Direkt zum Inhalt

Wegmarke für queere Paare Erzbischof Marx erlaubt Segnung gleichgeschlechtliche Paare

Von mr - 21.04.2026 - 20:00 Uhr
Erzbischof Marx segnet gleichgeschlechtliche Paare
Foto: © IMAGO / epd
ANZEIGE
Loading audio player...

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat erstmals offiziell die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare im Erzbistum München und Freising erlaubt. Mit einem Rundschreiben an die Seelsorgerinnen und Seelsorger seiner Diözese empfiehlt Marx die im Vorjahr von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) verabschiedete Handreichung über „Segensfeiern für Paare“, ausdrücklich auch für homosexuelle Partnerschaften anzuwenden. Diese Entscheidung markiert einen bedeutenden Wendepunkt für die katholische Kirche in Deutschland.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Erzbischof Reinhard Marx erlaubt die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare im gesamten Erzbistum München und Freising.
  • Grundlage ist die Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ von DBK und ZdK, die seit 2025 offiziell empfohlen wird.
  • Die Praxis richtet sich an Paare aller Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen.
  • Konservative Teile der katholischen Kirche, wie das Erzbistum Köln unter Kardinal Woelki, lehnen Segnungen weiterhin ab.

 

Umsetzung im Erzbistum München und Freising

Mit der offiziellen Einführung der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare setzt Kardinal Marx ein klares Zeichen für eine offenere Seelsorgepolitik. In seinem Schreiben an die Geistlichen macht Marx deutlich, dass die Handreichung der DBK und des ZdK die Grundlage für das pastorale Handeln im Erzbistum bildet. Das Schreiben erwähnt ausdrücklich die Begleitung und Anerkennung von Paaren, unabhängig von deren sexueller Orientierung. Ein Sprecher des Bistums bestätigte, dass diese Praxis von nun an in allen Pfarreien möglich ist. Damit vollzieht das zweitgrößte Bistum Deutschlands einen Schritt, den viele Gläubige und Teile des pastoralen Personals seit Jahren fordern.

 

Reaktionen und Konfliktlinien

Die Entscheidung von Marx fällt in eine Zeit, in der die katholische Kirche in Deutschland tief gespalten bleibt. Während die Mehrheit der Bischöfe und das ZdK die Öffnung begrüßen, sprechen sich konservative Stimmen weiterhin dagegen aus. So weigert sich das Erzbistum Köln unter Kardinal Rainer Maria Woelki bislang strikt, Segnungen für nicht-heterosexuelle Paare vorzunehmen. Auch auf internationaler Ebene ist das Thema umstritten: Der Vatikan hatte 2021 in einem Responsum erklärt, die Kirche könne gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht segnen, weil dies nicht mit Gottes Plan vereinbar sei; unter Papst Franziskus gibt es jedoch Anzeichen für ein behutsames Umdenken.

„Die Kirche bringt Paaren, die in Liebe verbunden sind, Anerkennung entgegen und bietet ihnen Begleitung an“, heißt es in der Handreichung der Bischofskonferenz.

 

Hintergrund: Reformprozess und Bedeutung

Seit Jahren ringt die katholische Kirche in Deutschland um einen neuen Umgang mit queeren Gläubigen. Die im Frühjahr 2025 verabschiedete Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft“ stellt eine Reaktion auf langjährige Proteste und Reformforderungen dar. Damit soll die weit verbreitete Praxis der Segnungsfeiern, die bisher oftmals ohne offiziellen Rückhalt stattfand, auf eine verbindliche Grundlage gestellt werden. Die konkrete Umsetzung bleibt jedoch von Bistum zu Bistum unterschiedlich. Im Kern steht die Frage, wie sich der Anspruch auf „geschwisterliche Kirche“ und pastorale Begleitung aller Getauften praktisch umsetzen lässt.

 

Ausblick: Folgen und offene Fragen

Die Entscheidung von Kardinal Marx wird in der katholischen Kirche in Deutschland voraussichtlich weitere Bistümer ermutigen, ähnliche Regelungen einzuführen. Ob und wie der Vatikan darauf reagieren wird, ist offen. Unklar bleibt, ob sich konservative Diözesen wie Köln dauerhaft der Öffnung entziehen können oder ob sich nach und nach ein neuer Standard etabliert. Im Erzbistum München und Freising können gleichgeschlechtliche Paare nun mit kirchlichem Segen offiziell anerkannt und begleitet werden – ein Schritt, der die Kirche vor neue Herausforderungen stellt, aber auch Hoffnung auf mehr Akzeptanz macht.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazQueerfeindlichkeit unter Jugendlichen: An der ToleranzgrenzeGALAProtest für Transgender-Rechte: Rowling-Agent übt KritikBerliner MorgenpostHomophober Angriff in Berliner U-Bahnhof: Polizei sucht diese MännerNDR"Haltet euch fest": Frischer Roman über die Kraft des ZusammenhaltsAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

177 Jahre nach seinem Tod

Die Debatte um seine Männerlieben

Am 17. Oktober 1849 starb Frédéric Chopin. Seine Briefe an Männer berühren bis heute – und sorgen weiter für Streit in der Forschung.
Teure Ausgrenzung

Japan verschenkt sein Potenzial

Lohneinbußen, Krankheit und fehlende Rechte: Ein neuer Bericht zeigt, welchen Preis Japan für die Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen zahlt.
Revision nach Vergewaltigung

Trans* Polizistin ficht Hafturteil an

Trotz Geständnis und Verständigung: Maja S. legt Revision ein. Das Urteil aus Traunstein ist noch nicht rechtskräftig. Was jetzt geprüft wird.
Fahndung nach U-Bahn-Angriff

Schläge, Tritte und Beleidigungen

Zwei Männer sollen in Alt-Mariendorf einen 30-Jährigen homophob beleidigt und verletzt haben. Die Polizei veröffentlicht jetzt Fahndungsbilder.
Eine Sekunde für die Liebe

Schwule Männer im Zeitrausch

Die Schaltsekunde wird abgeschafft. Für schwule Männer beginnt damit eine neue Zeitrechnung – zwischen Grindr, Größenwahn und ganz großen Gefühlen.
Homophobie bei der WM

FIFA meldet Rekordzahlen

240.000 Hassnachrichten bei der Fußball-WM 2026: Besonders Frankreichs Nationalspieler wurden im Netz angefeindet, berichtet jetzt die FIFA.
Vom Eis zur Erotik

Ein verborgenes Fotoerbe

Roy Blakey war Eiskunstläufer und ein Pionier schwuler Fotografie. Nun erzählt seine Nichte von seinem außergewöhnlichen Leben und Werk.
Herbst für zwei

Kuscheln statt Sommerstress

Kalte Tage, warme Bäder und lange Abende: Warum der Herbst für schwule Männer die perfekte Zeit für Nähe zu zweit sein kann.
Überraschung bei „Whalefall“

Ein Wal, ein Vater, ein Geheimnis

Im neuen Survival-Thriller „Whalefall“ verändert eine kurze Frage die Vater-Sohn-Geschichte und eröffnet eine mögliche schwule Deutung.