Vorbild deutsche LGBTI*-Zentren Nachfrage nimmt auch unter LGBTI*-Österreichern zu
Die Zeichen stehen gut, dass Österreichs Hauptstadt ein queeres Jugendzentrum bekommen wird – mit etwas Glück soll die neue Anlaufstelle für junge LGBTI*-Menschen in Wien und Umland bereits im Sommer 2023 öffnen können.
Im Rahmen einer Fachtagung der Wiener Antidiskriminierungsstelle wurde das Thema erneut und explizit besprochen, nachdem bereits vor über einem Jahr die Jugendgruppe der Homosexuellen Initiative Wien (HOSI) ein Jugendzentrum ins Gespräch gebracht hatte. Wie wichtig eine solche zentrale Anlaufstelle für junge queere Menschen wäre, belegt inzwischen eine Studie der Antidiskriminierungsstelle und bestätigt dabei auch die Erfahrungen der HOSI selbst.
Die bisherigen ehrenamtlichen Strukturen reichen seit längerem bereits nicht mehr aus, der Bedarf für eine neue Einrichtung sei dringend und von enormer Wichtigkeit, so die HOSI. Politisch bekam die Aktion auch bereits mehrheitlich grünes Licht.
Bei der Fachtagung bekräftigte auch Karin Schönpflug vom Institut für Höhere Studien (IHS) die klaren Ergebnisse der Untersuchungen: „Unsere Bedarfserhebung für ein queeres Jugendzentrum in Wien bestätigt, dass die Zeit für ein solches Projekt reif ist, weil die bestehenden Räume nicht ausreichend sind, aber Bedürfnisse und Nachfrage steigen. Ein queeres Jugendzentrum ist von offener Jugendarbeit mit profundem Wissen der Mitarbeiter für queere Thematiken getrieben.“
Die grundsätzliche Tendenz, dass die Beratungsanfragen zunehmen und sich auch stärker auf Fragen rund um Trans- und Intersexualität konzentrieren, decken sich mit Erfahrungswerten von deutschen Beratungsprojekten wie dem COMING OUT DAY-Verein in Köln.
Zwölf Berater stehen dort via E-Mail und App für Fragen zur Verfügung. Inzwischen sind ein Drittel aller Anfragen aus den Bereichen trans und nicht-binär. Diese Nachfrage zeichnet sich ebenso in Österreich ab, weswegen das neue Jugendzentrum Kindern ab zwölf Jahren kompetente Hilfe und Beratung anbieten will – gerade auch, aber natürlich nicht nur trans- und intersexuellen Jugendlichen wie aber auch deren Eltern. „Es ist ein sichtbarer Ort der offenen Begegnung nach außen und ein Safe Space nach innen, um sich zurückzuziehen oder sich weiterzubilden“, so Schönpflug weiter.
Die konkreten Pläne nehmen inzwischen auch nach und nach Gestalt an – so sei es natürlich wichtig, dass das neue Jugendzentrum auch räumlich in der LGBTI*-Community Wiens verankert sei, weswegen drei Bezirke (4,5,6) der Hauptstadt besonders im Fokus stehen. Man hofft darauf, zeitnah entsprechende Räumlichkeiten von der Stadtverwaltung Wiens angeboten zu bekommen.
Die Finanzierung selbst ist noch nicht final abgeschlossen, die HOSI wünscht sich allerdings, dass das Jugendzentrum aus dem Bildungsetat der Stadt Wien bezahlt wird. Danach wird sich auch richten, an wie vielen Tagen und für wie viele Stunden das Jugendzentrum qualifizierte Berater bereitstellen wird können. Um wirklich effektiv zu arbeiten, sollte das Jugendzentrum nach Aussage der HOSI mindestens fünf Tage die Woche für queere Jugendliche erreichbar sein.
Das österreichische Jugendzentrum für Queers will dabei auch von den Erfahrungen der deutschen LGBTI*-Jugendeinrichtungen profitieren und traf sich deswegen bereits mit Vertretern aus Köln, München, Berlin, Karlsruhe und Hannover: „Jedes dieser queeren Jugendzentren in Deutschland hat etwas Besonderes, was nachahmungswürdig ist, wie zum Beispiel der Umgang mit unterschiedlichen sozialen Schichten und unterschiedlichem interkulturellen Publikum. Je vielfältiger und kompetenter das Betreuungspersonal ist, desto besser wird so ein queeres Jugendzentrum auch in Wien funktionieren“, so Schönpflug bei der Fachtagung.