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RuPaul’s Drag Race: Keine Verbindung zu Epstein-Akten

Fakten klären Gerüchte RuPaul’s Drag Race: Keine Verbindung zu Epstein-Akten

mr - 21.11.2025 - 18:30 Uhr
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In den vergangenen Tagen kursierten in Sozialen Netzwerken Gerüchte, die behaupteten, RuPaul oder sein TV-Format „RuPaul’s Drag Race“ stünden mit den so genannten Epstein-Akten in Verbindung. Anlass dafür war die Erwähnung des Show-Titels in Metadaten, die aus einer Medienbibliothek exportiert wurden. Eine detaillierte Überprüfung zeigt: Für diesen Zusammenhang gibt es keinerlei Beleg – es wurden lediglich TV-Titel im Rahmen einer Routinedaten-Auswertung aufgelistet, ohne dass daraus Rückschlüsse auf das tatsächliche Verhalten oder gar strafrechtlich relevantes Handeln gezogen werden können.

 

Medienbibliothek ohne Aussagekraft

Die kursierenden Dateiauszüge, die öffentlich im Rahmen der Untersuchungen zum Fall Jeffrey Epstein von US-Kongressausschüssen bereitgestellt wurden, umfassten unter anderem Angaben zu verschiedenen Serien, darunter „RuPaul’s Drag Race“, „Pose“ und „Shadowhunters“. Die TV-Titel stammten nachweislich aus einer exportierten Medienbibliothek, wahrscheinlich von einem iTunes-Konto, dessen Inhaberschaft ungeklärt ist. Weder RuPaul selbst noch die Produktion oder Mitwirkende der genannten Formate sind darin als Person oder Akteurinnen und Akteure aufgeführt. Das alleinige Erscheinen im Verzeichnis weist lediglich darauf hin, dass die Sendungen in einer digitalen Sammlung vorhanden waren.

Ein zentrales Risiko der fehlerhaften Gerüchtebewertung liegt darin, dass Anti-LGBTIQ+-Gruppen sowie Kritikerinnen und Kritiker von Drag-Kunst solche Informationsfragmente nutzen, um gezielt Stimmung gegen queere Medienmachende zu schüren. In den letzten Monaten wurden Dragkünstlerinnen sowie Dragkünstler – insbesondere in den USA – immer wieder unberechtigt mit Vorwürfen der „Gefährdung von Minderjährigen“ konfrontiert, oftmals unter Rückgriff auf Desinformation und bewusste Fehlinterpretationen.

 

Politische Dimension

Die so genannten Epstein-Akten umfassen tausende Seiten an Ermittlungsmaterialien, darunter Protokolle, E-Mails und sichergestellte Datenträger. Der Finanzier Jeffrey Epstein war 2019 tot in seiner Zelle aufgefunden worden, sein Tod wurde offiziell als Suizid eingestuft. Politisch brisant war die Veröffentlichung der Dokumente vor allem wegen persönlicher Verbindungen Epsteins zu prominenten US-Persönlichkeiten wie dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump und Prinz Andrew. Beide geraten durch ihre Kontakte immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit und Politik.

Jüngst hat das US-Repräsentantenhaus fast einstimmig für die vollständige Offenlegung aller Epstein-Akten gestimmt. Obwohl einige E-Mails und Metadaten für politische Debatten sorgen, gibt es keine Anhaltspunkte, dass queere Medien, Drag-Formate oder einzelne Künstlerinnen und Künstler in irgendeiner Form beschuldigt werden.

 

Ausblick: Gefahren durch Desinformation

Die aktuelle Diskussion verdeutlicht, wie schnell Missverständnisse im digitalen Zeitalter entstehen und durch gezielte Desinformation verstärkt werden können. Es wächst der Druck, sich gegen Vorverurteilungen öffentlich zu positionieren und differenzierte Aufklärung zu leisten. Entscheidend bleibt, dass Fakten stets vor Meinungsmache stehen müssen – insbesondere, wenn sie das gesellschaftliche Klima gegenüber queeren Menschen wesentlich beeinflussen können. Wird die politische und mediale Landschaft künftig wirksamer gegen gezielte Falschmeldungen vorgehen können?

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