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Umstrittene Sexuallehre Jugendreligion-Aufschwung in Bayern: Aufbruch und Kritik

Von mr - 17.12.2025 - 14:30 Uhr
Jugendreligion-Aufschwung in Bayern: Aufbruch und Kritik
Foto: © iStock / artplus
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Eine junge Generation von Christinnen und Christen formiert sich in Bayern: An Orten wie dem Gebetshaus Augsburg und den „Home Bases“ der Loretto-Gemeinschaft in Passau erlebt Glaube derzeit einen Aufschwung in ungewöhnlich modernem Gewand – mit Lobpreiskonzerten, Influencer-Ästhetik und Botschaften, die junge Menschen ansprechen und auf Mission setzen. Doch nun geraten diese Bewegungen ins Visier der Kritik: Ehemalige Mitglieder und Fachleute berichten von problematischen Strukturen – bis hin zu seelsorgerlichem Übergriff und ungeprüften Therapieangeboten.

 

Spirituelle Zentren als Jugendmagnete

Das von Johannes Hartl gegründete Gebetshaus Augsburg gilt als Kernstück einer charismatischen Erweckungsszene, die klassische Religiosität mit Zeitgeist verbindet. Hier treffen sich Tag und Nacht Menschen zum Gebet und erleben sich als Akteurinnen und Akteure einer „heilenden Gegenbewegung“ gegen gesellschaftliche Trends. Besonders beliebt sind Jüngerschaftsschulen, in denen junge Erwachsene gezielt zu Missionarinnen und Missionaren ausgebildet werden – für monatlich bis zu 750 Euro. Neben dem Gebet stehen dort auch Glaubensschulungen zu Lebensführung, Sexualität und „innerer Befreiung“ auf dem Programm.

 

Zwischen Heilversprechen und Grenzüberschreitung

Kritisch sehen Fachleute und frühere Anhängerinnen und Anhänger vor allem Aussagen zu Sexualität, psychischer Gesundheit und „geistlicher Kampfführung“. So wurde etwa in Vorträgen der Zusammenhang zwischen schweren Krankheiten und einem vermeintlich „sündhaften“ Lebensstil hergestellt. Aussteigerinnen wie Simone Coring bezeichnen diese Lehren als riskant und stigmatisierend. Besonders besorgniserregend: Laut aktuellen Berichten gibt es Fälle, bei denen seelische Notlagen wie Suizidgedanken im Umfeld von Missionaren mit dem Rat zu mehr Gebet und Buße begegnet wurden. Dem widersprechen die Organisationen, verweisen auf hohe Präventionsstandards und betonen, dass professionelle Hilfe angeboten werde.

 

Alte Debatten, neue Dynamiken

Die charismatischen Bewegungen erhalten Rückendeckung von Bischöfen wie Stefan Oster, der ihnen Immobilien und öffentliche Anerkennung gewährt. Doch interne Untersuchungen und aktuelle Forschung zeigen inzwischen klare Grenzen auf: Weder die Behauptung von genereller „Pornosucht“ durch Medienkonsum, noch Behandlungsversuche ohne fachliche Qualifikation sind wissenschaftlich haltbar. Erst kürzlich haben sich US-amerikanische FOCUS-Missionarinnen und Missionare wegen solcher Vorwürfe aus Passau zurückgezogen.

 

Scheideweg der Erneuerung

Die wachsende Sichtbarkeit und das missionarische Selbstbewusstsein stellen Kirche, Gesellschaft und Politik vor Herausforderungen: Wo endet spirituelle Begleitung – und wo beginnt der Einfluss auf Privatleben, Gesundheit und Selbstbild der Menschen? Die Diskussion wirft nicht nur einen kritischen Blick auf radikale Glaubensmodelle, sondern eröffnet auch die Frage, wie Religion in einer pluralen Gesellschaft wirken sollte.

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