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Deutschland ist gespalten Großer Streitpunkt ist die LGBTIQ+-Community

Von ms - 16.10.2025 - 11:00 Uhr
Deutschland ist gespalten
Foto: iStock / SIphotography
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Seit einigen Jahren wird der LGBTIQ+-Community attestiert, sie sei bei politischen Fragen immer mehr gespalten – eine ähnliche Spaltung, ein Riss, scheint sich offenbar auch in der Gesamtgesellschaft abzuzeichnen. Zu diesem bedenklichen Ergebnis kommt die neue Studie des Mercator Forums Migration und Demokratie (MIDEM) an der Technischen Universität Dresden. Mehr als 81 Prozent der Deutschen nehmen demnach die Gesellschaft als gespalten war. Ein großer Streitpunkt dabei ist die Community.

Emotionalität vs. Debattenkultur 

Im Zuge des Polarisierungsbarometers von 2025 wurden dabei knapp 34.000 Personen in acht EU-Ländern befragt, darunter auch rund 4.400 Menschen in Deutschland. Die Forscher unterscheiden dabei zwischen ideologischer Polarisierung, also inhaltliche Meinungsunterschiede, und der sogenannten affektiven Polarisierung, dabei geht es um die emotionale Abwertung Andersdenkender. 

Dabei zeigen die Daten auf, dass Streit-Debatten offenbar immer mehr emotional aufgeladen werden, sodass ein tatsächlicher Diskurs um die Sache weitestgehend vielerorts unterbunden wird – zu schnell fühlen sich einige Teilnehmer emotional verletzt. „Es vergeht kein Tag, an dem nicht mahnend auf eine wachsende Spaltung hingewiesen wird. Das verkürzt aber die Analyse. Wir müssen differenzieren: Wann gefährdet Polarisierung die Demokratie wirklich? Und wann ist sie normaler Bestandteil pluralistischer Politik?“, so Studienleiter Prof. Dr. Hans Vorländer. 

Emotionale Ablehnung bei AfD und Grünen 

Das zentrale Ergebnis der Studie dabei: „Ideologische Polarisierung ist bis zu einem gewissen Grad in Demokratien notwendig. Affektive Polarisierung hingegen kann den demokratischen Zusammenhalt schwächen, weil sie Verständigung blockiert und aus politischem Wettbewerb Feindschaft macht.“ Auffällig dabei: Wer sich politisch klar ‚links‘ oder ‚rechts‘ verortet, ist stärker polarisiert. „Besonders ausgeprägt ist die emotionale Ablehnung Andersdenkender bei Anhängern von AfD und Grünen – zwei Lager, die sich in dieser Haltung ähneln. Bei CDU/CSU-, SPD- und FDP-Unterstützern bleiben die Werte deutlich niedriger.“ Besonders stark auf Polarisierung reagieren zudem auch Geringverdiener, Männer und ältere Menschen. Wenn es um Wertekonflikte geht, zeigen sich junge Menschen und Anhänger der Linken besonders emotional. 

Parteien verlieren an Einfluss 

Ein zentrales Problem ist dabei die Entwicklung, dass viele Konflikte immer mehr eskalieren und „aus politischen Gegnern Feinde“ werden. Dabei zeigt sich zudem, dass selbst dort, wo inhaltlich weitestgehend Konsens herrscht, oftmals eine „hohe Emotionalität die konstruktive Auseinandersetzung“ unterbindet. Außerdem belegt die Studie, dass Parteien in Deutschland an „strukturbildender Kraft“ verloren haben. Vorländer weiter: „Politik steht heute unter Druck unmittelbar artikulierter Interessen. Diskurse werden von emotional aufgeladenen Interventionen in digitalen Medien geprägt.“ So warnt auch Christiane von Websky von der Stiftung Mercator eindringlich: „Eine lebendige Demokratie braucht Streit – aber sie darf nicht an ihm zerbrechen.“

Streit über Migration und LGBTIQ+

Eines der derzeit größten Themen unter Deutschen ist demnach die Frage der Migration, rund zwei Drittel der Befragten sprechen sich dafür aus, die „Zuzugsmöglichkeiten für Ausländer“ weiter einzuschränken. Beim Thema Klima ist die Bundesrepublik indes gespalten, die eine Hälfte wünscht sich mehr Maßnahmen, der anderen Hälfte gehen die bisherigen Schritte bereits zu weit. Ebenso stark polarisiert auch der Umgang mit der LGBTIQ+-Community und dabei zum Beispiel insbesondere die Debatten über Regenbogenflaggen im öffentlichen Raum, hier entfalte sich eines der größten „politischen Konflikt- und Spaltungspotenziale“. 

„Beim Thema Umgang mit sexuellen Minderheiten spricht sich eine Mehrheit in Deutschland für weitere politische Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung aus. Zugleich zeigt aber nur eine Minderheit Verständnis für Regenbogen- und Pride-Flaggen an öffentlichen Orten“, so eines der Ergebnisse der Untersuchung. Konkret in Zahlen bedeutet das: 40,4 Prozent der Deutschen sind der Auffassung, dass noch mehr gegen Diskriminierung von sexuellen Minderheiten getan werden muss. Bei Regenbogen- und Pride-Flaggen sprechen sich hingegen 38 Prozent der Bundesbürger dafür aus, dass die Politik stärker dagegen vorgehen sollte, weil damit „den speziellen Interessen und Ansprüchen einer gesellschaftlichen Gruppe zu viel Aufmerksamkeit geschenkt“ werde. Nur eine Minderheit von einem Drittel findet viele Pride-Flaggen in der Öffentlichkeit gut.  

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