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Apple entfernt schwule Dating-Apps in China // © ZUMA Press Wire
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Tim Cook unter Kritik in China Apple entfernt schwule Dating-Apps in China

mr - 11.11.2025 - 12:30 Uhr
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Die Entscheidung des US-Technologiekonzerns Apple, auf Anordnung der chinesischen Regierung schwule Dating-Apps wie Blued und Finka aus dem App-Store in China zu entfernen, hat die globale Debatte um digitale Meinungsfreiheit, Menschenrechte und Unternehmensverantwortung erneut entfacht. Nutzerinnen und Nutzer im Land bemerkten die plötzliche Entfernung der beliebten Plattformen am vergangenen Wochenende – ein Schritt, der zwar nicht die Nutzung bereits installierter Apps verhindert, jedoch für viele Menschen den Zugang deutlich erschwert.

 

Digitale Kontrolle und gesellschaftliche Tabus

Der Vorfall verdeutlicht die restriktive Internetpolitik der chinesischen Regierung. Homosexualität ist in China zwar seit 1997 nicht mehr strafbar, aber gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung sind nach wie vor weit entfernt. Gleichgeschlechtliche Ehen sind weiterhin verboten, Diskriminierung bleibt Alltag, und queere Themen haben im öffentlichen Diskurs kaum Platz. Bereits seit mehreren Jahren treibt Präsident Xi Jinping eine Politik der ideologischen Homogenität und konservativen Werte voran. Alles, was als „westlich“ oder „liberal“ gilt – darunter queere Identitäten – steht unter besonderer Beobachtung und wird zunehmend aus dem öffentlichen Raum verdrängt.

So untersagen die chinesischen Behörden seit 2016 explizit die Darstellung homosexueller Liebesbeziehungen im Fernsehen. Auch queere Organisationen, wie das Pekinger LGBTQ-Zentrum, wurden in jüngster Zeit von den Behörden geschlossen. Solche Maßnahmen führen dazu, dass insbesondere junge trans* und lesbische, schwule, bisexuelle, inter* und queere Menschen mit sozialer Isolation und Diskriminierung konfrontiert sind.

 

Technologieunternehmen zwischen Kommerz und Verantwortung

Apple, geleitet von Tim Cook, der sich selbst öffentlich als schwuler Manager positionierte, steht mit seiner China-Strategie seit Jahren in der Kritik. Der Konzern befolgt wiederholt Vorgaben der chinesischen Regierung, um auch weiterhin auf einem der lukrativsten Märkte der Welt präsent zu sein. Bereits zuvor entfernte Apple VPN-Anwendungen, mit denen Menschen digitale Zensur umgehen könnten, aus seinem App-Store in China. Hinzu kommt, dass die in China gespeicherten iCloud-Daten nach offiziellen Regelungen lokal gesichert werden und teils staatlichen Zugriff ermöglichen.

Andere internationale Technologiekonzerne positionieren sich unterschiedlich gegenüber der chinesischen Zensur. Google beispielsweise zog sich vollständig vom chinesischen Markt zurück, da die verlangten Einschränkungen mit den eigenen Unternehmenswerten nicht vereinbar waren. Im Unterschied dazu setzen Apple und viele andere Firmen offenbar auf Kompromissbereitschaft – auch wenn diese oft auf Kosten von Minderheitenrechten geht.

 

Reaktionen aus Zivilgesellschaft und internationale Kritik

„Wenn Unternehmen kompromisslos nationale Gesetze befolgen, ohne Menschenrechte als Maßstab heranzuziehen, verlieren sie ihre moralische Integrität und werden Teil eines Unterdrückungssystems“, mahnt eine Sprecherin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

International sorgen Vorgehensweisen wie die jüngste App-Entfernung für ernste Bedenken. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass Unternehmen wie Apple so nicht nur die Umsetzung repressiver staatlicher Maßnahmen erleichtern, sondern auch gegen das eigene Bekenntnis zu Vielfalt und Inklusion verstoßen. Die Löschung von Dating-Apps nimmt queeren Menschen wichtige digitale Freiräume, die unter den restriktiven politischen und gesellschaftlichen Bedingungen Chinas ohnehin rar sind. Zugleich drohen diese Maßnahmen, die Sichtbarkeit und das Sicherheitsgefühl queerer Menschen weiter zu beeinträchtigen.

 

Welche Zukunft für digitale Räume in China?

Die jüngste App-Löschung wirft drängende Fragen zur Zukunft digitaler Freiräume in autoritär regierten Staaten auf. Für Apple und andere internationale Unternehmen verstärkt sich der Druck, eine klare Haltung einzunehmen: Wieweit lassen sich ethische Unternehmensgrundsätze mit den politischen und wirtschaftlichen Realitäten in China vereinbaren? Offen ist auch, ob und wie queere Menschen in China weiter digitale Netzwerke knüpfen können – etwa durch noch weniger sichtbare oder regimetreue Plattformen.

Zudem geraten Fragen der globalen Verantwortung großer Konzerne zunehmend in den Fokus internationaler Debatten. Ob Unternehmen wie Apple ihre Selbstverpflichtung zu Inklusion und Menschenrechten künftig glaubwürdig umsetzen, bleibt offen. Zugleich zeigt der aktuelle Fall, wie sehr queere Gemeinschaften in restriktiven Umgebungen auf sichere digitale Räume angewiesen sind und wie fragil diese Räume angesichts der weltweiten Verflechtung zwischen Wirtschaft, Politik und Technologie geworden sind.

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