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Queere Senioren im Fokus LGBTIQ+-Rentner: Gemeinsam statt isoliert

Von ms - 01.12.2025 - 15:00 Uhr
Queere Senioren im Fokus
Foto: iStock / monkeybusinessimages
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Für viele ältere Menschen aus der LGBTIQ+-Community gehört Einsamkeit weiterhin zum Alltag. Die Angst vor Diskriminierung oder dem erneuten Coming-Out hält viele außerdem davon ab, klassische Pflege- oder Altenwohneinrichtungen zu nutzen. In Wien entsteht nun ähnlich wie zuletzt in Spanien ein alternatives Modell: eine speziell für homosexuelle und queere Senioren konzipierte Wohngemeinschaft, die Schutz, Gemeinschaft und Unterstützung bieten soll.

Stigmatisierung in der Vergangenheit 

Die „Wohngemeinschaft Vielfalt“ liegt im sechsten Wiener Bezirk, in der Stumpergasse, und bietet Platz für sechs Bewohner. Die Idee dahinter ist einfach: Menschen im Alter über 60 Jahren, die sich als queer oder homosexuell identifizieren, sollen dort ein Zuhause finden, in dem sie akzeptiert werden und sich nicht verstecken müssen. Einer der größten Befürworter des Projekts ist der österreichische Künstler, Autor und ehemalige Fernsehmoderator Günter Tolar. Er engagiert sich seit Jahren für eine Wohnlösung, die queeren älteren Menschen ein würdiges Leben im Alter ermöglicht. Nun sieht er seine Vision verwirklicht. Tolar, Jahrgang 1939, erinnert daran, wie stark die Ausgrenzung früher war: „Ich komme aus einer Zeit, in der ich verboten war.“ Bis 1971 wurden gleichgeschlechtliche Beziehungen in Österreich strafrechtlich verfolgt – eine Erfahrung, die viele schwule und lesbische Senioren geprägt hat und die bis heute zu Angst und Rückzug führt.

Erste Interessenten melden sich 

Die neue Wohngemeinschaft befindet sich in einem neu erbauten kommunalen Wohnhaus. Neben sechs jeweils etwa zwölf Quadratmeter großen Einzelzimmern gibt es mehrere Badezimmer und Toiletten. Großzügige Gemeinschaftsbereiche sowie eine Terrasse mit rund 40 Quadratmetern sollen Begegnung erleichtern und ein Gefühl von Zuhause schaffen. Insgesamt beträgt die Wohnfläche 170 Quadratmeter.

Die monatlichen Kosten pro Bewohnerin liegen zwischen 690 und 780 Euro. Darin enthalten sind neben Miete und Betriebskosten auch eine regelmäßige Betreuung sowie die Reinigung der Gemeinschaftsräume. Die Betreuung vor Ort soll sowohl soziale Unterstützung als auch praktische Hilfe bieten – individuell abgestimmt auf die Bedürfnisse. Initiatorin des Projekts ist die Volkshilfe Wien, eine der größten sozialen Organisationen des Landes. Sie formuliert ihr Ziel so: „Wir wollen eine Stadt, in der Menschen in Würde, Sicherheit, gewaltfrei, gesund, sozial abgesichert und diskriminierungsfrei leben.“ Auch ein großes Unternehmen beteiligt sich: Ikea stellte Möbel für die Gemeinschaftsräume bereit. Erste Interessenten – zwei Frauen und ein Mann – haben sich bereits gemeldet.

Förderung sei „unanständig“

Wie so oft, wenn Angebote speziell für homosexuelle und queere Menschen geschaffen werden, gibt es auch politische Gegenstimmen. Die rechtspopulisitsche Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) bezeichnet das Modell als ungerecht. Der Wiener FPÖ-Politiker Paul Stadler kritisierte: „Das ist eine Ungleichbehandlung, die mehr als ungerecht ist! Die Stadt hat jede Förderung für dieses Projekt sofort einzustellen. Es ist jedem unbenommen, in eine WG mit Seinesgleichen zu ziehen. Dies allerdings aufgrund der sexuellen Ausrichtung so dermaßen gefördert zu bekommen, ist geradezu unanständig.“ Weiter sagte Stadler: „Viele hunderttausend Euro nur für eine Randgruppe auszugeben, ist inakzeptabel.“

Während solche Stimmen laut werden, sehen Befürworter die Wohngemeinschaft als längst überfälligen Schritt. Für viele LGBTIQ+-Senioren bedeutet dies nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch ein Ende der Unsichtbarkeit – und die Chance, im Alter so zu leben, wie man ist: in Sicherheit, mit Respekt und ohne Angst.

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