Missbrauch durch Islamlehrer 35-Jähriger soll acht Jungen schwer sexuell misshandelt haben
Vor dem Landgericht Ellwangen in Baden-Württemberg hat der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann begonnen, der als islamischer Lehrer, ein sogenannter Hodscha, tätig war und beschuldigt wird, über mehrere Jahre lang insgesamt acht Jungen sexuell immer wieder schwer missbraucht zu haben.
Das Wichtigste im Überblick
- In Ellwangen beginnt ein Prozess gegen einen 35-jährigen islamischen Lehrer wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.
- Acht Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren sind laut Anklage betroffen.
- Die Taten sollen vor allem in einem islamischen Schülerwohnheim in Giengen stattgefunden haben, teilweise auch in Stuttgart und Heidenheim.
- Der Angeklagte soll seine Funktion als Hodscha für die Übergriffe ausgenutzt haben.
Sadistischer Missbrauch und Vergewaltigungen
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die Taten vor allem in einem islamischen Schülerwohnheim in Giengen an der Brenz begangen worden sein, an der dazugehörigen Schule arbeitete der Angeklagte als Koranlehrer. Weitere Tatorte sollen Stuttgart und die Stadt Heidenheim gewesen sein. Die Anklage bezieht sich auf insgesamt acht männliche Opfer im Alter von 12 bis 17 Jahren. Die Vorwürfe reichen von schwerem sexuellen Missbrauch bis hin zu Vergewaltigungen. Mehrfach soll er die Kinder auch zu Oralverkehr gezwungen oder bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Außerdem soll der gelernte Erzieher Freude daran gefunden haben, den Jungen Schmerzen zuzufügen.
Er habe sich am Leid der Opfer erfreut, bekräftigte die Staatsanwältin. Immer wieder soll er auch mit seinem Schlüsselbund auf die Kinder eingeschlagen haben. An die Öffentlichkeit kamen die Vorfälle erst, nachdem der Leiter des Wohnheims Anzeige erstattete, zuvor war dieser von einer besorgten Mutter eines der Opfer über die mutmaßlichen Taten informiert worden. Ein Junge hatte dem Leiter dann auf Rückfrage Einzelheiten zu Oralverkehr und erzwungenen erotischen Massagen berichtet. Angeklagt wurde der deutsche Staatsbürger mit türkischen Wurzeln schlussendlich in 26 Fällen, die sich zwischen 2021 und 2024 ereignet haben sollen.
Machtposition als Koranlehrer ausgenutzt
Dabei soll der Angeklagte seine Rolle als religiöser Lehrer und Betreuer gezielt immer wieder ausgenutzt haben, um Zugang zu den Kindern zu erhalten. Dem Gericht zufolge soll der verheiratete Mann teilweise direkt bei den Kindern übernachtet und sie überdies auch auf Reisen, unter anderem nach Paris, begleitet haben. Auch im Umfeld von gemeinsamen Filmabenden soll es zu Übergriffen gekommen sein. In seiner Machtposition als Hodscha oder Hoca habe er die minderjährigen Opfer zum Schweigen gebracht, so die Staatsanwältin weiter.
Der Begriff Hodscha (Hoca) bezeichnet in der Regel einen Religionslehrer. Eine formale akademische Ausbildung ist nicht zwingend erforderlich, wohl aber Kenntnisse in der arabischen Sprache zur Anleitung von Gebeten. Für den laufenden Prozess sind insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt. Beim ersten Prozesstag erklärte der neun Jahre ältere Bruder eines der Opfer: „Meine Eltern waren sehr traurig, sie haben geweint, sie waren erschüttert. Ich wusste nicht, wie ich diese Situation handhaben soll“, so der 26-jährige Student. Bis heut gehe es seinem Bruder psychisch schlecht, er trage zudem noch immer eine gewisse Scham in sich.