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Zwangsouting von queeren Kindern! // © DejanKolar

Zwangsouting von queeren Kindern Druck auf Mediziner, Lehrer und Eltern wächst

ms - 24.02.2022 - 15:30 Uhr
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Die neusten Meldungen aus den USA machen fassungslos – in zwei Bundesstaaten sollen nach dem Willen der jeweiligen Gouverneure und Abgeordneten queere junge Menschen nun zwangsgeoutet werden.

Im ersten Fall handelt es sich dabei um Texas. Der texanische Gouverneur Greg Abbott forderte "lizenzierte Fachleute" und "Mitglieder der Öffentlichkeit" auf, die Eltern von trans-Kindern den staatlichen Behörden zu melden, wenn es den Anschein macht, dass diese ihren Kindern eine geschlechtsangleichende medizinische Versorgung zukommen lassen.

Explizit erwähnte der Gouverneur dabei auch zugelassene Fachleute, die mit Kindern arbeiten – also Ärzte, Krankenschwestern oder Lehrer. Wer diese Fälle nicht den Behörden melden würde, den erwarten "strafrechtliche Sanktionen für das Versäumnis, solchen Kindesmissbrauch zu melden.“ Bereits zu Beginn der Woche war Texas in die Schlagzeilen geraten, als der Generalstaatsanwalt Ken Paxton verlautbaren ließ, dass die Behandlung von Minderjährigen mit Pubertätsblockern, Hormontherapien und chirurgischen Eingriffen nach staatlichem Recht Kindesmissbrauch darstelle.

Fordert zur Meldung auf, Gouverneur Greg Abbott // © Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29047122

Brian Klosterboer von der Menschenrechtsorganisation ACLU in Texas stellte gegenüber NBC News klar, dass weder die Stellungnahme noch der Brief eine rechtliche Wirkung haben und dadurch weder das texanische Recht geändert würde noch die verfassungsmäßigen Rechte texanischer Familien ausgehebelt werden können.

"Aber sie verbreiten Angst und Fehlinformationen und könnten zu falschen Meldungen von Kindesmissbrauch anregen, und das zu einer Zeit, in der das Familienministerium (DFPS) bereits mit einer Krise im Pflegekinderwesen unseres Staates konfrontiert ist. Das Gesetz ist eindeutig und besagt, dass Eltern, Erziehungsberechtigte und Ärzte Transgender-Jugendliche in Übereinstimmung mit den vorherrschenden Pflegestandards behandeln können. Ein Elternteil oder Erziehungsberechtigter, der sein Kind liebt und unterstützt und es zu einem zugelassenen Gesundheitsdienstleister bringt, begeht keinen Kindesmissbrauch."

Brian Klosterboer von der Menschenrechtsorganisation ACLU // © aclutx.org

Im zweiten Fall von geplantem Zwangsouting geht es nach Florida – hier sorgte das geplante „Don´t Say Gay“- Gesetz bereits für Schlagzeilen, dass bisher vorsieht, LGBTI*-Themen komplett aus den Schulen zu verbannen.

Lehrer und Schuldirektoren müssen bei Zuwiderhandlung mit hohen Geldstrafen rechnen. Der Abgeordnete Joe Harding hat nun noch eine Erweiterung des Gesetzentwurfes ins Spiel gebracht – er forderte, dass Schuldirektoren und Lehrer binnen von sechs Wochen ein Gespräch mit den Eltern von queeren Jugendlichen führen müssen, wenn diese sich in der Schule geoutet haben oder es Informationen über ihren LGBTI*-Status gäbe.

Das ist nicht mehr oder weniger als ein Zwangsouting vor den Eltern. LGBTI*-Organisationen kritisierten das neue Vorhaben massiv und sprachen von einem Bruch des Vertrauensverhältnisses zwischen Lehrkraft und Schüler. Die lautstarke Kritik scheint glücklicherweise hier eine erste Wirkung gezeigt zu haben, kurz vor der Debatte im Abgeordnetenhaus verschwand die angedachte Erweiterung wieder. Es bleibt zu hoffen, dass sie damit dauerhaft vom Tisch ist.

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