Wegen „LGBTI*-Propaganda“ Kriegskritischer russischer Journalist soll Strafe zahlen
Der russische Journalist und Blogger Juri Dud (35) veröffentlicht seit 2017 in seiner YouTube-Show „vDud“ Dokumentarfilme, auch über politische Themen. Er ist einer der bekanntesten Medienleute Russlands. Mehr als 10 Millionen Menschen folgen seinen YouTube-Beiträgen. Jetzt wurde er von einem Gericht zu einer Strafzahlung von 120.000 Rubel (2.000 Euro) verurteilt. Zuvor hatte er sich kriegskritisch geäußert.
Urteile gegen Dud
Dud soll laut dem Spiegel „gegenüber Kindern Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen“ gemacht haben und somit gegen das Verbot von LGBTI*-Propaganda verstoßen haben, das seit 2013 existiert. Das Urteil basiert laut Menschenrechts-Anwalt Pavel Chikov auf einem Interview von 2021 mit dem schwulen russisch-brasilianischen Künstler und Regisseur Fyodor Pavlov-Andreevich. Im Gespräch kam dessen Homosexualität allerdings gar nicht zur Sprache. Schon im Oktober 2021 sollte Dud wegen „Drogenpropaganda“ 100.000 Rubel (1.700 Euro) Strafe zahlen. Nachdem er sich öffentlich gegen den „imperialen Rausch“ des Invasionskriegs gestellt hatte, wurde er Mitte April zum „ausländischen Agenten“ erklärt.
Bestrebungen für schärferes Verbot
Das Propaganda-Verbot soll nun noch erweitert werden. Bisher gilt es nur, wenn Kinder zum Publikum gehören – und das ist schon vage genug, um für alle möglichen Vorfälle herangezogen zu werden. Mit der Verschärfung könnte jeder Inhalt, auch in sozialen Netzwerken, als „Versuch der Werbung für Homosexualität“ ausgelegt werden.