US-Amerikaner wollen die Homo-Ehe Hat die Homo-Ehe nach den Zwischenwahlen noch eine Chance?
Die Ergebnisse einer neuen Studie im Auftrag der Human Rights Campain (HRC) bestätigen nun deutlich, dass zwei Drittel der registrierten Wähler in den berühmt-berüchtigten amerikanischen Swing States die gleichgeschlechtliche Ehe und die Gleichstellung von Homosexuellen unterstützt. Bei den Swing States handelt es sich um jene Bundesstaaten in den USA, deren Wahlausgang bei den Zwischenwahlen noch ungewiss ist, weswegen sie heiß und bitter umkämpfte Regionen sowohl für Demokraten wie auch Republikaner sind.
Die neusten Umfrage-Ergebnisse bekräftigen dabei vorangegangene Studien, dass auch insgesamt die Mehrheit der Amerikaner positiv auf die gleichgeschlechtliche Ehe blickt und so auch ein Vorhaben wie jenes der Demokraten unterstützen würde – das trifft dabei auch auf republikanische Wähler zu. Die Partei selbst scheint allerdings nicht so recht an die liberale Gesinnung ihrer Parteifreunde zu glauben, weswegen sie im August bereits einzelne republikanische Unterstützer des geplanten Bundesgesetzes für die Homo-Ehe kurz vor den wichtigen Zwischenwahlen zurückgepfiffen hatte. Die Demokraten mussten daraufhin im September erklären, dass sie die Abstimmung über die Einführung eines landesweiten Bundesgesetzes auf November nach der Wahl verschieben mussten – ohne zehn Stimmen von Seiten der Republikaner ist das Gesetzesvorhaben zum Scheitern verurteilt.
US-Beobachter rechneten dem Vorhaben bereits zuvor keine großen Chancen zu, gerade mit Blick auf die Wahlen will keine Partei der anderen einen politischen Erfolg zugestehen. Zudem scheiterten die Demokraten bereits mehrfach in der Vergangenheit mit dem Plan, die Homo-Ehe gesetzlich zu verankern. Der erneute Anlauf durch die Instanzen, der die Hürde des Repräsentantenhauses noch erfolgreich nehmen konnte, kam zustande, weil einige der konservativen Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten erklärt hatten, dass sie sich vorstellen könnten, den Entschluss zur landesweiten Legalisierung der Homo-Ehe für obsolet zu erklären. Würde eine Mehrheit der Richter dem zustimmen, wäre es künftig abermals den Bundestaaten selbst überlassen, ob sie eine gleichgeschlechtliche Ehe anerkennen wollen oder nicht, rund die Hälfe der Gouverneure haben das bereits im Vorfeld für sich verneint.
Erstaunlich bleibt, dass bei allem wahltaktischen Kalkül die Republikaner trotzdem weiterhin gegen den Willen der Mehrheit der US-Amerikaner handeln. Die von der HRC, der größten LGBTI*-Bürgerrechtsorganisation des Landes, erhobenen Daten zeigen klar auf, dass 64 Prozent der potenziellen Wähler bei den Zwischenwahlen im November ein Gesetz zum "Schutz des nationalen Rechts auf gleichgeschlechtliche Ehe" unterstützen würden. Ob die Demokraten dieses Negieren der Republikaner für sich nutzen können, ist noch fraglich. Die befragten Wähler wohnen alle in Swing States, auch gerne als "Battleground"-Staaten bezeichnet: Arizona, Colorado, Florida, Georgia, Michigan, New Hampshire, Nevada, North Carolina, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin. In all diesen Staaten liegen die republikanische und die demokratische Partei bei den Wählerstimmen in Umfragen nahezu gleich auf, sodass bereits ein paar wenige hundert oder tausend Stimmen den Ausgang der Wahl maßgeblich beeinflussen können. Übrigens: Die Unterstützung für die Homo-Ehe geht auch über die einzelnen Wählergruppen hinaus: 58 Prozent der Männer, 69 Prozent der Frauen und sogar 55 Prozent der Christen sind dafür.
"Die Gleichstellung der Ehe hat sich nur positiv ausgewirkt, sowohl für die LGBTI*-Community als auch für unsere Gesellschaft als Ganzes - und das spiegelt sich in dieser Umfrage wider. Die gleichgeschlechtliche Ehe ist seit 2015 landesweit legal, und in vielen Staaten schon seit Jahren davor. Die Freude, die von Tausenden von Hochzeiten von Paaren ausgegangen ist, denen das Recht zu heiraten zuvor verwehrt wurde, hat viele Herzen zum Schmelzen gebracht. Und die angeblichen Schäden, die die Gegner der Ehegleichheit vorausgesagt haben, sind einfach nicht eingetreten. Es ist wichtiger denn je, den Respect for Marriage Act zu verabschieden und damit die Stimme der 71 Prozent der Amerikaner im ganzen Land widerzuspiegeln, die die Gleichstellung der Ehe unterstützen", so HRC-Interimspräsident Joni Madison.