Direkt zum Inhalt

Russland macht ernst Justizministerium überwacht 40 LGBTI*-Organisationen und 280 Aktivisten

Von ms - 24.01.2024 - 13:00 Uhr
Russland macht ernst
Foto: iStock / Vadym Plysiuk
ANZEIGE
Loading audio player...

In November letzten Jahres erklärte die russische Regierung die LGBTI*-Bewegung als extremistisch – Anfang Januar trat das entsprechende Gesetz offiziell in Kraft. Nun kam es zu einer ersten Anklage.

Regenbogenfahne führt zur Anklage

Nach dem Inkrafttreten war in diesen Tagen immer wieder darüber spekuliert worden, ob das neue Gesetz sich maßgeblich „nur“ gegen Organisationen oder eben auch gegen Einzelpersonen richten kann, der Gesetzestext dazu lässt Raum für individuelle Auslegungen – die Befürchtungen haben sich nun mit der ersten Anklage bewahrheitet. Vor Gericht verantworten muss sich eine lesbische Frau aus der Region Saratow, die in den sozialen Medien eine Regenbogenfahne gepostet hatte.

Vier Jahre Gefängnis wegen Posting?

Bei einer Verurteilung droht ihr eine geringe Geldstrafe oder eine Haftstrafe von bis zu 15 Tagen. Können ihr allerdings wiederholt „LGBTI*-Vergehen“ nachgewiesen werden, kann die Frau bis zu vier Jahre ins Gefängnis kommen. Egal, wie das Urteil letztendlich ausgeht, bereits jetzt ist klar, dass alle Homosexuellen und queeren Menschen nun Ziel von Angriffen werden können – zusammen mit dem bereits verschärften Anti-Homosexuellen-Gesetz spitzt sich so die Lage auf dramatische Weise in Russland weiter zu.

Überwachung von LGBTI*-Organisationen

Kurz nach Bekanntgabe des neuen „Extremismus-Gesetzes“ hatte es keine 48 Stunden gedauert, bis in Moskau Ende letzten Jahres in den ersten Gay Clubs Razzien stattgefunden hatten, bei der die Namen aller Gäste festgehalten worden sind. Dabei soll es auch zu kurzzeitigen Verhaftungen gekommen sein.

Seitdem kommt es immer wieder zu Razzien bei diversen LGBTI*-Treffpunkten, auch in anderen Städten. Das russische Justizministerium hat dabei unlängst erklärt, rund vierzig LGBTI*-Organisationen aktuell zu überwachen. Zudem sollen rund 280 LGBTI*-Aktivisten in Russland ebenso unter Beobachtung stehen.   

Schweigen der Bundesregierung

Mehrere Verbände, darunter der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) sowie ILGA Europe, forderten Anfang Januar dieses Jahres daraufhin eindringlich die Bundesregierung, namentlich Außenministerin Annalena Baerbock sowie Innenministerin Nancy Faeser, dazu auf, sofort zu handeln und besonders schutzbedürftige LGBTI*-Menschen aus Russland aufzunehmen.

Das neue Gesetz sei eine „willkürliche staatliche Verfolgung sowie eine menschenrechtliche Bankrotterklärung“. Weder Baerbock noch Faeser noch die Bundesregierung selbst nahmen dazu bisher Stellung.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

FalterGossip und Paranoia: Warum wir Promi-Verschwörungstheorien liebenndQueercore | Team Dresch: Die Schönheit der GleichwertigkeittazAusstellung, Buch und Queeres Leben: Sich von Arschlöchern nicht kleinkriegen lassenDER SPIEGELBerlin: Gedenkort für CSD-Anschlag zum dritten Mal attackiertAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Williams fordert Festnahmen

Sexuelle Übergriffe an Universität

Hudson Williams fordert Festnahmen nach einem mutmaßlichen sexuellen Übergriff an der Cornell University. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall neu.
Viel Aufregung in Nigeria

Schwule Webserie wird zum Hit

Die schwule Webserie „Living in Colors“ aus Nigeria ist ein Zuschauer-Hit, während die nigerianische Filmbehörde versucht, die Folgen zu verbieten.
Angriff auf den Regenbogen

Dritter Fall von Vandalismus

Traurig aber immer weniger überraschend für viele: Zum dritten Mal wurde jetzt die Regenbogenbank in Berlin Tiergarten verwüstet.
Fake News aus der KI

KI wird zur Propagandawaffe

Russische Akteure sollen Claude für Propaganda, Fake News und die Überwachung politischer Gegner in Zentralafrika eingesetzt haben, auch gegen LGBTIQ+
Schüler warten auf Schutz

Dramatische Lage an US-Schulen

Unter Präsident Trump liegen zahlreiche Bürgerrechtsfälle an US-Schulen auf Eis. Betroffen sind Vorwürfe zu Rassismus und sexueller Belästigung.
US-Lesbenbar im Rampenlicht

Masken-Streit beschäftigt Hollywood

Eine US-Lesbenbar lockert ihre hauseigene Corona-Maskenpflicht und löst heftigen Streit aus. Nun interessiert sich sogar Hollywood für die Geschichte.
Island setzt Europas Maßstab

Europa führt bei Gleichstellung

Europa führt weltweit bei der Gleichstellung von Frauen und Männern - eine gute Entwicklung auch für LGBTIQ+-Menschen. Weltweit führend ist Island.
Forscher kämpfen für Lambda

Queeres Jugendnetzwerk unter Druck

141 Wissenschaftler fordern eine langfristige Finanzierung des queeren Jugendnetzwerks Lambda und kritisieren das Ende der bisherigen Bundesförderung.
Keine Homophobie bei Nike

Aktionäre stützen LGBTIQ+-Kurs

Ein Antrag zur Überprüfung von Nikes LGBTIQ+-Engagement ist bei den Aktionären deutlich gescheitert: Nur ein Prozent stimmte dafür.