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Stimmungsmache gegen Schwule Russische Propaganda auf Wikipedia und anderen Infoseiten

Von ms - 09.12.2022 - 11:00 Uhr
Stimmungsmache gegen Homosexuelle
Foto: iStock / artoleshko
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Russlands Präsident Wladimir Putin ist kein Freund von Fakten – das hat er spätestens seit dem Beginn des Ukraine-Krieges einmal mehr unter Beweis gestellt. Auch die Einmischung von russischen Hackern in die letzten US-Wahlen sind hinlänglich bekannt. Nun allerdings zeigt eine aktuelle Studie auf, wie die russische Regierung systematisch und dabei bisweilen unbekannt subtil versucht, auch auf seriösen Informationsseiten im Internet Fakten zu manipulieren, um so Stimmung gerade auch gegen Homosexuelle zu machen.

Passend dazu hat die Regierung zuletzt eine Verschärfung des Anti-Homosexuellen-Propaganda-Gesetzes von 2013 beschlossen, sodass künftig jegliche “Werbung“ für "nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen" nicht nur in Schulen und bei Minderjährigen, sondern generell für alle Russen verboten ist – in der Realität ein Komplettverbot von Homosexualität. Präsident Putin hat das Gesetz Anfang dieser Woche final unterschrieben. 

Fake-News auf Wikipedia im Kampf gegen Homosexuelle

Diese Stimmungsmache gegenüber Schwulen und Lesben verfolgt Putin nun offenbar auch verstärkt online, gerade auch bei Portalen wie Wikipedia. Hier würde immer wieder versucht werden, durch “verdächtige Bearbeitungen“ den öffentlichen Diskurs im Sinne einer pro-russischen Agenda zu verschieben und dabei auch Homosexuelle zu diskreditieren. Erschreckend ist dabei zudem, wie subtil zahlreiche zweifelhafte Accounts die digitale Enzyklopädie und andere Informationsplattformen bearbeiten, manipulieren und anpassen, sodass es oft nur einzelne Kleinigkeiten sind, die auf den ersten Blick leicht übersehen werden, in der Summe aber meinungsverzerrend wirken können.

Dieses subtile Vorgehen, bei dem immer wieder einzelne Artikel scheinbar ohne Zusammenhang bewusst editiert werden, nennt sich Netzwerk-Mapping, so das Forscherteam des unabhängigen Institute for Strategic Dialogue (ISD) und des Centre for Analysis of Social Media (CASM). Nebst dem Homosexuellen-Bashing wird  derzeit natürlich auch besonders häufig versucht, den Ukraine-Krieg inhaltlich neu zu besetzen.

Manipulationen bei über 800.000 Texten

Die Fachleute der zwei Institute konnten diese Manipulationen insgesamt auf 86 Konten zurückführen, die inzwischen gesperrt sind. Insgesamt haben die Autoren hinter diesen Konten rund 800.000 Überarbeitungen vorgenommen. Immer wieder waren dabei auch Querverweise zu russischen Quellen festgestellt worden. Es ginge stets darum, so eine Sprecherin der Institute, die „Objektivität pro-westlicher Darstellungen zu minimieren und die Objektivität von Pro-Kreml-Darstellungen zu maximieren.“

Die Manipulationen seien dabei oftmals so schwer eindeutig Russland direkt zuzuweisen, dass jenseits von Kontosperrungen weitere Vorgehensweisen nicht durchführbar sind. So zeigt die Studie auch auf, dass oftmals ebenso mit speziellen Tag-Teams, Deep Fakes, gefälschten Accounts oder auch sogenannten Click-Farms gearbeitet werde. Die Agenda am Ende ist dabei klar: Die Förderung der pro-russischen Sichtweise und die Herabsetzung und Diffamierung von Minderheiten wie Homosexuellen auch außerhalb Russlands immer weiter zu fördern.  

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