Nein zum Christentum Immer mehr Amerikaner treten aus der Kirche aus
In den letzten Jahren ist ein wachsender Trend zu beobachten: Immer mehr Amerikanerinnen und Amerikaner wenden sich vom Christentum ab. Laut einer Studie des Public Religion Research Institute (PRRI) gibt es eine zunehmende Zahl von US-Bürgern, die ihren Glauben hinterfragen und ihre Kirchen verlassen – ein zentraler Punkt ist dabei demnach die Einstellung ihrer Religion zu LGBTIQ+-Menschen.
Homosexualität als „Abscheulichkeit“
„Dies ist ein wachsender Trend, der vor allem jüngere Generationen betrifft, die zunehmend unzufrieden mit den dogmatischen und oft homophoben Lehren ihrer Kirchen sind“, betonte PRRI weiter. Ein zentraler Punkt, der zur Entfremdung vieler Menschen von ihren Religionen beiträgt, ist so offenbar die Auslegung religiöser Texte, die homophobe Implikationen tragen. Ein prominentes Beispiel ist der Vers aus dem Buch Levitikus (18:22), der Homosexualität als „Abscheulichkeit“ bezeichnet.
Dieser und ähnliche Verse werden von vielen konservativen Christen als Beweis für die Sündhaftigkeit von gleichgeschlechtlichen Beziehungen angeführt. Vielerorts ist die Folge für Betroffene bis heute eine Konversionstherapie, um Homosexuelle „zu heilen“. Auch jenseits von christlichen Kirchen ist die Einstellung noch weit verbreitet in den USA, beispielsweise auch unter Mormonen, die Homosexualität ebenfalls als „schwerwiegende Sünde“ betrachten, die eine „christliche Zucht“ erfordere.
Ein weiterer wichtiger Faktor für den wachsenden Trend des Glaubensverlustes ist demnach der Einfluss von sozialen Medien und dem Internet. Sie bieten Menschen, die ihren Glauben in Frage stellen, die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und sich über alternative Sichtweisen zu informieren. Viele junge Menschen, die aus einer religiösen Gemeinschaft ausbrechen, finden in Online-Communitys Unterstützung und neue Identitäten.
Keine Einsicht bei den Kirchen
Bemerkenswert dabei ist, dass konservative christliche Kirchen trotz dieses Trends nach wie vor an einer Anti-LGBTIQ+-Haltung festhalten – ähnlich wie der Vatikan in Rom. So unterstützte beispielsweise die Southern Baptist Church zuletzt ein Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe und forderte den Obersten Gerichtshof der USA glücklicherweise vergeblich auf, das Urteil Obergefell v. Hodges zu kippen. Nach den Studienergebnissen zeigt sich dabei, dass diese Haltung offenbar dazu führt, dass immer mehr Menschen, insbesondere jene aus der LGBTIQ+-Community, sich von diesen Kirchen abwenden.
Auf der anderen Seite gibt es jedoch immer mehr Kirchen, die ihre Einstellung ändern und queere Gläubige willkommen heißen. Ein Beispiel dafür ist die Episkopalkirche, die homosexuellen Mitgliedern sogar die Möglichkeit gibt, Bischöfe zu werden. Diese liberaleren Kirchen bieten eine Alternative für LGBTIQ+-Gläubige, die in einer religiösen Gemeinschaft bleiben möchten, ohne ihre Identität verstecken zu müssen. Einfach ist der Wechsel oder Austritt aus seiner bisherigen Kirchengruppe allerdings trotzdem für viele nicht, wie einer der Betroffenen berichtete: „Stell dir vor, du bist in einer intensiven Beziehung, und nach einer schmerzhaften Trennung musst du in einer Welt leben, in der deine Familie und alle deine Freunde deinen Ex-Partner verehren.“