Direkt zum Inhalt
Verbot von Homosexualität
ANZEIGE

Verbot von Homosexualität Direkter Angriff von US-Republikanern auf Homosexuelle

ms - 20.10.2022 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Was lange befürchtet worden war, ist jetzt eingetroffen – die Republikaner in den Vereinigten Staaten von Amerika greifen jetzt direkt Homosexuelle und ihre Grundrechte an und haben sich dazu das umstrittene Gesetzesvorhaben aus Florida zum Vorbild genommen. Das als “Don´t Say Gay“ zu trauriger Berühmtheit gewordene Gesetz verbietet seit dem Sommer dieses Jahres an allen Schulen in Florida, über Themen rund um LGBTI* zu reden. Das Verbot schließt je nach Interpretation des jeweiligen Schulbezirks private Gespräche, Vertrauensgespräche zwischen Lehrern und Schülern oder auch Symbole wie die Regenbogenflagge mit ein. Die Republikaner im Repräsentantenhaus haben jetzt einen Gesetzesentwurf eingebracht, der es künftig landesweit verbieten soll, mit Kindern unter 10 Jahren generell auch kindgerecht über sexuelle Orientierung zu sprechen – auch abseits der Schulen. Damit geht das neuste Gesetzesvorhaben in seiner Radikalität noch einen Schritt weiter als Floridas Gouverneur Ron DeSantis.

Der Gesetzestext mit dem Titel "Stop the Sexualization of Children Act" sieht vor, dass Bibliotheken, Schulbezirke, Krankenhäuser, staatliche Einrichtungen oder andere Organisationen keine Bundesmittel mehr erhalten, wenn sie Programme, Veranstaltungen oder Literatur mit “sexuell orientiertem Material“ anbieten oder fördern. Der Gesetzentwurf definiert "sexuell orientiertes Material" dabei als "jedes Thema, das Geschlechtsidentität, Geschlechtsdysphorie, Transgenderismus, sexuelle Orientierung oder verwandte Themen beinhaltet". Die Spannweite der Definition geht dabei sehr weit und könnte auch so interpretiert werden, dass es künftig LGBTI*-Menschen aufgrund ihrer bloßen Daseinsform verboten sein könnte, mit Kindern beispielsweise in Krankenhäusern oder Kindergärten zu arbeiten. Dabei geht das Gesetzesvorhaben sogar noch weiter: Ebenso landesweit verboten sein soll künftig “jede unzüchtige oder laszive Darstellung oder Beschreibung menschlicher Genitalien". Grundlegende Unterweisungen über Körperteile sind oft Teil des Schulunterrichts, der gerade Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch helfen soll, sich zu äußern und Hilfe zu bekommen. Anstatt zu definieren, was genau durch die vagen Beschreibungen des Gesetzentwurfs verboten ist, sollen Eltern dann sofort klagen können, wenn sie glauben, dass eine staatliche Einrichtung gegen das Gesetz verstoßen hat. Alejandra Caraballo, Dozentin der Harvard Cyber Law Clinic, erklärte dazu aus juristischer Sicht: "Universitäten, öffentliche Schulen, Krankenhäuser, medizinische Kliniken und viele mehr könnten allesamt nicht mehr finanziert werden, wenn sie eine Veranstaltung veranstalten, bei der LGBTI*-Menschen und Kinder anwesend sind. Die Art und Weise, wie sie ´sexuell orientiertes Material´ definieren, schließt einfach alles über LGBTI*-Menschen ein. Es beinhaltet ein privates Klagerecht gegen jeden Regierungsbeamten und jede private Einrichtung. Das ist ein Kopfgeldverfahren im Stil von SB8 gegen jeden, der Bundesmittel annimmt. Dies wird ein Verbot jeglicher Diskussion über LGBTI*-Menschen in jeder Einrichtung sein, die Bundesmittel erhält." Das texanische Gesetz SB8 macht normale Bürger zu “Kopfgeldjägern“, indem diese jede Person verdächtigen und gegen eine Belohnung melden dürfen, wenn sie der Auffassung sind, dass diese an einer Abtreibung beteiligt sein könnte.

Eingebracht hat das Gesetzesvorhaben der Republikaner Mike Johnson, unterstützt von 32 Kollegen. Er erklärte, dass er damit verhindern wolle, dass Kinder in die “radikale Gender-Ideologie eintauchen." Kritik kommt von zahlreichen Fachverbänden und auch LGBTI*-Organisationen, die immer wieder betonen, dass ein generelles Sprechverbot über LGBTI*-Themen schon jetzt in Teilen des Landes zu einer überdurchschnittlich hohen Selbstmordrate unter LGBTI*-Jugendlichen führt. "Letztes Jahr hat fast die Hälfte der LGBTI*-Jugendlichen über Selbstmord nachgedacht, aber das hat 33 meiner Kollegen wohl nicht davon abgehalten, heute ein föderales 'Don't Say Gay'-Gesetz einzuführen. Ich bin zuversichtlich, dass die Leute, die dieses Gesetz einbringen, eher in die Hölle kommen als die Kinder, denen sie schaden", so der demokratische Abgeordnete Mondaire Jones aus New York. Aktuell hat das Gesetzesvorhaben noch keine Chance, das lassen die aktuellen Stimmenverhältnisse im Repräsentantenhaus und dem Senat nicht zu. Wie diese Verteilung allerdings nach den Zwischenwahlen im November aussehen wird, ist komplett offen. Aktuelle Umfragen sehen einen leichten Zugewinn der Demokraten, weswegen Republikaner in den letzten Wochen immer aggressiver gegen die LGBTI*-Community vorgehen, um so mehr konservative Wähler von sich überzeugen zu können.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Polizeirazzia in Sierra Leone

Polizei durchsucht Privatparty

Nach einer Polizeirazzia bei einer Privatparty in Sierra Leone sollen rund fünfzig Schwule verhaftet worden sein, nach zwei Aktivisten wird gefahndet.
Neuer Streit um trans* Schüler

US-Regierung verklagt Schulbezirk

Die Trump-Regierung verklagt einen Schulbezirk in Kansas wegen einer queerinklusiven Regelung und beruft sich auf Elternrechte.
Mehr Hochzeiten in Brasilien

Studie belegt „Bolsonaro“-Effekt

Nach Bolsonaros Wahl 2018 heirateten gleichgeschlechtliche Paare in Brasilien deutlich häufiger – aus Sorge um ihre Rechte, so eine neue Studie.
Schweiz plant Verbot

Konversionstherapie im Fokus

Die Schweiz unterstützt ein landesweites Verbot von Konversionstherapien und will damit unterschiedliche Regeln der Kantone vereinheitlichen.
Massenverhaftung in Kamerun

Prozessauftakt heute in Douala

Bei einer Razzia in Douala in Kamerun wurden 68 Männer wegen mutmaßlicher Homosexualität festgenommen, neun von ihnen sitzen weiter in Haft.
25 Jahre nach „Bloody Pride“

Hunderte demonstrierten in Belgrad

25 Jahre nach der gewaltsamen ersten Belgrade Pride demonstrierten am Wochenende Hunderte in Serbiens Hauptstadt für LGBTIQ+-Rechte.
Große Trauer in Tucson

Tödliche Schüsse vor Schwulen-Bar

Nach einem tödlichen Hassverbrechen vor einer Schwulen-Bar in Tucson trauerten nun rund 1.000 Menschen bei einer Mahnwache um die zwei schwulen Opfer.
202 Fragen zum Aktionsplan

Forderung nach Zielen und Geld

Der LSVD+ Bayern fordert von der Staatsregierung mehr Verbindlichkeit, Geld und Beteiligung bei der Umsetzung des Aktionsplans Queer.
Neuer Kurs nach CSD-Attentat

Überarbeitung des Aufenthaltsrechts

Die Union will Ausweisungen ausländischer Straftäter erleichtern, wenn ihre Taten frauen-, queer- oder christenfeindlich motiviert sind.