Direkt zum Inhalt
Bundesratsinitiative zu Artikel 3
ANZEIGE

Bundesratsinitiative Artikel 3 Bundesrat nimmt den Antrag an und gibt den Fall an den Bundestag weiter

ms - 26.09.2025 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Der Deutsche Bundesrat hat heute Vormittag den Antrag zur Ergänzung des Artikel 3 des Grundgesetzes um die „sexuelle Identität“ positiv beschieden. Der Bundesinitiative haben nebst Berlin die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zugestimmt. Nun muss der Bundestag im nächsten Schritt den Antrag behandeln.  

Zeichen von besonderer Bedeutung

Alexander Vogt aus dem Bundesvorstand  des Verbands Queere Vielfalt (LSVD+) spricht von einem „historischen Schritt“ und betonte überdies: „Gerade jetzt, wo Queerfeindlichkeit nachweislich steigt, ist dieses Zeichen des Bundesrates für LSBTIQ* von besonderer Bedeutung. Jetzt liegt es am Bundestag, die politische Verantwortung zu übernehmen. Die Demokratie zu schützen, muss auch den expliziten Schutz von LSBTIQ* einschließen.“ 

In Artikel 3 Abschnitt 3 wurde der besondere Schutz aller systematisch verfolgten Gruppen des Nationalsozialismus festgehalten – mit Ausnahme von LGBTIQ+-Menschen. Seit über dreißig Jahren setzen sich Aktivisten dafür ein, dieses Zustand zu ändern. „Diese rechtliche Lücke schuf Boden für eine jahrzehntelange Kriminalisierung und Verfolgung queeren Lebens in der Bundesrepublik. Dieser historische Fehler muss nach 76 Jahren endlich korrigiert werden, um queeres Leben jetzt und in der Zukunft zu schützen. Die Grundgesetzergänzung ist seit Jahrzehnten ein zentrales queerpolitisches Anliegen, für das die Community gemeinsam mit starken Verbündeten wie das Deutsche Institut für Menschenrechte oder pro familia aus der Zivilgesellschaft und die Kirchen eintritt. Es ist an der Zeit, dass die Bundesrepublik unmissverständlich klarstellt: Die gesamte queere Community steht unter dem Schutz des Grundgesetzes“, so Vogt weiter. 

Blick geht Richtung Union

Der LSVD+ wünsche sich dabei „besonders von CDU/CSU auf Bundesebene“ einen offenen Austausch, nachdem sich heute bereits mehrere CDU-geführte Landesregierungen für eine Grundgesetzänderung ausgesprochen haben. Nachdem anfänglich noch die „sexuelle Orientierung“ als besonders schützenswerter Aspekt ergänzt werden sollte, fordert die Bundesinitiative nun die Einbringung der „sexuellen Identität“. Die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit dgti* kritisierte im Vorfeld, dass auch dieser Begriff trans*, nicht-binäre und queere Menschen nicht ausreichend schützen würde. 

Der queerpolitische Sprecher der Linksfraktion, Maik Brückner, erklärte dazu: „Jetzt ist die Union im Bundestag gefragt: CDU-Mann Kai Wegner hat den Antrag in den Bundesrat eingebracht, nun erwarte ich, dass seine Parteikolleg*innen ihm folgen. Nicht zuletzt hat Kanzler Friedrich Merz in einer Regierungsbefragung am 7. Juli 2025 betont, dass er queeren Menschen ‚ein gutes und auch ein sicheres Leben in unserer Gesellschaft‘ ermöglichen will – hier kann der Beweis erbracht werden, notfalls unter Aufhebung des Fraktionszwangs.“ 

Wackelige Zweidrittelmehrheit 

Kernziel der Befürworter ist die rechtliche Absicherung der Menschenrechte für queere Personen, damit diese  künftig „dem Wechselspiel der verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Kräfte“ nicht mehr ausgesetzt sind. Eine grundgesetzliche Absicherung würde es künftigen Regierungen sehr schwer machen, Gesetze für den Schutz von LGBTIQ+-Menschen zu ändern. Es bedarf dazu einer Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat. 

Ob eine solche Zweidrittelmehrheit jetzt im Bundestag zusammenkommt, ist offen – nebst SPD, Grüne und Linke müsste nahezu die gesamte Union dem Vorhaben zustimmen – innerhalb von CDU und CSU gibt es allerdings Kritik an der angedachten Grundgesetzänderung. Die AfD lehnt das Vorhaben gänzlich ab. Ähnlich die Lage im Bundesrat: Ob hier schlussendlich bei der finalen Abstimmung ebenso eine Zweidrittelmehrheit zustande käme, ist offen. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry kehrt zurück

Staffel 2-Drehstart steht bevor

Connor Storrie und Hudson Williams stimmen Fans mit einem gemeinsamen Auftritt in Toronto auf die zweite Staffel von „Heated Rivalry“ ein.
Überraschung bei Heartstopper

Gelöschte Sex-Szenen enthüllt

Die „Heartstopper“-Stars verrieten jetzt: Netflix strich den Großteil der gedrehten Sex-Szenen aus dem Abschlussfilm, einiges sei wie "Porno" gewesen.
Autor Benjamin Alire Sáenz

Abschied von einem Erzähler

Der Schriftsteller Benjamin Alire Sáenz, bekannt für „Aristoteles und Dante“, ist im Alter von 71 Jahren gestorben.
Dritte Festnahme von Drake Von

Pornostar wird abermals inhaftiert

Adultdarsteller Drake Von ist jetzt zum dritten Mal in diesem Jahr festgenommen worden. Gegen ihn laufen inzwischen mehrere Strafverfahren.
Haft wegen Regenbogen-Shirt

Russland verschärft Repressionen

Ein russischer Kommunalwahlkandidat muss wegen eines Regenbogen-T-Shirts zehn Tage in Haft und darf nicht mehr kandidieren.
KI-Brillen sorgen für Kritik

Warnung vor Überwachungsrisiko

KI-Brillen von Meta könnten laut Kritikern neue Formen staatlicher Überwachung ermöglichen und besonders Minderheiten wie LGBTIQ+ gefährden.
Rätselhafter Tod in Dublin

Leiche in Recyclinganlage entdeckt

Ein obdachloser schwuler Mann wurde tot in einer Müllanlage in Dublin gefunden. Die Polizei schließt ein mögliches Verbrechen nicht aus.
Hardcore in Österreich

Alterscheck für alle Pornoseiten

Österreich plant ab 2027 verpflichtende Alterskontrollen für Pornoseiten. Kritiker warnen vor Risiken für Datenschutz und Anonymität.
Uni-Rauswurf in Nigeria

Schwule Studenten exmatrikuliert

Eine nigerianische Universität hat jetzt zwei männliche Studenten wegen einer homosexuellen Beziehung von der Hochschule geworfen.