Suizid wegen Schulmobbing Mitschüler hänselten Jungen wegen seiner Homosexualität
Bittere Gewissheit: Ein 13-jähriger Junge aus England, der sich vor einem Jahr das Leben nahm, war nach neusten Erkenntnissen einer gerichtlichen Untersuchung (Inquest) in der Schule wegen seiner Sexualität gehänselt worden. Leyton Taylor starb wenige Tage, nachdem er am 6. April 2025 bewusstlos in seinem Zuhause gefunden worden war. Rettungskräfte brachten ihn ins Krankenhaus, wo er im Koma blieb. Seine Familie stimmte später dem Abbruch der Behandlung zu.
Das Wichtigste im Überblick
- Leyton Taylor (13) aus Norfolk, England, nahm sich das Leben nach Hänseleien über seine Sexualität
- Todesursache: Hirnstammtod, hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, Herzstillstand und Erstickung durch Erhängen
- Mutter berichtet, Leyton sei wegen seines femininen Sprechstils und seines Outings von Mitschülern gemobbt worden
- Leyton übernahm zuhause Verantwortung für jüngere Geschwister und half bei der Pflege seines behinderten Halbbruders
- Vor seinem Tod hatte er um Beratung gebeten und über „eine falsche Maske des Lächelns“ gesprochen
13-Jähriger erhängt sich nach Outing
Als medizinische Todesursache wurden Hirnstammtod, hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses sowie Erstickung durch Erhängen festgestellt. Nach dem Tod vor einem Jahr wurde eine sogenanntes Inquest durchgeführt, eine spezielle Art von Untersuchung im britischen Rechtssystem, die vor allem in England, Wales, Nordirland und teilweise in Schottland Anwendung findet. Sie dient nicht der strafrechtlichen Verfolgung, sondern der Feststellung der Umstände eines Todesfalls, insbesondere wenn dieser plötzlich, unerwartet oder unter fragwürdigen Bedingungen eingetreten ist.
Die Untersuchung am Coroner’s Court in Norfolk ergab, dass Leyton während des Schuljahres mit seiner Familie von Dickleburgh nach Wymondham in Norfolk im Osten Englands gezogen war. Nach seinem Wechsel auf die Wymondham High Academy fand er zunächst Freunde, ging später jedoch stets allein nach Hause. Selbstbewusst hatte sich der 13-Jährige bei seinen neuen Mitschülern zuvor als schwul geoutet. Dann nahmen die „endlosen Sticheleien, Mobbing und die herzlose Behandlung“ rapide zu.
Rückzug nach Outing
An jenem Tag bemerkte seine Familie eine Veränderung in seinem Verhalten, unter anderem wurde er viel stiller und zog sich weiter zurück. Seine Mutter erklärte, er sei von Mitschülern gezielt immer wieder angegriffen worden, nachdem er erzählt hatte, dass er einen Freund habe. „Er sprach lebhaft, eher feminin – nicht der ‚harte Typ‘. Das ging nicht nur eine kurze Zeit so. Keiner der Jungen an dieser Schule hat ihn akzeptiert. Sie sagten ihm, sie würden ihn wegen seiner Art zu sprechen niemals akzeptieren“, erzählte sie bei der Anhörung.
Der Schulleiter erklärte, das Personal habe von den Vorfällen nichts gewusst und erst nach Leytons Tod davon erfahren. Er beschrieb den Jungen als „glücklich und selbstbewusst im Umgang mit Erwachsenen“ und fügte hinzu: „Leyton war eine einzigartige Seele – witzig, sarkastisch, schrullig und immer voller Leben, ein Freigeist mit unendlichem Humor und grenzenloser Energie.“
„Ich werde mir das nie verzeihen“
Die Untersuchung beleuchtete auch Leytons Rolle innerhalb der Familie. Als zweitältestes Kind half er regelmäßig bei der Kinderbetreuung, beim Putzen und Einkaufen und unterstützte die Pflege seines behinderten Halbbruders, der am Dravet-Syndrom leidet, einer schweren Form von Epilepsie. Seine Mutter sagte: „Leyton hat auf die Kleinen aufgepasst. Er ist einkaufen gegangen. Sein behinderter Bruder ist anfällig für plötzliche epileptische Anfälle… Kyle konnte nicht aktiv helfen. Ich habe mich mehr auf Leyton gestützt. Jetzt sehe ich, dass Kyle und ich diejenigen waren, die Leyton daran gehindert haben, ein Kind zu sein.“
Darüber hinaus hatte Leyton zuvor nach einer Beratung gefragt und sprach davon, „eine falsche Maske des Lächelns“ aufsetzen zu müssen. In einer vor Gericht verlesenen Erklärung sagte sein Stiefvater: „Ich habe nicht das Gefühl, ihn anders behandelt zu haben als die anderen. Ich habe aber auch nicht genug getan. Ich hätte mehr tun müssen… Ich werde mir nie verzeihen, was passiert ist.“ In ihrem abschließenden Urteil stellte die Gerichtsmedizinerin vor Gericht fest, es habe „keine Hinweise für die Absicht“ geben, dass der 13-Jährige sich wirklich das Leben nehmen wollte. Sie sagte zur Mutter: „Es genügt nicht zu sagen, dass jeder frustriert wäre – nicht nur ein 13-jähriger Junge oder ein Mädchen. Er aber hatte zudem das Gefühl, mehr leisten zu müssen als alle anderen, was wahrscheinlich auch zutrifft.“
Hier gibt es Hilfe
Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.
Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger, E-Mail und Videochat unter www.coming-out-day.de sowie www.comingoutundso.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de