Stereotype Frage in Interview Adriano thematisiert Homosexualität im Profifußball
Beim All-Star-Spiel im brasilianischen Maceió hat der frühere Fußballstar Adriano ein Thema angesprochen, das im Profi-Fußball oft tabuisiert wird: Er machte keinen Hehl daraus, dass es homosexuelle Spieler im Spitzensport gibt. Doch statt einer sachlichen Auseinandersetzung entwickelte sich die Diskussion nach einem Interview auf problematische Weise. Die Frage eines Reporters, ob sich schwule Spieler beim Duschen im Umkleideraum gegenseitig beobachten, sorgte für Kritik und wirft ein übles Licht auf stereotype Vorstellungen, die auch heute noch im Männerfußball vorherrschen.
Unsichtbarkeit trotz Offenheit
Die Aussagen Adrianos bestätigen Erkenntnisse internationaler Studien: In der Fußballwelt ist Homosexualität kaum sichtbar, auch wenn Statistiken nahelegen, dass es rein rechnerisch deutlich mehr homosexuelle Spieler gibt, als öffentlich bekannt. Namen wie Thomas Hitzlsperger, der sich erst nach seiner Karriere outete, oder aktuell Josh Cavallo und Jakub Jankto, gehören zu den wenigen Ausnahmen, die ihr Coming-out gewagt haben. Sie werden allerdings als Randfiguren behandelt, statt repräsentative Rollen einzunehmen. Experten schätzen, dass von den weltweit mehr als 120.000 Profifußballern nur ein Bruchteil offen mit ihrer sexuellen Orientierung umgeht. Das System dahinter ist vielschichtig: Neben Müdigkeit vor öffentlicher Stigmatisierung und Sorge um Karriere oder Sponsorenverträge spielt auch Angst vor Anfeindungen aus den eigenen Reihen eine zentrale Rolle.
Homophobie als Alltagserfahrung
Auch in sozialen Netzwerken steigen die Zahlen entsprechender Beleidigungen, wie Monitoring-Stellen europäischer Fußballverbände dokumentieren. Viele Vereine engagieren sich offiziell für Diversität, doch abseits bunter Statements zum Pride-Monat dominiert vielfach das Schweigen. In Fankreisen gilt das Totschweigen vielfach weiterhin als Normalität.
„Die Herausforderung ist nicht die Existenz schwuler Fußballer, sondern ein System, das sie zum Schweigen zwingt“, so der deutsche Ex-Profi Marcus Urban, einer der ersten öffentlich schwulen Spieler Europas.
Ausblick: Der lange Weg zur Selbstverständlichkeit
Solange journalistische Neugier sich auf klischeehafte Fragen konzentriert, wird Coming-out für Fußballerinnen und Fußballer ein mutiger Schritt bleiben und keine Selbstverständlichkeit. Der Wandel kann nur gelingen, wenn die Szene homofeindliche Stereotype konsequent zurückdrängt und Offenheit wie im Frauenfußball oder in einigen anderen Sportarten zum Alltag wird. Bleibt die Frage: Wann wird das Outing nicht mehr als Sensation, sondern als normaler Teil einer Biografie wahrgenommen?