmung

Von ms - 27.01.2026 - 13:00 Uhr
Homo-Heilungen in Europa
Foto: IMAGO / SOPA Images
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Am Donnerstag dieser Woche wird die Parlamentarische Versammlung des Europarats (PACE) erstmals über eine Resolution abstimmen, die ein Verbot von Konversionspraktiken vorsieht. Votieren die Abgeordneten mehrheitlich dafür, würde es den Druck auf die Europäische Union massiv erhöhen, ein verbindliches Gesetz zum Schutz von LGBTIQ+-Menschen vor gefährlichen Umpolungspraktiken umzusetzen. 

Druck auf EU 

Der Europarat ist eine eigenständige internationale Organisation mit 46 Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, zuständig vor allem für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Zudem ist der Europarat Träger des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Eine Resolution würde die Konversionspraktiken als menschenrechtswidrig einstufen und die Mitgliedsstaaten auffordern, Konversionstherapien gesetzlich zu verbieten – rechtlich bindend ist die Resolution nicht, beinhaltet aber eine deutliche politische Aufforderung an Regierungen, zu handeln, und stärkt die Argumentationsgrundlage für Gerichte, NGOs und Parlamente. Eine Petition von 2025 mit über einer Million Unterschriften für ein Verbot verpflichtet die EU-Kommission überdies zum Handeln. Christliche und konservative Verbände wie Sex Matters versuchen daher seit Wochen, einen positiven Entschluss gegen Konversionstherapien zu verhindern. 

Umfassender Bericht zur Lage 

Im Gegenzug hat nun die ILGA Europa ihren ersten Bericht der neuen Reihe „Intersections“ vorgelegt, in dem untersucht wurde, in welchem Ausmaß LGBTIQ+-Personen in Europa noch immer Konversionspraktiken ausgesetzt sind. Das bedrückende Ergebnis: Die menschenverachtenden, unseriösen, umgangssprachlichen Homo-Heilungen, die von den Vereinten Nationen bereits eindeutig als Folter definiert wurden, sind in Europa noch weit verbreitet – Deutschland liegt dabei nach wie vor über dem europäischen Durchschnitt. 

Deutschland über EU-Durchschnitt 

Grundlage sind Daten aus der FRA-Erhebung LGBTIQ III, erstmals nahm die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) dabei in ihrer Studie Fragen zu Konversionspraktiken auf. An der Umfrage beteiligten sich mehr als 100.000 LGBTIQ+-Personen aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie aus Albanien, Nordmazedonien und Serbien. Damit liefert die Erhebung bislang einzigartige Einblicke in Verbreitung und Ausprägungen dieser schädlichen Praktiken in Europa. Mit Stand von 2023 hat im  europäischen Durchschnitt jeder vierte homosexuelle und queere Mensch (24%) bereits Konversionstherapien erlebt.

Am niedrigsten sind die Werte in Frankreich, Italien und den Niederlanden mit jeweils 18 Prozent, gefolgt von Belgien (20%) und Spanien (21). Die meisten Erfahrungen mit den gefährlichen und schädlichen „Therapien“ haben LGBTIQ+-Menschen in Griechenland gemacht, hier liegt die Quote bei bitteren 38 Prozent. Danach folgen im Negativ-Ranking jeweils mit 37 Prozent die Slowakei, Estland, Tschechien und Zypern. Deutschland liegt mit 28 Prozent über dem europäischen Durchschnitt ähnlich wie Nachbarland Österreich mit 30 Prozent. 

Erzwungene Folter und sexualisierte Gewalt 

Die Art und Weise, wie Betroffene von ihrer Homosexualität oder Geschlechtsidentität „geheilt“ werden sollten, sind dabei mannigfaltig und reichen von Gebeten, religiösen Ritualen über psychologische Behandlungen, die Einnahme von Medikamenten sowie körperliche Gewalt bis hin zu sexualisierter Gewalt wie „korrigierende Vergewaltigungen“ sowie verbale Übergriffe und Demütigungen. Auch Foltermethoden wie Eisbaden oder extreme Hitze kamen zum Einsatz. Die Befragung zeigte dabei auch auf, dass rund 90 Prozent der Betroffenen Schäden davon getragen haben und bis heute Angst vor erneuten Angriffen erleben. 

Auffällig ist überdies, dass Personen, die sich bereits als Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren erstmals jemandem bezüglich ihrer Sexualität anvertrauten, unter allen dargestellten Arten von Konversionspraktiken überrepräsentiert sind. Insgesamt stimmten gerade einmal elf Prozent aller Opfer freiwillig den Praktiken zu, der Rest der Betroffenen wurde dazu gezwungen oder genötigt, beispielsweise von der eigenen Familie. 

Forderungen der ILGA

Die ILGA Europe fordert daher ausführlichere Studien zu dem Thema auf EU- und Länderebene und neue Programme zur Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit sowie von psychiatrischen als auch religiösen Einrichtungen. „Die Staaten sollten sicherstellen, dass Unterstützungsangebote für Betroffene von Konversionspraktiken vorbereitet und angemessen ausgestattet sind und dass Betroffene Zugang zu diesen Angeboten haben“, so die ILGA Europe weiter. Das erklärte finale Ziel ist dabei die Entscheidung der EU-Kommission zur Beendigung von Konversionspraktiken in ganz Europa.  

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