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Was passiert im Iran? Queere Community fordert einen freien Iran

Von ms - 12.01.2026 - 09:30 Uhr
Was passiert im Iran?
Foto: IMAGO / Avalon.red
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Im Iran sind seit dem 28. Dezember 2025 landesweite Proteste ausgebrochen, die zunächst durch wirtschaftliche Missstände wie Inflation und niedrige Löhne ausgelöst wurden. Innerhalb weniger Tage eskalierten die Unruhen zu einer politischen Auseinandersetzung mit Slogans gegen die Islamische Republik und gegen die Oberste Führung von Ali Khamenei. Der Ruf nach einer Veränderung der politischen Ordnung wird immer lauter – das Ziel der Demonstranten: die Abschaffung der theokratischen Herrschaft und die Errichtung einer säkularen Regierung. Auch queere Gruppen und Aktivisten beteiligen sich inzwischen daran.

Dramatische Situation vor Ort 

Die Proteste haben sich in den letzten Tagen landesweit ausgeweitet. Demonstrationen, Streiks und Sabotageakte, bei denen unter anderem Militärfahrzeuge zerstört und Moscheen in Brand gesetzt wurden, wurden gemeldet. Als Reaktion auf die Unruhen setzt die iranische Regierung auf harte Repression: der Einsatz von Gewalt, Massenverhaftungen und Strafandrohungen gegen diejenigen, die „Unruhen anstiften“.

Die genaue Zahl der Todesopfer und Festgenommenen ist schwer zu verifizieren, da der Zugang zu Informationen im Land zunehmend eingeschränkt wird. Aktivisten berichten von einem drastischen Anstieg der Gewalt, was durch einige durchgesickerte Videos belegt wird. Diese zeigen schwer verletzte Demonstranten, die Opfer der brutalen Repression wurden. In seiner Rhetorik bezeichnete Khamenei die Demonstranten als „Söldner im Dienst ausländischer Regime“.

Laut Berichten soll das Regime Söldner aus dem Irak, Libanon und Afghanistan angeworben haben, die mit Maschinengewehren auf die Demonstranten schießen. Diese Milizen sollen die Festgenommenen an unbekannte geheime Orte deportieren. Der Regime spricht von Todesstrafen für diejenigen, die als „Krieg gegen Gott“ angesehen werden. Die Berichterstattung über die Repression bleibt aufgrund von Internetsperren und Informationsblockaden schwer fassbar. Dennoch forderte die UNO, über das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte, eine sofortige Aufklärung über die Gewaltexzesse. Verschiedene Quellen sprechen von mindestens 116 Toten und Tausenden von Festnahmen, wobei die tatsächliche Zahl vermutlich weitaus höher liegt.

Ein Wendepunkt seit 1979

Die aktuellen Proteste stellen die größte Herausforderung für das Regime seit der islamischen Revolution von 1979 dar, als das säkulare Regime des Schahs durch die islamistische Diktatur unter Ayatollah Khomeini ersetzt wurde. Damals feierten viele westliche Linke, einschließlich eines großen Teils der italienischen Linken, den „populären Umbruch“. Inzwischen hat sich gezeigt, dass das von Khomeini etablierte Regime eine der brutalsten repressiven Herrschaften der modernen Geschichte war. Über 4.000 schwule Männer sollen so seit damals aufgrund ihrer Homosexualität hingerichtet worden sein. 

Reaktion der queeren Community 

Die iranische LGBTIQ+ Community ist aufgrund des repressiven Regimes extrem isoliert. Homosexuelle Handlungen sind im Iran nach wie vor strafbar, und die Verfolgung von homosexuellen und queeren Menschen ist weit verbreitet. Aktivisten und LGBTIQ+ Personen im Iran müssen oft auf anonymisierte Kommunikationswege zurückgreifen, um sich zu vernetzen und zu organisieren.

Die iranische NGO 6Rang, die sich für die Rechte von LGBTIQ+ Menschen im Iran einsetzt, reagierte auf die Proteste mit einer klaren Botschaft. Die Organisation, die nicht offen im Iran arbeiten kann, sammelt Zeugenaussagen, überwacht Menschenrechtsverletzungen und setzt sich auf internationaler Ebene für die Rechte von LGBTIQ+ Menschen ein. In ihren Stellungnahmen spricht 6Rang von der Wut und der Erschöpfung der iranischen Gesellschaft, die von jahrelanger Repression, Armut und Diskriminierung geprägt ist. Gleichzeitig fordert die Organisation, dass das Konzept eines „freien Irans“ alle Teile der Gesellschaft einbezieht – auch LGBTIQ+ Personen und andere Minderheiten.

Szenarien für die Zukunft 

Wie sich die Lage in den kommenden Tagen und Wochen weiter entwickelt, ist offen – es ist möglich, dass das brutale Regime es abermals schafft, die Demonstranten niederzudrücken oder es kommt tatsächlich zum Sturz der Machthaber. Falls die Islamische Republik zusammenbricht, gibt es mehrere mögliche Szenarien, die von Experten in Betracht gezogen werden: Ein demokratischer Übergang könnte unter der Leitung von Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs von Iran, erfolgen. Ein weiterer möglicher Verlauf ist die Machtübernahme durch das Militär oder die Sicherheitskräfte, speziell der Revolutionsgarden, die dann möglicherweise ein noch autoritäreres Regime errichten und die religiöse Führung aus dem Spiel drängen würden. Ein drittes Szenario ist ein langanhaltendes Chaos mit einem Machtvakuum, das zu einem Bürgerkrieg führen könnte oder zuletzt entsteht ein langsamer Reformprozess innerhalb des bestehenden Systems. Was das schlussendlich für die LGBTIQ+-Menschen vor Ort bedeutet, ist derzeit noch völlig offen. 

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