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Mord an Schwulen in Österreich Queere Community fordert Konsequenzen inklusive Aktionsplan

Von ms - 10.08.2026 - 11:30 Uhr
Mord an Schwulen in Österreich
Foto: iStock / U. J. Alexander
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Der gewaltsame Tod eines 29-jährigen schwulen Mannes im niederösterreichischen Langenzersdorf sorgt in ganz Österreich für Bestürzung und hat erneut die Diskussion über Hasskriminalität gegen LGBTIQ+-Menschen entfacht. Nach den bisher bekannten Informationen könnte die sexuelle Orientierung des Mannes ein wesentliches Motiv für die Tat gewesen sein. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger. Er soll gegenüber der Polizei geständig sein und der sogenannten „Pädo-Hunter“-Szene angehören. Der junge Erwachsene soll den Schwulen mittels der Dating-Masche zu einem Treffen gelockt und dann tot geschlagen haben. 

Das Wichtigste im Überblick

  • In Langenzersdorf, Niederösterreich. wurde ein 29-jähriger schwuler Mann getötet.
  • Nach bisherigen Erkenntnissen könnte seine sexuelle Orientierung eine Rolle bei der Tat gespielt haben.
  • Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger, der laut den vorliegenden Angaben geständig sein soll.
  • Der Verdächtige soll der sogenannten „Pädo-Hunter“-Szene angehören und den Schwulen totgeschlagen haben. 
  • Als mögliches Tatmotiv soll er gegenüber der Polizei gesagt haben: „Ich hasse Homosexuelle.”
  • HOSI Wien, SPÖ und Grüne warnen vor einem gesellschaftlichen hasserfüllten Klima. 
  • Der Nationalrat beschloss bereits 2025 einen Nationalen Aktionsplan gegen Hassverbrechen, der noch immer ausgearbeitet wird. 
  • Gefordert werden unter anderem eine umfassende Aufklärung, eine Untersuchung der „Pädo-Hunter“-Szene sowie mehr Prävention und Deradikalisierungsarbeit.

Warnung vor Hass und Desinformation

Die Online-Bewegung war bereits im vergangenen Jahr Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Angehörige der Szene sollen gezielt homosexuelle Männer in Fallen gelockt haben, weil sie davon ausgingen, diese würden sich an Minderjährigen vergehen. Dabei kam es teilweise zu schweren Verletzungen. Nach Angaben im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall soll der Tatverdächtige sein Motiv gegenüber der Polizei mit den Worten erklärt haben: „Ich hasse Homosexuelle.”

Die HOSI Wien reagierte mit großer Bestürzung. Obfrau Ann-Sophie Otte sprach den Angehörigen und Freunden des Getöteten ihr Mitgefühl aus und betonte zugleich, dass die Hintergründe der Tat vollständig aufgeklärt werden müssten. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freund*innen des getöteten Mannes. Wir vertrauen darauf, dass die Ermittlungsbehörden die Hintergründe umfassend aufklären. Gleichzeitig dürfen wir nicht ignorieren, dass sich Gewalt gegen queere Menschen seit Jahren in einem gesellschaftlichen Klima entwickelt, in dem Hass gezielt geschürt und Desinformation millionenfach verbreitet wird“, erklärt Otte.

Besonders problematisch sei aus ihrer Sicht das seit Langem verbreitete Vorurteil, Homosexualität mit Pädophilie gleichzusetzen. „Wer queere Menschen ständig als Gefahr für Kinder darstellt, wer mit Desinformation Angst erzeugt oder bewusst Feindbilder konstruiert, trägt Verantwortung für das gesellschaftliche Klima. Worte sind nicht folgenlos. Aus Hass im Netz wird Ausgrenzung im Alltag und im schlimmsten Fall tödliche Gewalt“, so Otte.

Verbindung zur „Pädo-Hunter“-Szene

Die aktuelle Tat weckt auch deshalb besondere Aufmerksamkeit, weil bereits im vergangenen Jahr mutmaßliche Angehörige der „Pädo-Hunter“-Szene wegen schwerer Übergriffe auf Schwule ins Visier der Ermittler geraten waren. Für die HOSI Wien handelt es sich deshalb nicht um einen isolierten Vorfall. Vielmehr sieht die Organisation darin eine Entwicklung bestätigt, vor der die LGBTIQ+-Community seit längerer Zeit warne. Auch der SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner zeigte sich erschüttert. „Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt der Familie und den Freund:innen des ermordeten Mannes sowie allen Menschen, die diese Berichte lesen und jetzt Unsicherheit und Angst empfinden!”, erklärt er. Sollten sich die Berichte über eine Verbindung zur Hate-Crime-Bewegung bestätigen, müsse es nach seinen Worten „nicht nur vollste Aufklärung, sondern auch eine umfassende Ermittlung der Hintergründe und Methoden dieser Szene” geben. „Wir dürfen niemals akzeptieren, dass auf Menschen in unserem Land aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Jagd gemacht wird.”

Aktionsplan gegen Hasskriminalität

Die Forderung nach politischen Konsequenzen richtet sich auch auf einen bereits beschlossenen Maßnahmenkatalog. Der Nationalrat hatte 2025 als Reaktion auf Berichte über Hassverbrechen aus dem Umfeld der „Pädo-Hunter“-Szene einen Nationalen Aktionsplan gegen Hate Crimes beschlossen. Nach Angaben Lindners befindet sich dieser bislang jedoch noch in Ausarbeitung. Für den SPÖ-Abgeordneten reicht es angesichts der aktuellen Entwicklungen nicht aus, ausschließlich Polizei und Justiz in den Blick zu nehmen. Ebenso müsse die Präventions- und Deradikalisierungsarbeit ausgebaut werden. „Wir haben es anscheinend mit einem gewaltbereiten Gedankengut zu tun, das Homosexuellen aus reinem Hass heraus Pädophilie unterstellt und das als Vorwand für Gewaltverbrechen benutzt.“

Auch der LGBTIQ+-Sprecher der Grünen, David Stögmüller, sieht den Fall im Zusammenhang mit einer länger andauernden Entwicklung. „Besonders abstoßend ist, wie in rechtsextremen Kreisen seit Jahren gegen queere Menschen gehetzt und versucht wird, diesen Hass mit angeblichem ‚Kinderschutz‘ zu legitimieren“, so Stögmüller. Die politische Reaktion dürfe seiner Ansicht nach nicht erst nach einer Gewalttat einsetzen. „Wenn Menschen im Netz entmenschlicht und zu Feindbildern gemacht werden, dürfen wir nicht warten, bis aus Hass reale Gewalt wird.”

Forderungen an die Bundesregierung

HOSI Wien, SPÖ und Grüne richten ihre Forderungen vor allem an die ÖVP-geführte Bundesregierung. Der 2025 beschlossene Nationale Aktionsplan gegen Hate Crime müsse rasch über die Planungsphase hinauskommen und mit konkreten Maßnahmen umgesetzt werden. Aus Sicht der HOSI Wien braucht es insbesondere ein deutliches politisches Signal gegen Hass im Internet. Zugleich müsse konsequent gegen Desinformation und die Verbreitung von Feindbildern vorgegangen werden. Für die queere Community geht es damit um mehr als die Aufklärung eines einzelnen Falls. Sie sieht in der Tat von Langenzersdorf ein weiteres Warnsignal. Bleibt die Umsetzung des Aktionsplans gegen Hassverbrechen aus, drohe die politische Warnung vor Gewalt gegen LGBTIQ+-Personen zu einem wiederkehrenden Ritual zu werden – ohne daraus folgenden Konsequenzen.

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