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Todesstrafe im Iran

Todesstrafe im Iran Hinrichtungswelle trifft insbesondere auch LGBTIQ+-Menschen

ms - 01.10.2025 - 12:00 Uhr
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Mit einem eindringlichen Appell richtet sich die Menschenrechtsorganisation Amnesty International jetzt an die internationale Staatengemeinschaft: Mehr als 1.000 Menschen wurden bisher im Jahr 2025 im Iran hingerichtet, darunter auch eine unbekannt große Anzahl von LGBTIQ+-Menschen. Laut Recherchen des Vereins ist dies die höchste dokumentierte Zahl seit mindestens 15 Jahren. 

Forderungen an Staatengemeinschaft

Es bedürfe jetzt einer sofortigen Reaktion auf diese Hinrichtungswelle, so Amnesty. Andere Staaten sollten verstärkt Druck auf die Regierung aufbauen, um weitere Hinrichtungen zu stoppen. Zudem sollten die iranischen Behörden sofort ein Hinrichtungsmoratorium verhängen. Zu den Opfern gehören nebst Homosexuellen und queeren Menschen auch Aktivisten, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, politisch Verfolgte, ethnische Minderheiten oder auch Anhänger von Protestbewegungen.

Die fadenscheinigen Anschuldigungen sind immer gleich: „Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen“, „Bewaffnete Rebellion gegen den Staat“, „Feindschaft zu Gott“ oder auch kurz und knapp „Verdorbenheit auf Erden“ – unter die letzten zwei Anklagepunkte fallen vor allem auch viele schwule Männer. Gerne werden Kritiker des Staates auch wegen vermeintlichen Drogendelikten zum Tode verurteilt. Tatsächlich bewiesen werden müssen die Anklagepunkte in den Scheinprozessen nicht, es reichen Anschuldigungen von dritter Seite. 

Negativrekord bei Hinrichtungswelle

Die Welle der Hinrichtungen hat in diesem Jahr bereits jetzt einen neuen Negativrekord erreicht – in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 wurden mehr als 1.000 Menschen ermordet. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2024 waren es 972 Personen. Die Lage habe sich laut Amnesty 2025 noch einmal verschärft, nachdem Israel den Iran im Juni 2025 militärisch angegriffen hat. Beim sogenannten „Zwölftagekrieg“ griffen israelische Verteidigungsstreitkräfte Anlagen des iranischen Atomprogramms, militärische Einrichtungen sowie hochrangige Kommandeure der Militärführung und iranische Kernphysiker an. Zwei Wochen zuvor hatte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) mitgeteilt, dass der Iran inzwischen über rund 400 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran verfüge – bei weiterer Anreichung reiche dies für den Bau von neun Atombomben. Der Angriff von Israel wurde seitdem von der iranischen Führung ausgenutzt, um im Namen der „nationalen Sicherheit“ weitere Menschen hinrichten zu lassen. 

Heba Morayef, Direktorin für die Region Naher Osten und Nordafrika bei Amnesty International, erklärte dazu jetzt: „Die Zahl der Hinrichtungen im Iran hat ein entsetzliches Ausmaß angenommen. Die iranischen Behörden wenden die Todesstrafe systematisch an, um Menschen zu unterdrücken und jeglichen Dissens auszumerzen. Dies ist ein erschreckender Angriff auf das Recht auf Leben. Die Todesstrafe ist unter allen Umständen verabscheuenswert, doch ihre massenhafte Anwendung nach routinemäßig grob unfairen Gerichtsverfahren verstärkt das Unrecht noch um ein Vielfaches.“

Ende der Todesstrafe

Konkret fordert die Organisation nebst dem internationalen Druck auch, dass die Staaten wirkungsvollere Mittel finden müssten, um die Willkür zu beenden und iranische Staatsbedienstete zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem sollten alle Todesurteile sofort aufgehoben werden: „Das Ziel muss sein, die Todesstrafe vollständig abzuschaffen.“

Gerade angesichts der Narrenfreiheit der Gerichte sei ein solcher Schritt dringend geboten: „Recherchen von Amnesty International haben gezeigt, dass die für Belange der nationalen Sicherheit und für Drogendelikte zuständigen Revolutionsgerichte nicht unabhängig sind. Sie verhängen nach Verfahren, die bei Weitem nicht den internationalen Standards entsprechen, harte Strafen. Den Angeklagten werden systematisch ihre Verfahrensrechte vorenthalten.“ Erhobene Folter- und Misshandlungsvorwürfe der Angeklagten würden dabei von den Behörden nie untersucht werden. 

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