James C. Hormel Ein Leben zwischen Privileg und Verantwortung
Ein Pionier für die Community, der in die Vergessenheit geraten ist: James Catherwood Hormel wurde am 1. Januar 1933 in Austin, Minnesota geboren. Er entstammte der Familie, die das inzwischen weltbekannte Lebensmittelunternehmen Hormel Foods gründete — eine Herkunft, die ihm wirtschaftliche Sicherheit und gesellschaftlichen Einfluss ermöglichte.
Vom Juristen zum Aktivisten
Hormel studierte Geschichte am Swarthmore College (Abschluss 1955) und erwarb 1958 seinen Abschluss der Rechtswissenschaften an der University of Chicago Law School. Später kehrte er dorthin zurück und fungierte als Studentendekan und wurde zu einer prägenden Figur in der Juristenausbildung und dem öffentlichen Dienst seiner Generation. In den 1970er Jahren zog Hormel nach San Francisco, wo er sich zunehmend gesellschaftlich engagierte. Ab 1981 gehörte er zu den Mitbegründern der Human Rights Campaign (HRC), einer der größten und einflussreichsten Bürgerrechtsorganisationen für LGBTIQ+‑Menschen in den USA. Sein Einsatz ging weit über Geldspenden hinaus — er setzte sich für Sichtbarkeit, Rechte und gesellschaftliche Anerkennung ein.
Bereits 1995 startete er mit einer großzügigen Spende den Aufbau des damaligen „Gay & Lesbian Center“ der Öffentlichen Bibliothek von San Francisco, heute bekannt als das James C. Hormel LGBTQIA Center. Diese Sammlung zählt zu den umfangreichsten Bibliotheken weltweit mit Literatur und Dokumenten zur queeren Geschichte und Kultur – ein wichtiger Raum für Bildung, Erinnerung und Gemeinschaft. Neben LGBTIQ+‑Rechten unterstützte Hormel auch zahlreiche Initiativen gegen HIV/AIDS, was in den 1980er und 1990er Jahren von existenzieller Bedeutung für viele war.
Erster offen schwuler US‑Botschafter
1997 benannte der damalige US‑Präsident Bill Clinton Hormel als Kandidaten für den Botschafterposten in Luxemburg. Die öffentlich bekannt gegebene sexuelle Orientierung führte zu erbitterten Debatten und Widerstand, vor allem von konservativen US‑Senatoren. Nach einer zähen Blockade und politischen Manövern wurde Hormel im Juni 1999 als sogenannter „Recess Appointment“ vereidigt, eine Ernennung durch den Präsidenten ohne die übliche Zustimmung des Senats — als erster offen schwuler US‑Botschafter überhaupt. Er vertrat die Vereinigten Staaten bis Dezember 2000 in Luxemburg. Trotz der teilweise homophoben Gegenreaktionen führte er sein Amt respektvoll und engagiert aus — sein Dienst gilt bis heute als symbolträchtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Repräsentation.
In späteren Jahren zeigte sich Hormel reflektiert über seine Karriere: Er räumte ein, dass er sich lange Zeit nicht öffentlich geoutet hatte — eine Entscheidung, die er später als Fehler bezeichnete. Er war überzeugt davon, dass mehr Offenheit anderen homosexuellen Menschen geholfen hätte.
Engagement für Bildung und Gerechtigkeit
Neben politischem Aktivismus förderte Hormel Bildung und gesellschaftliches Engagement. An der University of Chicago initiierte er Programme, die Absolventen zu sozialem und gemeinnützigem Engagement ermutigten — unter anderem durch ein Stipendium, das junge Juristen und Juristinnen motivieren sollte, in den öffentlichen Dienst zu gehen. Mehr noch: Hormels Förderungen und Spenden machten ihn zu einem strategisch wichtigen Unterstützer zahlreicher Organisationen. Sein finanzielles und persönliches Engagement half unter anderem dabei, Stipendien, Rechtsbeistand und kulturelle Institutionen zu schaffen, die den LGBTIQ+‑Rechten und sozialen Minderheiten langfristig zugutekamen.
Vermächtnis und Tod
James C. Hormel starb am 13. August 2021 im Alter von 88 Jahren in San Francisco. Viele Organisationen, darunter die Human Rights Campaign, würdigten ihn posthum als „Giganten der LGBTIQ+-Bewegung für Gleichberechtigung“. Er hinterließ ein Vermächtnis aus Pionierarbeit, öffentlicher Dienstbereitschaft, Philanthropie und Engagement — als Botschafter, Förderer und Vorbild. Sein Name lebt weiter, unter anderem im LGBTIQ+‑Zentrum der San Francisco Public Library und in zahlreichen Institutionen und Initiativen, die durch ihn entstandenen sind.